Test: Modartt Pianoteq 6.2 – Software-Piano

  • Modartt Pianoteq 6 bringt zahlreiche Detailverbesserungen der Piano-Modelle. Eine transparentere Klangwiedergabe sowie ein detailreiches räumliches Klangbild machen das Spielen der Pianoteq-Sounds zu einem Erlebnis.
  • Viele der virtuellen Piano-Modelle wurden von originalen Herstellern wie z.B. Steinway & Sons autorisiert.
  • Mit dem letzten Update 6.2 veröffentlichte Modartt einen Steingraeber & Söhne E272 Konzertflügel. Das neue Piano-Modell bietet einen fantastischen charaktervollen Sound und berücksichtigt besondere Ausstattungsdetails wie Mozart-Zug und Sordino-Pedal.
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(Foto: Jörg Sunderkötter)

Mit Modartt Pianoteq 6 präsentiert sich das Physical-Modeling-Piano einmal mehr mit Verbesserungen in Klang und Funktionalität sowie neuen Flügelmodellen. Zeitgleich zur Veröffentlichung der Version 6.2 bringt Modartt den Steingraeber & Söhne E-272 Konzertflügel als optionales Instrumentenmodul heraus.

Das Software Piano Pianoteq ist nicht nur bemerkenswert für seine vielfältigen Klang- und Spieleigenschaften, sondern auch für die vorbildliche Produkt- und Modellpflege. Es gibt wohl kein anderes Software-Instrument, das sich so rasant entwickelt hat. Inzwischen gibt es knapp 50(!) physikalische Modelle von diversen Instrumenten.

Der Blick auf die zusätzlich angebotenen Erweiterungsmodule zeigt neben akustischen Klavieren und historischen Instrumenten auch E-Pianos, Vintage Keyboards, Harfe und sogar Steeldrum und Handpan. Für Sound-Enthusiasten lohnt sich daher das komplette Studio-Bundle. Wer einfach Klavier spielen möchte, findet als preiswerte Variante Pianoteq Stage. 

Mehr Infos über Versionen und technische Hintergründe findest du im Basis-Artikel zu Modartt Pianoteq. 

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Neuerdings zieren die Original-Logos von Steinway & Sons, Blüthner oder Grotrian die Oberfläche von Pianoteq. Denn die Piano-Modelle lässt Modartt von den Herstellern autorisieren. (Foto: Jörg Sunderkötter)

Modartt Pianoteq 6 mit autorisierten Piano-Modellen

Ein wichtiger Punkt, den man kaum übersehen kann: Original-Logos von Steinway & Sons, Blüthner oder Grotrian zieren die Oberfläche von Pianoteq. Denn die Piano-Modelle lässt Modartt von den Herstellern zertifizieren, was schon eine gewisse Aussagekraft hinsichtlich der Klangqualität von Pianoteq 6 hat. Die Piano-Modelle in Pianoteq werden bezüglich ihrer Herkunft konkret beim Namen genannt. So findet man nicht mehr wie noch in Version 5 das Grand D4, sondern das Piano-Modell „Grand Steinway D“.

Neues Modul: Steingraeber & Söhne E272

Mit diesem optionalen Modul (erhältlich für 49,- Euro) ist erstmalig ein Konzertflügel von Steingraeber & Söhne als Software-Piano verfügbar. Es ist eine hochwertige Ergänzung der Piano-Modelle und berücksichtigt sehr seltene Ausstattungsmerkmale, die zum Teil nur beim E272 von Steingraeber & Söhne zu finden sind. Der Piano-Sound hat eine große Dimension, viel Wärme, eine Fülle an Resonanzen und bringt den singenden Charakter im Diskant sehr gut zur Geltung. Ein fantastischer Sound, der sehr sensibel auf die Anschlagdynamik reagiert und eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten bietet.

Mit dem Mozart-Zug und dem Sordino-Pedal kommen zwei neue Ausdrucksmöglichkeiten hinzu, wie man sie am originalen E272 vorfindet. Der Mozart-Zug verringert den Tastenweg und auch den Abstand der Hämmer zur Saite. Man erzeugt damit kleinere Töne – der Klang wird leiser, behält aber eine gewisse Transparenz bei.

Das Sordino-Pedal bewegt einen dünnen Filz zwischen Saiten und Hämmer. Der Klang wird dumpfer und zarter, im Tonansatz hört man ein diffuses Anschlagrauschen, das einen sehr intimen Klang entstehen lässt. Selbstverständlich kann man die Pedale inklusive des Una Corda gleichzeitig nutzen und erhält eine entsprechende Tonmischung. Im Zusammenhang zeigt sich, mit welch immenser Lebendigkeit die Physical-Modeling-Klangerzeugung von Modartt Pianoteq 6 die Möglichkeiten von Sampling-Pianos überflügelt.

Technische Verbesserungen

Modartt entwickelt die physikalischen Modelle permanent weiter, das hört und spürt man mit jeder neuen Versionsnummer. Manchmal sind es nur kleine Optimierungen, manchmal aber bringen selbst kleinere Update-Schritte enorme Verbesserungen im Klangverhalten. Zuletzt konnte man dies mit Version 6.1 feststellen, bei welcher die virtuelle Mikrofonierung grundlegend überarbeitet wurde. Seither besitzt das räumliche Klangbild sämtlicher Pianos eine bisher ungekannte Plastizität.

Zu den Detailverbesserungen in Version 6 gehört ein neues Tuning Tool, das übersichtlich die einzelnen Finetunings zeigt. Außerdem lassen sich die unterschiedlichsten Tunings ganz einfach per Mausklick erzielen, selbst ausgefallene und experimentelle Stimmungen. Außerdem unterstützt Modartt Pianoteq 6 Native Instruments’ NKS-Format und VST3. Somit integriert sich das Software-Piano lückenlos in aktuelle Sequenzer-Systeme und auch Native Instruments Komplete-Masterkeyboard-Controller.

Fazit: Gute Ausdrucksmöglichkeiten, hohe Flexibilität

Fantastisch! Einmal mehr zeigt Modartt, welche Ausdrucksmöglichkeiten und welche Flexibilität in den Klängen von Pianoteq stecken. Machte bereits Modartt Pianoteq 6 mit verbesserten und autorisierten Piano-Modellen einen großen Schritt nach vorne, so bekommt man mit den nachgereichten Versionen 6.1 und 6.2 weitere herausragende Neuerungen. Absolut lobenswerte Produktpflege. 

Wer bislang Physical Modeling bei Software-Pianos mit Skepsis betrachtet hatte, sollte das aktuelle Pianoteq unbedingt testen. Unterschiede in der Klangqualität von Sampling- und Physical-Modeling-Piano sind absolut passé. Wer erst einmal den neuen Steingraeber & Söhne E272 gespielt hat, wird sich in Modartt Pianoteq verlieben.

Modartt Pianoteq 6 – Überblick

Erhältlich seit: 09.2017
Plattformen: Standalone, VST2, VST3, AU, AAX, LV2 / MacOS, Win7, Linux
Versionen: Stage, Standard, Pro, Studio-Bundle
Besonderheiten: neues Modell Steingraeber & Söhne E272 (ab Version 6.2)
Hersteller: Modartt

Pianoteq Steingraeber & Söhne - Audio-Clips

Die Piano-Modelle von Modartt Pianoteq 6.2 

Der britische Pianist Phil Best demonstriert das neue Piano-Modell Steingraeber & Söhne E272 und zeigt die klanglichen Unterschiede zu den anderen Modellen von Steinway & Sons und Blüthner. 

Steingraeber & Söhne E272: Mozart-Zug und Sordino-Pedal

Pianist und Klavierexperte Ratko Delorko über die besonderen Ausstattungsdetails des Steingraeber & Söhne E272 Konzertflügels.

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