Online-Klavierunterricht mit Skype: Sound verbessern

Online-Klavierunterricht mit Skype: Sound verbessern

  • Die Online-Klavierstunde über Video-Konferenz-Tools ist schon mit einem Smartphone möglich. 
  • Schlechte Tonqualität und die wenig praktikable Positionierung des Smartphone – mit etwas technischem Einsatz lassen sich diese Probleme umgehen.
  • Hier erfährst du, mit welchem Setup der Online-Unterricht gut funktioniert.
Online-Klavierunterricht Skype-Session
Online-Unterricht mit Skype (Foto: J. Sunderkötter)

Online-Klavierunterricht mit Skype, Zoom & Co – gerade in Pandemie-Zeiten für viele Klavierlehrer*innen eine einfache Möglichkeit, um weiterhin Face2face-Unterricht anzubieten. Aber geht’s auch mit besserer Tonqualität, ohne gleich in teures Recording-Equipment zu investieren?

Selbstverständlich kann man auch professionelles Recording- und Video-Equipment kaufen und sich teure Streaming-Technik anschaffen. Aber machen wir uns nichts vor – die Tonqualität bei der Skype-Übertragung wird auch dadurch nicht besser. Das Problem bei Skype ist die automatische Geräuschunterdrückung, die scheinbar alles als Störelement identifiziert, das nicht Sprache ist. Bei Zoom kann man diese Audio-Automatik abschalten, daher eignet es sich vielleicht eher für den Musikunterricht.

Generell aber ist keines der Videokonferenz-Tools explizit für die Übertragung von Musikunterricht geschaffen worden. Möchte man eine musikalische Kommunikation mit richtig gutem Sound, dann ist der technische Aufwand ungleich höher als bei einem Skype-Call mit dem Handy.

Und damit sind wir bei den Vorteilen von Skype & Co: Die Tools ermöglichen die audiovisuelle Kommunikation bei extrem einfacher Handhabung und Verfügbarkeit. Diese Eigenschaften stehen – auch wenn dieser Weg des Remote-Unterrichts nicht mehr als Behelf ist – offensichtlich über der Tonqualität. Und doch fragt man sich, ob man den Online-Klavierunterricht angenehmer gestalten kann als es mit einem Smartphone gelingen mag. Ja, das kann man – hier ein paar Ideen dazu.

Ganz ohne Technik geht’s natürlich nicht!

Gleich vorab sei gesagt: Wer auch nur den geringsten technischen Aufwand scheut, sollte auf jeden Fall beim kleinsten gemeinsamen Nenner bleiben: der Online-Konferenz per Smartphone. Denn schneller und einfacher kann man sich kaum zusammenschalten..

Ich habe bei meinen ersten Klavierstunden via Skype mit dem iPhone losgelegt und schnell gemerkt, dass nicht nur die Tonqualität nervt. Mir erschien auch die visuelle Kommunikation in der Unterrichtssituation zu umständlich.

Also habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, um das Setup für die Remote-Klavierstunde besser zu machen. Ohne große Anschaffungen sollten vor allem die technischen Dinge im Mittelpunkt stehen, die wir ohnehin tagtäglich nutzen. Das Setup sollte…:

  • klein und handlich,
  • schnell einsatzbereit,
  • nicht teuer sein und
  • vor allem auch mobil gut funktionieren.

Fündig wurde ich bei IK Multimedia iRig Stream. Es löst nicht gleich alle Probleme auf einen Schlag, aber es verbessert die Tonübertragung. Wie genau das im Zusammenhang funktioniert, zeige ich in den nächsten Kapiteln.

Remote-Klavierstunde: Setup für kleines Budget

Für das Setup sind keine großen Ausgaben notwendig. Vorausgesetzt, es sind Computer, Smartphone, Kopfhörer bzw. ein Headset und natürlich ein Piano vorhanden. Zusätzliche Anschaffungen beschränken sich auf ein Minimum. Verglichen mit den Kosten für ein Recording- und Video-Setup bleibt der finanzielle Einsatz allemal überschaubar.

Online-Klavierunterricht: Eine Frage der Perspektive

Die Anforderungen an ein Setup für eine Remote-Klavierstunde lassen sich sehr leicht aus der täglichen Praxis ableiten. Im Unterschied zum normalen Face2face-Unterricht sitzt man nur eben nicht gemeinsam an einem Klavier, sondern jede*r für sich daheim am eigenen Instrument.

Die Kommunikation erfordert die Übertragung von Sprache, Bild und Musiksignal. Vor allem soll per Bildübertragung der Blick auf die Hände gewährleistet sein, damit sich spieltechnische Dinge wie Fingersatz, Handhaltung etc. vermitteln.

Optimaler Aufbau für die Online-Klavierstunde
Optimaler Aufbau für die Online-Klavierstunde

Visuelle Kommunikation per Webcam

Aufgrund des vorgegebenen Blickwinkels auf Hände und Tastatur können wir schon mal festhalten: Die in Laptops und Mobilgeräte eingebaute Facetime-Kamera funktioniert zwar irgendwie, sie ist im Unterrichtsdialog aber umständlich. Eine externe Webcam, die man unabhängig vom Computer positionieren kann, ist die bessere Lösung.

Wer eine externe Webcam hat, positioniert diese ungefähr so, dass sie einem beim Spielen über die linke Schulter auf die Tastatur schaut. Wir brauchen hier den Landscape-Mode der Webcam – Querformat! Dafür kann man ein Kamerastativ nutzen, wer eine Webcam mit einem Clip hat, befestigt sie einfach mal an einer Stuhllehne – das sollte funktionieren. 

Den Laptop bzw. Bildschirm positionieren wir frontal. So können wir komfortabel aus der Spielposition heraus aufschauen, um die Hände und die Tastatur unseres Gegenübers im Bildschirm zu sehen. (Wenn man nur mit einem Smartphone arbeitet, muss man eben immer über die Schulter hinweg nach schräg hinten schauen – umständlich).

Smartphone als externe Webcam: EpocCam von Elgato macht’s möglich. (Bildmaterial: Elgato)
Smartphone als externe Webcam: EpocCam von Elgato macht’s möglich. (Bildmaterial: Elgato)

Smartphone als Webcam nutzen

Keine Webcam zur Hand? Die alte Webcam funktioniert nicht mehr – so wie der andere Krempel in der Schublade mit gesammeltem Computer-Zubehör? Kein Problem! Wir nutzen das Smartphone als Webcam. Das geht mit der App iVCAM z.B. sogar kostenlos. Wer sich die Werbeeinspielungen sparen möchte, bekommt mit Elgato EpocCam (iOS & Android) eine leistungsfähige App, welche die hochauflösende Handy-Kamera zur Webcam macht. Auf dem Rechner muss man lediglich einen Treiber installieren, was einfach und schnell erledigt ist.

Die Verbindung zum Laptop oder PC stellt EpocCam dann wahlweise über WLAN oder ein USB-Kabel her. Ich habe mich für die USB-Verbindung entschieden, da hier die Latenz des Bildsignals kleiner ist. Es ist eine leichte Verzögerung des Bilds spürbar, aber man kann damit arbeiten.

EpocCam habe ich auf einem iPhone SE installiert und bin damit absolut zufrieden – die 8,99 Euro sind gut investiert. Zwischen Portrait- und Landscape-Modus schaltet die EpocCam automatisch um. Außerdem ist es möglich, manuell zwischen normalem und gespiegeltem Bild (Selfie-Mode) zu wechseln.

Bessere Tonqualität beim Online-Klavierunterricht

Was mich bei meinen ersten Remote-Klavierstunden am meisten genervt hat, das waren neben der bescheidenen Tonqualität vor allem die Nebengeräusche, die das Smartphone-Mikrofon anscheinend besonders mag: Das Klappern der Tasten ist schon arg laut und übertönt schon fast den Klang aus den Lautsprechern. Mobilgeräte sind eben fantastische Universaltools: Irgendwie können sie alles, aber nichts richtig.

Aber es gibt ja allerhand Zubehör, um etwa bessere Mikrofone an das Smartphone aufzustecken. Und natürlich kann man via Camera Connection Kit (iOS) bzw. OTG-Adapter (Android) Audio-Equipment andocken, um dann Instrument, Mikrofon und Kopfhörer an einem zentralen Gerät zu nutzen. Einen Strich durch die Rechnung macht uns hier leider die Skype-App, die in der Regel keine externe Digital-Hardware unterstützt. An meinem iPhone funktioniert nicht einmal das mitgelieferte analoge Headset vernünftig.

Aber mit Skype auf dem Laptop sollte es doch funktionieren? Leider nein! Seit einem kürzlich erfolgten Sicherheitsupdate akzeptiert die Skype-Software für MacOS keine externe Audio-Hardware. Möglicherweise funktioniert das aber auf der Windows-Plattform – das konnte ich leider nicht testen.

Für MacOS existiert aber eine Lösung: Skype für Web! Diese wiederum ist nicht lauffähig mit Apples System-Browser „Safari“. Empfohlen wird hier Chrome – der Internet-Browser von Google. Damit habe ich das Ganze auch ohne Probleme zu einem lauffähigen Setup konfigurieren können.

Die Audio- und Video-Einstellungen in Skype für Web: Video-Quelle ist die EpocCam. Als Audio-Interface ist das IK Multimedia iRig Stream angewählt.
Die Audio- und Video-Einstellungen in Skype für Web: Video-Quelle ist die EpocCam. Als Audio-Interface ist das IK Multimedia iRig Stream angewählt.

Hardware-Tipp: IK Multimedia iRig Stream

Eine wunderbar einfache Lösung ist das IK Multimedia iRig Stream. Ein kleines Audio-Interface mit einem regelbaren Stereo-Eingang und TRRS-Anschluss für ein Headset. Dort habe ich mein Apple Headset angeschlossen, mit den Potis an der Seite den Mic-Level und die Kopfhörer-Lautstärke eingestellt und war einsatzbereit für die Online-Klavierstunde.

IK Multimedia iRig Stream ist in der Handhabung absolut unkompliziert und praktisch selbsterklärend. Zum günstigen Preis von knapp 100,- Euro wird es mit Anschlusskabeln für Lightning (iOS), USB Typ A (Laptop/PC) und USB-C (Android bzw. aktuelle iOS Geräte) geliefert. 

Welche Alternativen für Online-Klavierunterricht?

Echter Face2face-Unterricht natürlich! Aber bleiben wir auf dem Teppich: Solange Lockdowns und Kontaktbeschränkungen das öffentliche Leben bestimmen, ist die Online-Klavierstunde über Skype zwar eine Notlösung, aber durchaus machbar. Mit der Kombination von nur wenig Equipment kann man das ganze Prozedere angenehmer gestalten – dieses Setup funktioniert:

  • Laptop oder PC / Skype für Web
  • Smartphone mit EpocCam-App (oder externe Webcam)
  • Headset
  • IK Multimedia iRig Stream
  • Adapterkabel: Klinke/Cinch, USB Typ A/B (Druckerkabel)
  • Stativ mit Smartphone-Halterung

FAQ – häufig gestellte Fragen zum Online-Unterricht  

Gibt es bessere Tools, um Online-Musikunterricht zu machen?

Skype, Zoom, Facetime – diese Tools sind in erster Linie für Video-Konferenzen geschaffen und in der Audio-Übertragung eher für Sprachsignale ausgelegt. Für Musik bzw. Musikinstrumente sind die Möglichkeiten limitiert: Audio wird mono übertragen und ist durch eine automatische Geräuschunterdrückung mehr oder weniger stark beeinträchtigt.

Wer eine professionelle Lösung sucht, sollte sich Doozzoo anschauen. Diese Plattform arbeitet Cloud- und Browser-basiert und ist speziell für den Musikunterricht zugeschnitten. Doozzoo bringt viele Funktionen mit, die den Austausch zwischen Lehrer*in und Schüler*in auf ein deutlich höheres Niveau heben, als es Skype & Co bieten können. Doozzoo ist für Schüler*innen kostenlos, nicht aber für die Musikschule bzw. die Musiklehrer*innen. Die Gebühren richten sich nach der Anzahl der Schüler*innen. Weitere Infos unter doozzoo.com. 

Apropos Datenschutz: wie sieht es eigentlich mit persönlichen Daten aus?

Bei Plattformen wie Skype und Zoom etwa müssen alle Teilnehmer bei den Diensten angemeldet sein. Anders sieht es bei Messaging-Diensten wie Jitsi oder Wire aus, die DSGVO-konform arbeiten. Ebenso ist in diesem Sinne Doozzoo zu empfehlen.

Worin unterscheiden sich Online-Kurse vom Online-Klavierunterricht?

Im Vergleich zum Face2Face- oder Remote-Unterricht sind Online-Klavierkurse bei eLearning-Portalen wie music2me oder Skoove eine völlig andere Angelegenheit. Die aufbereiteten Tutorials kann man abrufen und durcharbeiten, wann immer man Zeit dazu finden kann. Es findet keine direkte Kommunikation zwischen Klavierlehrer*in und Schüler*in statt.

Selbstverständlich können auch Online-Kurse Spaß machen und einen Lerneffekt haben. Es ist nur eine andere Art, Klavier spielen zu lernen. Man kann Tutorials und Lieblingslieder aus dem gesamten Angebot frei wählen und hat insofern seinen Lernfortschritt selber in der Hand. Ein riesiger Vorteil von Online-Klavierunterricht ist genau wie beim herkömmlichen Unterricht die direkte Kommunikation, wobei man als Lehrende unmittelbar in korrigierender Weise tätig werden kann.

Sollte man als Anfänger Online-Kurse nehmen oder lieber auf Klavierunterricht setzen?

Das hängt ganz davon ab, wie man selber lernen möchte und kann. Generell sind Online-Kurse für Kinder weniger geeignet, da das Arbeiten mit den Lektionen in gewisser Weise ein strukturiertes und selbständiges Vorgehen voraussetzt. Auch die Theorie des Musikunterrichts muss man sich so selber aneignen. Empfehlenswert ist insofern das Angebot von music2me, da die Inhalte virtuell vom Klavierlehrer vorgetragen werden und medial unterstützt sind.

Für Anfänger*innen im Kindesalter eignet sich der herkömmliche Klavierunterricht aber grundsätzlich besser. Umso mehr aber dürften Anfänger*innen im Erwachsenenalter sowie Fortgeschrittene mit Online-Kursen gut klarkommen.

Ist der Klavierunterricht per App möglich?

Auch hier muss man unterscheiden zwischen Online-Kursen und Online-Klavierunterricht. e-Learning-Portale wie Flowkey und Skoove bieten eine eigene App an, die die Lektionen auf Smartphone und Tablet ermöglichen. Face2face-Unterricht ist mit Apps zwar möglich, aber man kann nur auf die eingebauten Mikrofone und Lautsprecher zurückgreifen, da Apps von Skype etc. keine digitale Audio-Hardware zulassen. 

Möchte man mit der jeweils am besten möglichen Audio-Qualität arbeiten, dann ist externe Audio-Hardware absolut zu empfehlen. Mindestens sollte man einen Kopfhörer nutzen, um die eingebauten Lautsprecher vom Mikrofon des Smartphones akustisch zu entkoppeln. Am besten eignet sich jedoch ein PC oder Laptop für den Online-Unterricht. Hier ist der Anschluss von externem Audio- und Video-Equipment auch mit Skype möglich. 

Wie kann man die Audio-Qualität zu Hause verbessern?

Die akustische Umgebung kann die Audio-Übertragung stark beeinflussen. Wer mit einem elektronischen Instrument wie Keyboard oder Digitalpiano musiziert, kann z.B. ein Audio-Interface nutzen, um das Signal an den Computer übertragen. Hier muss man aber berücksichtigen, dass auch ein Mikrofon zur Kommunikation gebraucht wird. Als handliches und unkompliziertes Audio-Interface kann man IK Multimedia iRig Stream empfehlen, das Anschlussmöglichkeiten für das Digitalpiano (Stereo-Input) und ein Headset bietet. Für Online-Unterricht mit akustischem Klavier geeignet sind Handy-Recorder mit integriertem USB-Audio-Interface.

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