Test: Thomann DP-32 - Homepiano zum Einsteiger-Preis

Test: Thomann DP-32 – Homepiano zum Einsteiger-Preis

  • Das Thomann DP-32 ist ein preisgünstiges Digitalpiano für Anfänger und Einsteiger.
  • Neben einem ansprechenden Klavierklang bietet das DP-32 weitere Sounds wie E-Piano, Strings, Orgeln, Harpsichord usw.
  • Mit Tastaturabdeckung, eingebauten Lautsprechern, 3-fach-Pedal und graduiert gewichteter Hammermechanik-Tastatur bekommt man ein vollwertiges Homepiano im ansprechenden Holz-Finish.
Thomann DP32 Digitalpiano

Ja, geht’s noch?! Ein Homepiano unter 500 Euro? Mit dem Thomann DP-32 bringt der Musikhändler aus Treppendorf ein kleines Digitalpiano heraus, das mit klassischem Konsolen-Design im Wohnzimmer daheim gut ausschaut. Bei dem extrem günstigen Preis fragt man sich allerdings, wo der Haken ist.

War bereits das DP-51 eine absolute Überraschung, setzt Thomann mit dem DP-32 das Preis-Barometer abermals nach unten. Die Fertigung in Fernost macht’s möglich, und den niedrigen Herstellungspreis gibt Thomann mit Instrumenten und Equipment seiner Eigenmarken an die Kundschaft weiter. Und die darf sich freuen über Ausstattungsmerkmale, für die man bei Homepianos eigentlich ein paar Hundert Euro mehr drauflegen müsste.

Graduiert gewichtete Tasten

Im Vergleich zu teureren Homepianos spürt man beim Anspielen der Tasten gleich, dass nach oben noch einiges möglich ist. Dennoch bekommt man beim Thomann DP-32 eine vollwertige 88er Tastatur mit Graded Hammermechanik. Ähnlich wie bei einem Klavier oder Flügel ist dabei der der Bassbereich stärker gewichtet ist als der Diskant. So vermittelt die Tastatur ein angenehmes und gut ausbalanciertes Spielgefühl. 

Die Tastatur ist dabei leichtgängig, gut also für den Einstieg. Dennoch spielen sich die Tasten griffig und repetieren auch prima. Im Pianissimo lassen sich die Tasten nicht so ganz so toll kontrollieren, dafür fehlt die Druckpunktsimulation – absolut normal in dieser Preisklasse. Insgesamt keine Bestwertung, aber im Hinblick auf den günstigen Preis ist das wirklich sehr ordentlich.

Halb-Pedal-fähiges Sustain-Pedal 

Eine Besonderheit ist die Ausstattung mit einer Halb-Pedal-Funktion. Zwar arbeitet diese nicht als kontinuierlicher Controller, aber es gibt eine Zwischenstufe, die diese wichtige Ausdrucksmöglichkeit zumindest erlaubt.

Thomann DP-32 mit Halb-Pedal-fähigem Sustain-Pedal
Das 3fach-Pedal bietet auch eine einfache Halb-Pedal-Funktion.

Ansprechender Klavierklang

Das Thomann DP-32 bietet insgesamt 16 Sounds, drei davon sind akustische Piano-Sounds. Im Grunde handelt es sich dabei um immer das gleiche Sample eines stereo aufgenommenen Konzertflügels. Einmal als gedeckte Variante im ersten Preset, während Piano 2 eine brillantere Version davon ist. Piano 3 liegt irgendwo dazwischen und wurde mit einem schönen Schwebungseffekt leicht angereichert – gut für Pop-Musik und Song-Begleitungen.

Der Piano-Sound klingt im Tonumfang ausgewogen und hat außerdem in der Dynamik einige Reserven. Man sollte hier kein super feines Pianissimo erwarten (wir blicken noch ein mal auf das Preisschild), aber immerhin im Mezzopiano bis Forte sorgen verschiedene Velocity-Samples für Ausdruck. Ebenfalls ausgewogen wirken die Dämpfer-Resonanzen, wenn man im Pedal spielt.

Im Ausklang sind die Pianoklänge allerdings ein wenig unnatürlich – die Samples werden in mittlerer und hoher Lage recht kurz nach dem Attack geloopt, was einen etwas statischen Ausklang erzeugt. Im Bassbereich sind außerdem vereinzelt Loops hörbar. Für die ersten Klavier-Etüden ist das aber zu vernachlässigen. Ein kleines technisches Detail fäll positiv auf: Beim Umschalten der Klänge wird die Wiedergabe nicht abgeschnitten. 

E-Pianos und weitere Sounds

Als E-Pianos gibt es einen Vintage-Sound und einen modernen DX-Piano-Sound. E-Piano 1 ist ein voller und brillanter Sound – ähnlich einem Fender Rhodes. Ein Velocity-Switch ist beim dynamischen Spiel etwas auffällig, aber dennoch schön, dass man mit dem Klang so ausdrucksstark spielen kann. Das E-Piano 2 wirkt etwas flach dagegen. Ansonsten findet man die typischen Sounds eines Digitalpianos vor, wie Harpsichord und die elektrische Variante Clavinet, dann eine Transistor-Orgel, eine Hammond-Orgel mit Leslie-Effekt sowie eine Kirchenorgel. 

Zum Klavierspielen sind die zusätzlichen Sounds nicht essentiell wichtig, aber sie erhöhen den Spaßfaktor und fallen in der Qualität auch nicht durch. Gut auch, dass Klangdetails wie der Tonansatz berücksichtigt werden: Der Hammond-Sound spielt sich mit etwas Percussion im Sound sehr griffig, während bei der Sakral-Orgel Anblasgeräusche der Pfeifen für Realismus sorgen. Als Tasteninstrument darf natürlich ein Akkordeon nicht fehlen, wichtiger aber sind schön flächige Strings – die haben mit einem schwebungsreichen Klang sogar schon orchestrale Wirkung.

Thomann DP-32 - Bedienfeld
Über das Bedienfeld hat man alle wichtigen Funktionen im direkten Zugriff: Sounds anwählen, Metronom einstellen oder mit dem eingebauten Recorder aufnehmen. Viele weitere Möglichkeiten findet man über den FUNCTION-Taster.

Umfangreiche Ausstattung

In dieser Preisklasse würde ich als „Bedienelemente“ einen On/Off-Schalter und einen Lautstärke-Regler erwarten, aber links neben der Tastatur befindet sich sogar ein weiteres kleines Bedienfeld mit sieben Tastern. Für die wichtigsten Einstellungen völlig ausreichend: Metronom, Recorder, Sounds, Song-Player, Reverb und Chorus liegen darüber im Zugriff. Die Beschriftung der Taster deutet es bereits an, dass einige Funktionen mit Tastenkombinationen zu handhaben sind. Ansonsten kommt als weiteres Bedienelement die Tastatur hinzu, sobald man den FUNCTION-Taster drückt.

Auch wenn das etwas umständlich zu handhaben ist, darf man sich wundern, wie viel Funktionalität dieses kleine E-Piano doch mitbringt. Es gibt die Möglichkeit, zwei Sounds gleichzeitig zu spielen – als Dual- oder Split-Sound. Interessant für den Klavierunterricht ist dann noch die Twinova-Funktion, welche die Tastatur in zwei Spielbereiche bei gleicher Tonhöhe unterteilt. Optimal für paralleles vierhändiges Spiel, was mit zwei Kopfhörer-Buchsen auch unterstützt wird.

Ich bin ebenfalls positiv überrascht, dass sich auf der Rückseite ein USB-MIDI-Anschluss sowie, jeweils als Stereo-Klinkenbuchse ausgeführt ein Audio-Ausgang und ein Aux-In befindet. Es ist also möglich, das Thomann DP-32 an externe Lautsprecher oder ein Mischpult anzuschließen – eine Möglichkeit, die sonst nur deutlich teureren Digitalpianos vorbehalten ist. Die eingebauten Lautsprecher geben die Sounds sauber wieder, aber hier entspricht des Thomann DP-32 ganz seiner Preisklasse: Bei der geringen Baugröße sollte vom Klang der Lautsprecher keine Wunder erwarten.

Fazit: Für den Preis ganz schön gut!

Als Digitalpiano unter 500 Euro ist das Thomann DP-32 eine positive Überraschung. In der Ausstattung vergleichbare Instrumente im Homepiano-Design sind eigentlich deutlich teurer. Dabei bringt das das DP-32 eine umfangreiche Ausstattung mit und wird von Thomann sogar im Bundle zusammen mit Hocker und Kopfhörer knapp unter 500 Euro angeboten. Mit Holzgehäuse, Tastaturdeckel, Hammermechanik-Tastatur, 3fach-Pedal und zwei Kopfhöreranschlüssen ein ausgewachsenes kleines Digitalpiano.

Der Klavierklang des Thomann DP-32 mag im Ausklang etwas statisch wirken, aber es sollte klar sein, dass man für den günstigen Preis keinen edlen Steinway-Flügel bekommt. Allerdings klingt der Piano-Sound im gesamten Tonbereich ausgewogen und lässt sich über die Tastatur dynamisch artikulieren. Wer günstig mit mit dem Klavierspielen anfangen möchte, kann mit dem Thomann DP-32 nichts falsch machen.

Thomann DP-32 Übersicht

Thomann DP-32 – Übersicht

Erhältlich seit: Mai 2019
Tastatur: Hammermechanik-Tastatur mit graduierter Gewichtung
Polyphonie: 128 Stimmen
Klangerzeugung: Sampling, stereo
Hersteller: Thomann

Thomann DP-32 Digitalpiano für Anfänger im Video-Test

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