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Test: Modartt Pianoteq 7 – Piano-Modeling-Software

  • Von den Detailverbesserungen der Klangerzeugung profitieren alle akustischen Piano-Sounds in allen Versionen Stage, Standard & Pro von Pianoteq 7.
  • Eine außergewöhnliche Neuerung ist das Morphing-Feature in den Versionen „Standard“ und „Pro“. Damit lassen sich die Klangeigenschaften verschiedener Modelle miteinander verschmelzen.
  • Modartt Pianoteq 7 beinhaltet als neues Piano-Modell einen New York Steinway D Konzertflügel mit hervorragender Klangqualität.
Modartt Pianoteq 7 - Piano Modeling Software

Modartt Pianoteq 7 – eine neue Versionsnummer und wieder bekommt das Software-Piano neue innovative Features. Außerdem sind jede Menge Detailverbesserungen bei der authentischen Abbildung verschiedenster Tasten-, Saiten- und Percussion-Instrumente dabei. Vor allem die akustischen Pianos von Pianoteq profitieren abermals von den Neuerungen des Major-Updates.

... für Klavierpuristen und Klangtüftler gleichermaßen interessantes Update.

Die außergewöhnliche Neuerung ist natürlich das Morphing-Feature. Damit rücken die besonderen Eigenschaften einer Physical-Modeling-Software einmal mehr in den Fokus. Denn Modartt Pianoteq hebt sich damit deutlich von Piano-VSTs auf Sampling-Basis ab.

Trotzdem steht bei Modartt Pianoteq 7 das akustische Piano im Vordergrund. Von der Überarbeitung der Klangsimulation profitieren alle Piano-Modelle von Modartt – von diversen Steinways über Steingräber und Petrof bis Bechstein und Blüthner. Insofern kann man vorab sagen, ist dieses Update von Modartt Pianoteq für Klavierpuristen und Klangtüftler gleichermaßen wichtig und interessant. Allein schon die in weiten Teilen überarbeiteten Presets sind es wert, denn hier klingt alles noch einmal weiter verfeinert. Vor allem auch wenn man sich Details wie die virtuelle Mikrofonierung anschaut, kann man einige Enhancements entdecken.

Mehr über die  Besonderheiten der Physical-Modeling-Software findest du im Basic-Artikel auf PIANOO.de

Modartt Pianoteq 7: New York Steinway-Modell

Neu an Bord und Bestandteil des Updates zur Version 7 ist der neue New York Steinway Konzertflügel, der dem Hamburger Modell nun als zusätzliche Klangnuance zur Seite steht. Auch wenn beide natürlich eindeutig nach einem Steinway klingen, so unterscheiden sich die Hamburg- und New-York-Variante deutlich im Timbre. Beide sind von Steinway zertifiziert, was man anhand des originalen Steinway-Schriftzugs auf der Bedienoberfläche erkennen kann.

Der neue New York Steinway hat ein offeneres Timbre, etwas kräftiger, spritziger mit einer schönen Brillanz – man könnte sagen: lebhafter vielleicht als die Hamburg-Variante. Man kann hier sicher nicht von besser oder schlechter sprechen, denn beide Pianos klingen in Mordartt Pianoteq einfach großartig. Was mir am „American Grand“ besser gefällt: er ermöglicht kräftigere und knallige Attacks. Und doch lässt er sich super zart anspielen – je nachdem, wie man das Piano mithilfe der Voicing-Parameter intoniert. Grandios!

Verbesserte Klangsimulation in Modartt Pianoteq 7

Wie gesagt gelten die Neuerungen für alle Piano-Modelle. Wer hier gleich ein Aha-Erlebnis erwartet, sollte nicht gleich beim ersten Anspielen der Version 7 enttäuscht sein. Man muss sich schon etwas Zeit nehmen und mal eine Zeit lang Pianoteq 6 spielen, um dann zur neuen Version zu wechseln. Denn vor allem fühlt man die Unterschiede bei der Umsetzung verschiedener Spielweisen.

Mehr Wärme und Transparenz

Meine erste Erfahrung: Mehr Wärme, mehr Tiefe, mehr „Basis“. Es wäre einfach zu sagen: „…mehr Wärme? Okay, drehen wir mehr untere Mitten rein!“ Aber das trifft es bei Weitem nicht. Aus dem weiteren Verlauf des Tests kann ich festhalten, der Klang trägt mehr im Ausklang. Da ist auf jeden Fall mehr Fülle bei gleichzeitig mehr Transparenz.

Neuer Resonanzboden eingebaut

Die Neuerung der Klangerzeugung betrifft den vor allem das Schwingungsverhalten des Resonanzbodens, welches nun exakter und umfangreicher von der Software modelliert wird. So empfinde ich das Ausschwingen der Töne als reichhaltiger oder stabiler im Vergleich zur Vorversion. Insbesondere auch, wenn man von den Intonationsmöglichkeiten von Modartt Pianoteq Gebrauch macht, verhält sich die Tonerzeugung zuverlässiger, so mein Eindruck. Das sind sicher alles Nuancen, denen man sich nur mit Zeit und Muße nähern kann. Aber Pianoteq kennt (und schätzt) man eben auch für dieses nuancierte Verhalten der Klangparameter, wenn man die – ohnehin schon guten Presets – etwas individualisieren möchte.

Klavi-Net, Vibra-Chord, Cembalitzer… What?

Morphing – das neue Big Feature in Pianoteq 7 –  zeigt den technischen Unterschied zwischen Physical-Modeling- und Sampling-basierten Piano-VSTs. Sehr vereinfacht dargestellt, sind Samples fest in den Speicher getackert, während ein Physical-Modeling-Sound seine Gestalt ändern kann. Variable Saitenlänge, Obertonstruktur oder Intonation – das sind bereits Vorteile, die man schon lange von Pianoteq kennt. Bei Pianoteq 7 geht es nun deutlich weiter, denn man kann Klänge miteinander verschmelzen. Die technische Besonderheit (und auch Herausforderung) ist, dass die Klänge nicht etwa gemischt werden wie bei einem Layer-Sound. Beim Morphing gehen die klanglichen Eigenschaften der Instrumente neue Verbindungen ein und resultieren in einen neuen Klang. Dabei verbinden sich nicht nur die Klang-, sondern auch die Spieleigenschaften, was zum Teil wirklich verblüffend sein kann.

Piano-Morphing – für wen bringt’s das?

Ein echtes Powertool für alle, die schon immer die klanggestalterischen Möglichkeiten in Pianoteq genutzt haben. Besonders spannend natürlich, wenn man eine Auswahl unterschiedlicher Klangmodule installiert hat wie z.B. Vintage-Keyboards, Mallet- oder Hand-Percussion-Instrumente. Modartt Pianoteq 7 wird damit zu einer unerschöpflichen Quelle für neue ungewöhnliche Sounds.

Wer einfach nur gute Piano-Sounds spielen möchte, wird die Morphing-Funktion vielleicht nicht so großartig finden. Aber man muss ja gar nicht immer nach völlig abgefahrenen Sounds suchen. Wirklich nützlich ist die Funktion auch, um den Klangcharakter zweier Konzertpiano-Modelle miteinander zu verschmelzen – z.B. einen Steinway und einen Bechstein.

Und extrem praktisch: Man kann über den Morph-Prozess spezielle Funktionen übertragen, wie etwa das Mozart Rail des Steingräber Flügels oder das Moderator-Pedal des Upright-Pianos. So ließe sich dann auch z.B. der Steinway (der hat beide Funktionen nicht) zum Felt-Piano „umbauen“.

Die Morphing-Funktion ist zunächst simpel aufgebaut. Man lädt aus den Presets verschiedene "Ingredients" und morpht dann mit dem Schieberegler zwischen den Instrumenten.
Die Morphing-Funktion ist zunächst simpel aufgebaut. Man lädt aus den Presets verschiedene "Ingredients" und morpht dann mit dem Schieberegler zwischen den Instrumenten.

Wie funktioniert das Morphing in Pianoteq 7?

Die Morphing-Funktion ist zunächst sehr simpel anzuwenden, bietet aber auch die Möglichkeit, sehr detailliert die Klänge auszuarbeiten. In jedem Falle aber sind die Prozesse, die beim Morphing im Hintergrund ablaufen, hochkomplex – auch wenn man dafür nicht mehr machen muss, als einen Regler zu bewegen.

Zuerst geht es darum, Klänge grob zusammenzufügen – z.B. eines der Grand Pianos mit einem elektronischen Instrument wie dem Clavinet D6. Per Schieberegler kann man nun entscheiden, welche Klangeigenschaften in dem neuen Klang überwiegen sollen. 

Möchte man weiche Übergänge, dann sollte man die Smooth-Funktion nutzen. Die braucht man vor allem dann, wenn man Morphing-Klangverläufe kompositorisch nutzen will – z.B. per Automation in der DAW. Dabei wird Pianoteq 7 dann spürbar DSP-hungrig, aber diese fließenden Bewegungen zwischen verschiedenen Klängen haben einen ganz speziellen Reiz. 

Mithilfe des Freeze-Menüs lässt sich der Morphing-Prozess weiter verfeinern. Ebenso kann man jeden Sound komplett editieren, um auf das Klangverhalten Einfluss zu nehmen.
Mithilfe des Freeze-Menüs lässt sich der Morphing-Prozess weiter verfeinern. Ebenso kann man jeden Sound komplett editieren, um auf das Klangverhalten Einfluss zu nehmen.

Freeze!

Bei extrem unterschiedlichen Instrumenten wie etwa Akustik-Piano und Hand Pan gibt es einen gewissen Umschaltpunkt, wo dann von einem physikalischen Modell zum anderen gewechselt wird. Vor allem muss man sich mit der Freeze-Funktion beschäftigen, denn sie bestimmt den Morph-Verlauf maßgeblich. Im Freeze-Menü kann man selber bestimmen, welche Parameter beim Morphen berücksichtigt bzw. ignoriert werden sollen.

Die Morph-Vorgänge sind wie schon erwähnt sehr komplex und sie können – je nach Instrument – mehr oder weniger instabile Übergänge produzieren. Einen starken Einfluss hat hier z.B. die virtuelle Mikrofonierung von Pianoteq. Hier ist Detailarbeit gefordert, möchte man Übergänge vermeiden, die im Frequenzgang auffällige Betonungen haben.

Man kann das im Klangbeispiel hören – hier wird von einem weichen Upright Felt-Piano gemorpht zu einem brillanten Grand Piano und von dort zu einer Hand Pan. Das sind schon extreme Übergänge, in denen sich unterschiedliche Resonanzen und Tunings die Hände reichen. Es klingt vielleicht ein wenig unausgewogen, aber eben auch sehr reizvoll.

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Layer-Funktion

Wie schon gesagt – Morphing ist eher etwas für Klangtüftler. Wer mehr auf handfeste Sounds setzt, dürfte sich über die ebenfalls neue Layer-Funktion freuen. Diese arbeitet als ganz klassische Schichtung mehrerer Klänge. In Abgrenzung zum Morphing findet hier keine Verschmelzung statt, sondern ein Überblendung, wo jeder Klang unverändert bleibt und der Lautstärke-Mix den Gesamtklang bestimmt. 

Die Mischungen aus Akustik- und E-Pianos lässt Layer-Sounds aus den 70er/80er-Jahren authentisch aufleben. Ebenso kann man z.B. einem Rhodes-Piano mehr Bell-Tone geben, indem man es mit einem Mallet-Instrument mischt. Dafür musste man sonst mehrere Instanzen von Pianoteq in der DAW nutzen – nun geht es direkt im Piano-VST.

Ich vermisse zwei Möglichkeiten in der Layer-Funktion: Etwas schade vielleicht, dass es keine typischen Layer-Sounds wie Pads und Strings gibt. Aber einen Panorama-Regler sollte Modartt hier gewiss noch einbauen.

Eine willkommene Erweiterung der Klangmöglichkeiten: Die Layer-Funktion in Modartt Pianoteq 7.
Eine willkommene Erweiterung der Klangmöglichkeiten: Die Layer-Funktion in Modartt Pianoteq 7.

Fazit: Wichtiges Update für Puristen und Soundtüftler

Und wieder überrascht das Update von Modartt. Pianoteq 7 bringt dabei diesmal Klangverbesserungen, über die sich alle Klavierpuristen freuen. Dies betrifft zum einen die technische Verbesserung im Resonanz-Modeling und nicht zuletzt den neuen New York Steinway D Konzertflügel, der einfach fantastisch klingt. 

Aber auch Soundtüftler kommen diesmal nicht zu kurz, die Versionen „Standard“ und „Pro“ vorausgesetzt. Denn das Morphing-Feature ist in der einfachen Stage-Version nicht vorhanden. Die Ausrichtung dieser wirklich verrückten Möglichkeiten ist aber bei den größeren Pianoteq-Versionen auch erst sinnvoll, denn man benötigt die kompletten Edit-Features, um auf die Morphing-Prozesse im Detail Einfluss zu nehmen.

Die Player unter den Pianoteq-Usern hingegen werden wohl eher von der Layer-Funktion Gebrauch machen. Schön, dass man nun auch Sounds übereinanderlegen kann, aber es bleiben Wünsche nach klassischen Pad-Sounds, die man hier als Füller nutzen kann. Ebenso wäre ein Panorama-Regler eine feine Sache. 

Modartt Pianoteq 7 – Überblick

Erhältlich seit: 11.2020
Plattformen: Standalone, VST2, VST3, AU, AAX, LV2 / MacOS, Win7, Linux
Versionen: Stage, Standard, Pro, Studio-Bundle
Besonderheiten: neues Modell New York Steinway Model D
Preise: 129,- Euro (Stage); 249,- Euro (Standard);  369,- Euro (Pro)
Hersteller
: Modartt

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