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Test: Yamaha CLP-775 – Homepiano

  • Das voluminöse Wiedergabesystem ist eines der Schlüsselmerkmale des CLP-775.
  • Die Top-Flügelklänge von Yamaha spielen sich an diesem Modell über die Grand-Touch-Klaviatur mit Tastenlängen wie am Flügel.
  • Innerhalb der Clavinova CLP-700-Serie markiert das CLP-775 den Einstieg in die Oberklasse.
Yamaha CLP-775 Homepiano
(Bildquelle: Yamaha, Bearbeitung: PIANOO.de)

Am Yamaha CLP-775 erklingen die erlesenen Flügelklänge der 700er Serie über ein sehr leistungsstarkes internes Soundsystem und gespielt über eine aufwendig gearbeitete Tastatur. Doch nicht nur der Gesamtsound, der sich aus diesen drei Zutaten herausarbeiten lässt, überzeugt am Nachfolger des CLP-675.

An Optik und Abmessungen hat sich gegenüber dem Vorgänger nichts geändert. Damit bietet das CLP-775 einen eleganten, recht zeitlosen Look, geprägt durch leicht geschwungene Vorderbeine, einem Tastaturslider und dem auf dem Korpus platzierten Notenpult. Es bringt 71 Kilo auf die Waage und ist etwas höher sowie einen Tick tiefer als das preiswertere CLP-745. Das Modell 775 ist in sechs Farbausführungen erhältlich, darunter die besonders hochwertige und aufpreispflichtige Schwarz-Hochglanz-Variante.

Yamaha CLP-775 - Draufsicht (Bildquelle: Yamaha)
Elegant und solide: Das CLP-775 kommt dank Touch Panel (links) mit nur wenigen Bedienelementen aus. Optional können alle Funktionen auch drahtlos per App gesteuert werden. (Bildquelle: Yamaha)

Das linksseitige Bedienfeld am CLP-775 wird über Sensortasten anstelle von Buttons gesteuert. Dass es im ausgeschalteten Zustand kaum mehr sichtbar ist, sorgt optisch für noch etwas mehr Raffinesse. Power-Button und Volume-Regler sind dagegen auf der rechten Seite erhalten geblieben. Ferner ist das Piano mit dem „GP Response“-Dämpferpedal ausgestattet. Dieses reagiert im Pedalweg zunehmend schwergängiger und somit realistisch. Auf zwei Anschlussfeldern unter der Tastatur gibt es Device- und Host-USB, Aux-In, zwei Kopfhörerbuchsen, Stereo-Ausgänge und ein MIDI-Trio.

Mehr erfahren: Yamaha CLP-700-Serie im Überblick

Yamaha CLP-7775 – das Power-Piano

Die 38 Sounds des CLP-775 entsprechen denen der preiswerteren Brüder CLP-745 und CLP-735. Die Polyfonie liegt bei 256 Stimmen. Die Hauptklänge bleiben damit diejenigen von Yamahas großem CFX-Konzertflügel sowie vom Bösendorfer Imperial. In dieser zweiten Generation der Klänge kommen jeweils komplett neue Multisamples sowie ein verfeinertes Piano-Modeling zum Einsatz. Beide Flügel, jetzt also auch den Bösendorfer, gibt es als „binaurale“ Varianten speziell für den räumlichen Höreindruck über Kopfhörer.

Die Grundcharakteristik der Flügelklänge hat sich gegenüber dem Vorgängermodell gefühlt nicht verändert, aber sofort fallen die feinsinnigeren Klangreaktionen auf jedwedes Spielverhalten auf. Ich bin begeistert, welche Dynamik aus den beiden Top-Flügeln herauszukitzeln ist. 

Yamaha CFX & Bösendorfer

Zwei hervorragende Sounds, die fast alles mitzumachen scheinen und die dadurch zu besonders ausdrucksvollem Spiel geradezu herausfordern. Dabei liefert der CFX eher den Piano-Sound mit strahlendem Charakter, während das Dynamik-Potenzial des Bösendorfers sich mehr ins Pianissimo verlagert.

Saiten-, Dämpfer und Gehäuseresonanzen simulieren dabei die verbesserte virtuelle Resonanzmodellierung (VRM) und die neue Flügel-Anschlagssimulation (Grand Expression Modeling), die für speziell durch den Tastenanschlag bewirkte diffizile Klangveränderungen sorgt.

Grand Touch-Tastatur

Yamahas Oberklassen-Tastatur vom Typ „Grand-Touch“ hat selbstredend großen Anteil an den Ausdrucksmöglichkeiten. Deren Tasten entsprechen in der Länge denen des hauseigenen S3X-Konzertflügels und bieten eine ziemlich gleichmäßige Hebelwirkung aus allen Anschlagpositionen. Sie wurden linear, also Taste für Taste, gewichtet. Die weißen Tasten besitzen Holzelemente, eine Druckpunktsimulation sowie mattierte Decklagen gibt es auch. Insgesamt spielt sich das CLP-775 damit spürbar feinsinniger als seine preiswerteren Brüder.

Mehr Leistung im Lautsprecher-System

Eine „Wucht“ im wahrsten Wortsinn ist aber auch das im Vergleich zum Vorgängermodell überarbeitete Soundsystem. Nach wie vor kommt ein Drei-Wege-System mit 16-, 8- und 5-cm-Lautsprecherpaaren zum Einsatz, doch Yamaha hat die Leistung der separaten Verstärkereinheiten hochgepowert – von je zweimal 35, 50 sowie 20 Watt auf nun je zweimal 42, 50 und 50 Watt. Satt, voluminös und räumlich gelingt die Wiedergabe der Konzertflügel mit diesem System. Trotz mächtiger Bassleistung stimmen Brillanz und Durchsichtigkeit auch noch im Fortissimo. Und doch lädt das Piano damit gerade zum Experimentieren auch mit sanfteren Anschlagstärken ein.

Flexibel im Sound

Wie von der Vorgängerserie gewohnt, kommt auch das CLP-775 wieder mit dem Klavierklang vom Yamaha-Upright-Piano SU7, zudem gibt es verschiedene weitere Rock-, Pop- und Jazz-Pianosounds.

Speziell in der CLP-700-Serie kommen neu zwei Klänge historischer Hammerklaviere (Fortepianos) aus dem 18. sowie 19. Jahrhundert zum Einsatz, das „Mozart Piano“ und das „Chopin Piano“. Für klassische Klavierstücke eröffnet sich dem Spieler damit am Clavinova praktisch eine neue Welt.

Die übrigen Klänge kennt man vom Vorgänger: Fender-Rodes-, Wurlitzer- und DX7-E-Pianos, E- und Kirchenorgeln, natürliche Streicher und ein paar weitere Flächensounds, Cembalo, Vibrafon, Nylon- und Steel-Guitar sowie vier Bässe in durchweg guter bis sehr guter Qualität. Zwei Sounds lassen sich layern, splitten oder man kann beide Funktionen mit drei Sounds gleichzeitig nutzen.

Ein Master-Reverb und -Chorus, aber auch zwei weitere Modulationseffekte wie Delays, Rotary-Speaker, Phaser und Verzerrer werten Sounds wie E-Pianos und E-Orgeln auf. Ein 3-Band-EQ mit einem User-Speicher ist ebenfalls an Bord.

Klavierlernen und üben mit dem Yamaha CLP-775

353 Klavierstücke und Etüden mit getrenntem Stummschalten der Stimmen für rechte und linke Hand sowie der Duo-Modus für vierhändiges Spiel fordern am CLP-775 zum Üben auf. Der 16-Spur-MIDI-Rekorder ist in Ermangelung entsprechender Klangvielfalt des Sample-ROMs zwar nicht GM2-kompatibel aber nice to have. Rekorder/Player-Funktionen für Audio-Songs im Wav-Format stehen in Verbindung mit einem USB-Stick ebenfalls bereit.

Vom iPad/iPhone via App können ebenfalls Audiosongs über das interne Soundsystem wiedergegeben werden. Das funktioniert über den Aux-Eingang oder via Bluetooth. Die 20 Preset-Schlagzeug-Rhythmen der CLP-Serie wurden für die 700er Modelle mit einer automatischen Bass-Spur aufgewertet, die sich nach den gespielten Harmonien richtet.

Touch-Bedienung

Das Sensorfeld mit LC-Display des CLP-775 besitzt praktisch die gleichen Bedienelemente wie die am CLP-745/735 sowie der 600er Modelle – nur eben in Form von Tippfeldern anstatt echter Buttons. Bei der grundlegenden Bedienung, die recht gut von der Hand geht, ist daher alles beim Alten geblieben.

Alternativ  bietet sich aber auch die kostenfreie App „Smart Pianist“ (iOS/Android) an. Denn nicht nur diverse Einstellungen lassen sich damit komfortabler tätigen, sondern auch Registration-Speicher für Split-Layer-Konfigurationen sind nur über die App verfügbar, die außerdem Akkord- oder Notendarstellung für Songs liefert.

Wie an allen Modellen der CLP-700-Serie darf man zudem auch am 775 diverse Klangparameter der Flügelklänge nach dem eigenen Geschmack feintunen. Ob das entsprechende Menü „Piano Room“ dabei direkt über das Sensor-Bedienfeld oder ein Tablet programmiert wird, ist egal.

Yamaha CLP-775 vs. CLP-745

Mit seiner präziseren, ausgewogeneren Tastatur und vor allem durch das erhebliche leistungsfähigere Wiedergabesystem setzt sich das Oberklassenmodell CLP-775 deutlich vom Mittelklasse-Piano CLP-745 ab. Das allerdings hat seinen Preis: Rund 1.000 Euro liegen zwischen den beiden Modellen. 

Da die Klang- und Funktionsausstattung beider Modelle gleich ist, wird das 745er somit zum Preis-Leistungs-Tipp. Wer dagegen ein Budget von 3.500 bis 4.000 Euro einplant, der erhält mit dem CLP-775 freilich das hochwertigere und etwas höhere, schwerere Piano, dessen Hardware den ausdrucksstarken Flügelklängen spürbar gerechter wird – die Mittelklasse kann da nicht ganz mithalten.

Fazit: Einstieg in die Oberklasse

Am Yamaha CLP-775 spielt man noch kraftvoller auf als am Vorgänger, dessen bereits leistungsfähiges Wiedergabesystem Yamaha nochmals aufgewertet hat. Die überarbeiteten, hochauflösenden und ungemein dynamischen Hauptklänge des CFX- und des Bösendorfer-Flügels werden darüber eindrucksvoll in Szene gesetzt, und die „Grand Touch“-Tastatur befriedigt dabei auch anspruchsvolle Pianist*innen. Nebenbei gibt es die in Soundauswahl und Funktionen rundum gelungene und bewährte Zusatzausstattung der Clavinova CLP-700-Serie. Ein edles, hochwertiges Homepiano, das allerdings auch seinen Preis hat.

Yamaha CLP-775 - Homepiano mit Grand-Touch-Tastatur

Yamaha CLP-775 – Übersicht

Erhältlich seit: 10.2020
Tastatur: 88 Tasten, Grand Touch, Druckpunktsimulation, Ebony/Ivory-Decklagen, Hybrid-Holztastatur (nur weiße Tasten)
Polyphonie: 256 Stimmen
Klangerzeugung: Sampling
Piano-App:  Smart Pianist (kostenlos, iOS/Android)
Hersteller: Yamaha

Henrik Bruns

Die hochauflösenden und ungemein dynamischen Hauptklänge des CFX- und des Bösendorfer-Flügels werden eindrucksvoll in Szene gesetzt, und die „Grand Touch“-Tastatur befriedigt dabei auch anspruchsvolle Pianist*innen.

CLP-775 B :   3.358,00 €

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Digitalpiano Oberklasse · Yamaha · Yamaha Clavinova

Tests

3. März 2021

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