Test: Kawai CA99 - Digitalpiano mit Resonanzboden-System
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Test: Kawai CA99 – Digitalpiano mit Resonanzboden-System

  • Das CA99 ist als Nachfolger des CA98 das neue Topmodell der Kawai Concert-Artist-Serie.
  • Verbesserungen zur Vorserie betreffen das Wiedergabe-System, die Hammermechanik-Tastatur und nicht zuletzt die hochauflösende SK-EX-Rendering-Klangerzeugung.
  • Neu ist auch die kostenlose App „Piano Remote“ für Android- und iOS-Geräte.
Kawai CA99 Digitalpiano mit Resonanzboden-System
(Bildquelle: Kawai)

Und wieder rückt die Simulation dem echten Flügelklang ein gutes Stück näher. Das mag nach einer abgedroschenen Floskel klingen, trifft für das neue Kawai CA99 aber nun mal zu. Klangrealismus und Spielgefühl sind beim neuen Topmodell der CA-Serie auf höchstem Niveau. Und mit dem Upright-Design möchte man das CA99 glatt für ein akustisches Klavier halten.

… faszinierend authentisches Klangerlebnis.

Ist das Kawai CA99 nun ein Klavierersatz oder nicht? Selbstverständlich haben wir es hier mit einem Digitalpiano zu tun, das auch alle Vorzüge dieser Instrumentenkategorie mit sich bringt: Spielen mit Kopfhörer, eine große Auswahl an Sounds von Konzertflügel bis E-Piano, Bluetooth, Spielen mit einer Piano-App etc. Aber es besitzt ein paar sehr spezielle Features, welche die Brücke schlagen zu sogar deutlich teureren Hybrid Digitalpianos.

Das Kawai CA99 ist als Topmodell der CA-Serie in den grundlegenden Ausstattungsdetails identisch mit dem CA79. Mehr zu den Unterschieden – auch zum Vorgängermodell – findest du im weiteren Verlauf des Artikels.

Kawai CA99 - No talking, only Playing!

Das Kawai CA99 spielt sich edel

Auf Anhieb gefällt das Design des Kawai CA99. Geradlinig ohne Schnörkel orientiert sich das Gehäuse an der Bauweise eines Upright-Pianos. Bei geöffnetem Piano-Deckel mit integriertem Notenpult möchte man das Kawai CA99 spontan für ein akustisches Kleinklavier halten. Etwas fremd wirkt da lediglich die Stoffbespannung im hinteren Teil der Oberseite. Auch für Digitalpianos ist das zunächst vielleicht ungewöhnlich. Allerdings können auf diese Weise die hier verbauten Lautsprecher nach oben abstrahlen.

In der Tat besitzt das Kawai CA99 nicht den typischen Digitalpiano-Sound, der durch nach unten abstrahlende Lautsprecher entstehen würde. Das spürt man unmittelbar beim ersten Anspielen. Und von Kleinklavier kann keine Rede sein, sobald man erst den Klavierklang des Kawai CA99 anspielt. Denn es erklingt ein großer Shigeru Kawai Konzertflügel, dessen digitales Ebenbild eine bemerkenswerte Klangtreue und Wärme besitzt. Wow!

SK-EX Rendering – hochauflösende Piano-Sounds

Die in der Vorserie zum ersten Mal vorgestellte Rendering-Engine bildet auch beim neuen CA99 das Herzstück. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das SK-EX Rendering noch weiter optimiert wurde. Mich begeistert, wie feinfühlig und nuanciert der Piano-Sound dem Zusammenspiel von Tasten und Pedalen folgt. 

Der Klang hat noch einmal mehr Tiefe und Dimension bekommen, was sich wohl auch auf den „Ambience“-Effekt zurückführen lässt. Es handelt sich um eine subtile Anreicherung des Klavierklangs mit einer räumlichen Komponente. Es stehen verschiedene Raum-Simulationen wie z.B. Natural, Lounge, Stage oder Studio zur Auswahl. Vor allem beim Spielen mit Kopfhörer klingt das wirklich verblüffend realistisch.

Kawai CA99 Piano Remote
Sounds anwählen, Playbacks abspielen, Layer-Sounds registrieren oder im Virtual Technician editieren: Über die "Piano Remote"-App ist die drahtlose Steuerung der Funktionen des Kawai CA99 möglich. Die App ist für Android- und iOS-Geräte erhältlich.

Vom großen Konzertflügel zum Upright-Klavier

Die Klangqualität des SK-EX Concert Grand ist exzellent – ein perfekt intonierter Konzertflügel mit großem Klang, klaren Bässen und brillantem Diskant. Die dynamischen Reserven sind gewaltig und lassen die virtuellen Saiten vom zarten Pianissimo zu einem strahlenden Fortissimo aufschwingen. Nie aber verliert der Sound an Transparenz und Wärme. In Detailreichtum und Ausdruck ist dieser Klang herausragend, aber das Kawai CA99 besitzt insgesamt vier umfangreich gesampelte Klavierklänge. 

Der Kawai EX Konzertflügel ist im Vergleich zum SK-EX wuchtiger in den Bässen und besitzt ein mehr Attack im Diskant. Eine prima Variante für Rock und Pop, während der Kawai SK-5 als Stutzflügel gut geeignet ist, wenn ein Flügelklang mit weniger Durchschlagskraft und Dimension gebraucht wird – z.B. für Jazz oder Begleitungen im Singer/Songwriter-Stil. In diesen Genres bereichert das Upright Piano das Repertoire nochmals mit einem brillant gesampelten Klavier.

Klangdetails machen das Klangerlebnis perfekt

Sympathetic Resonance, Damper Resonance, Duplex Scale sowie auch subtile Effekte wie Damper Noise, Key-Off und Fall-back Noise – alle Piano-Sounds des Kawai CA99 profitieren von vielen kleinen Klangdetails. Das Zurückfallen der virtuellen Hämmer mag einem hier nicht essenziell wichtig erscheinen, aber die Summe aller Details lässt ein faszinierend authentisches Klangerlebnis entstehen. 

Vielfältig sind die zahlreichen Piano-Presets im CA99.

Die Justage von Klangdetails bieten viele andere Fabrikate auch, ohne Wenn und Aber ist Kawais Virtual Technician auf diesem Gebiet jedoch führend. Keines der bekannten Edit-Systeme ist im Klangergebnis so realistisch wie das SK-EX Rendering und die Basis-Klangerzeugung namens Harmonic Imaging XL. Entsprechend vielseitig zeigen sich die zahlreichen Piano-Presets im CA99.

Virtual Technician Profile & SK-EX-Characters

Wer weniger tief in die Editierung einsteigen möchte, kann mithilfe der vordefinierten Profile schnell und einfach auf den Klangcharakter der Pianos Einfluss nehmen. Der Klavierklang ist für ein bestimmtes Stück zu brillant oder zu weich? Kein Problem: Man wählt einfach ein Profil wie z.B. Light Resonance, Clean, Dark oder Rich und erkundet die Ausdrucksmöglichkeiten. Das Besondere am Virtual Technician: Der Klangcharakter des angewählten Pianos bleibt vollständig erhalten, nur das Klangverhalten wird angepasst.

E-Pianos und zusätzliche Sounds

Apropos Klangdetails – auch bei den Vintage E-Pianos erhöhen diese den Spielspaß. Vor allem gilt dies für die Fender-Rhodes-Sounds, deren lebhafte Nebengeräusche im Tonansatz und Key-Off berücksichtigt werden. Auch das Wurlitzer E-Piano ist beim CA99 in sehr guter Qualität vertreten. Außerdem findet sich unter den insgesamt 90 Klängen auch reichlich Material, das zu immer neuen Layer- und Split-Kombinationen inspiriert: Strings, Chöre, Gitarren, Synthesizer, Pads oder Bässe. Die Klangqualität ist durchweg ansprechend.

Resonanzboden-System

Der „akustische“ Klangeindruck des Kawai CA99 lässt sich auf das Resonanzboden-System zurückführen. Es sorgt für einen vollen, tragenden Klang und wirkt positiv auch auf das Spielverhalten. Die mechanische Schwingung überträgt sich auf Tasten und Gehäuse, ganz wie bei einem akustischen Instrument.

Das Resonanzboden-System ist dabei eine Erweiterung des Wiedergabesystems. Die Basis wird durch vier nach oben abstrahlende Lautsprecher gebildet. Diese sind mit einem neuartigen Diffusor versehen, was eine eine Rundum-Klangabstrahlung erzeugt. Einen typischen „Digitalpiano-Sound“ verspürt man beim CA99 tatsächlich nicht.

Grand Feel III Tastatur mit Echtholztasten

Als Digitalpiano mit Holztasten weisen inzwischen einige Hersteller ihre Instrumente aus, aber nicht bei jedem Fabrikat ist die Ausstattung so konsequent umgesetzt wie bei der Kawai CA-Serie. Bereits seit Ende der 90er-Jahre wird die Concert-Artist-Serie mit echten Holztasten gebaut, die eine dem Konzertflügel nachempfundene Hammermechanik besitzt.

Kawai CA99 mit Grand Feel III Mechanik (Bildquelle: Kawai)
Die „Grand Feel III“-Mechanik des Kawai CA99 im Modell: 1. Dreifach-Sensor-System, 2. Druckpunktsimulation, 3. gewichteter Hammer, 4. Waagebalkenstifte, 5. Massivholztaste, 6. graduiertes Gegengewicht, 7. synth. Elfenbein-Decklage (Ivory-Touch), 8. synth. Ebenholz-Decklage (Ebony-Touch). (Bildquelle: Kawai)

Das Kawai CA99 ist mit der neuen Generation „Grand Feel III“ ausgestattet. Mit Druckpunktsimulation, graduierter Gewichtung, 3fach-Sensor sowie synthetischen Ebony- und Ivory-Decklagen genügt die Tastatur des CA99 höchsten Ansprüchen an Spielgefühl und Ausdrucksmöglichkeiten. Das Spielgefühl vermag man kaum noch von einem akustischen Flügel unterscheiden. Auf dieser Tastatur zu spielen ist das reinste Vergnügen.

Digitalpiano-Funktionen & Piano-App

Selbstverständlich ist hier alles an Bord, was man von einem Digitalpiano verlangt. Transpose, Metronom, Recorder, eine Musikbibliothek mit Etüden und Stücken aus der klassischen Klavierleiteratur. Das CA99 kann MIDI-Songs abspielen, aber auch MP3- und WAV-Dateien. Der Recorder ist hier nicht einfach ein MIDI-Sequenzer, sondern wahlweise auch ein Audio-Recorder mit der Möglichkeit, die Audio-Dateien extern zu speichern.

Mit Bluetooth-Audio und Bluetooth-MIDI ist auch die drahtlose Verbindung mit Smartphone, Tablet oder Musik-Computer möglich. Die Handhabung über das Touch-Display ist einfach und komfortabel, kann aber ebenso über die neue App „Piano Remote“ geschehen. Die App bietet Kawai kostenlos für Android- und iOS-Geräte an. Die Verbindung mit dem Piano lässt sich ebenfalls drahtlos via Bluetooth herstellen.

Anders als die Virtual-Technician-App erlaubt Piano Remote den Zugriff auf alle Spielfunktionen des Kawai CA99 – von der Anwahl der Sounds bis zu Layer und Split-Kombinationen. Außerdem ist damit der Zugriff auf die eigene Mediathek von Smartphone oder Tablet möglich, um z.B. Playbacks und Minus-One-Tracks über das Audio-System des Kawai CA99 abzuspielen.

Das Kawai CA99 im Vergleich

Kawai CA99 vs. CA79: In vielen Details sind diese beiden Modelle identisch, lediglich die Anzahl der Sounds fällt beim CA79 um ca. ein Drittel kleiner aus. Ein gewichtiger Unterschied liegt im Wiedergabesystem. Zwar besitzt auch das CA79 das 360-Grad-Lautsprechersystem inklusive Diffusor, aber es fehlt der Transducer-getriebene akustische Resonanzboden. Insofern kann man den Unterschied von ca. 900,- Euro hören und fühlen. Nicht zuletzt unterscheiden sich die beiden Modell im Design.

Kawai CA98 vs. CA99: Im Vergleich Vorgängermodell findet man ohne Frage viele Parallelen. Aber man spürt in Klangverhalten und Spielgefühl deutliche Verbesserungen beim neuen Modell CA99. Mit der Optimierung der SK-EX Rendering-Engine gelingt die Abbildung des Shigeru Kawai Konzertflügels beim CA99 noch besser. Vor allem die dynamischen Zusammenhänge und die Resonanzen profitieren davon und vermitteln den puren Spielspaß. Nicht zuletzt hat dabei auch die neue Generation der Tastaturmechanik – Grand Feel III – eine wichtige Rolle. Einen Schritt nach vorne stellt auch die neue App Piano Remote dar.

Die hohe Qualität der Grand-Feel-III-Mechanik erlaubt den Vergleich des Kawai CA99 mit teureren Hybrid Digitalpianos.

Kawai CA99 vs. Mitbewerber: Unter den Topmodellen der Homepianos ist hier das Yamaha Clavinova CLP-685 in nächster Umgebung. Ähnlichkeiten deuten sich schon im Upright-Design an, jedoch fällt der Vergleich zugunsten des CA99 aus, das mit Echtholztastatur, Grand-Feel-Mechanik und dem Wiedergabe-System überlegen ist. Die hohe Qualität der Grand-Feel-III-Mechanik erlaubt den Vergleich des Kawai CA99 mit teureren Hybrid Digitalpianos. 

Mechanisch aufwendiger in Tastatur und Pedalerie ist das Yamaha NU-1X, das aber hinsichtlich SK-EX Rendering und Resonanzboden dem CA99 nicht das Wasser reichen kann. Recht ähnlich in Klangerzeugung und Wiedergabesystem macht das Kawai Novus NV-5 dann noch einmal einen Unterschied mit der Millennium Hybrid Klavier-Mechanik, die den Zusammenhang von Forte-Pedal und Dämpfergewichten berücksichtigt.

Alles gut also?

Wie an vielen Stellen schon gesagt – die Piano-Sounds des CA99 sind absolute Spitze. Insofern sind die folgenden Anmerkungen allenfalls als Kritteln auf ganz hohem Niveau aufzufassen. Was zu der hochwertigen Klangsimulation noch fehlt, ist ein authentisches Klangverhalten im Una-Corda-Pedal. Das Leise-Pedal des CA99 macht seinen Job gut und kann sogar in seiner Wirkungsweise individuell eingestellt werden. Aber es arbeitet eher wie das Softpedal bei einem Klavier (und nicht wie das Una-Corda eines Flügels).

Zum Detailreichtum des Fender-Rhodes-Sounds hätte noch die Berücksichtigung von Damper Noise gepasst. So ein Feature ist sicher nicht von zentraler Bedeutung, würde aber Simulation noch perfekter machen. Wie o.g. kritteln wir hier auf sehr hohem Niveau.

Das Touch-Display ist eine feine Sache. Die Handhabung der Funktionen ist fast selbsterklärend. Für meinen Geschmack könnte das Display aber etwas schneller auf Berührung reagieren.

Die Bewegung von Tasten und Pedalen erzeugt eine gewisse Geräuschentwicklung, die scheinbar vom Resonanzboden verstärkt wird. Im Grunde ist das nachvollziehbar, schließlich handelt es sich um mechanische Bestandteile. Das Ganze fällt auch nur auf, solange man bei abgeschaltetem Lautsprechersystem (über Kopfhörer) spielt.

Fazit: Klang- und Spieleigenschaften sind top!

Ohne Frage besetzt das Kawai CA99 die Spitzenposition der aktuellen Homepianos. Die Komponenten Tastatur, Mechanik, Klangerzeugung, Gehäuse und Wiedergabesystem vermitteln in der Summe ein Klangverhalten und Spielgefühl, das von einem echten Klavier kaum noch zu unterschieden ist.

Die hochauflösenden Piano-Sounds können dank SK-EX Rendering feinste Klangnuancen abbilden, wobei wiederum erst die neue „Grand Feel III“-Echtholztastatur die sensible Artikulation und Kontrolle ermöglicht. Nicht zuletzt die Klangabstrahlung über das aufwendige Lautsprechersystem mit Transducer-getriebenem Resonanzboden ist unter den derzeitigen Digitalpianos konkurrenzlos. Ein exzellentes Homepiano im Upright-Design.

Kawai CA99 Produktfoto

Kawai CA99 im Überblick

Erhältlich seit: 02.2020
Tastatur: Grand Feel III-Mechanik mit Druckpunktsimulation und graduierter Gewichtung, 3-fach Sensor, 88 Holztasten mit Ivory- und Ebony-Touch-Oberflächen
Polyphonie: 256 Stimmen
Piano-App: Piano Remote, kostenlos erhältlich für Android & iOS
Besonderheiten: 360-Grad-Lautsprecher-System mit Resonanzboden-System
Hersteller/Vertrieb: Kawai

Produkt-Präsentation des Kawai CA99

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