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Test: GEWA UP 400 G – Homepiano mit Extras

  • Als Top-Modell der GEWA Piano-Serie ist das UP 400 G ein Digitalpiano mit umfangreicher Ausstattung an hochwertigen Komponenten.
  • Die Fatar „TP/40 Wood“-Tastatur vermittelt dank „Ivory Feel“-Oberfläche der weißen und schwarzen Tasten ein angenehmes Spielgefühl.
  • Es überzeugt mit charakterstarken und lebhaften Piano-Sounds sowie einem 3-Weg-Lautsprechersystem.
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(Bildquelle: GEWA)

Ein Digitalpiano für Fortgeschrittene in der gehobenen Mittelklasse um 2.700 Euro – damit positioniert sich das GEWA UP 400 G in einem Marktsegment mit starken Konkurrenten. Umso spannender also, mit welchen Merkmalen sich das Top-Modell der GEWA Piano-Serie behaupten kann.

Das kleinere Modell GEWA UP 380 G hinterließ im Test schon mal einen positiven Eindruck, wobei vor allem der ausdrucksstarke Steinway Piano-Sound überzeugen konnte. Diesen Klavierklang findet man in der gesamten GEWA Piano-Serie, selbstverständlich auch im GEWA UP 400 G. Aber klangseitig gibt es hier noch ein paar zusätzliche Spezialitäten. 

Mehr erfahren über die Digitalpianos der GEWA Piano-Serie.

Gutes Spielgefühl und Holztasten

Das Thema Holztasten muss man generell differenziert betrachten, denn nicht überall sind auch echte Holztasten verbaut. Bei dem Begriff stellt man sich spontan eine Tastatur mit durchgehenden massiven Holztasten vor – ganz wie man sie in einem echten akustischen Klavier vorfindet. So ist es beim GEWA UP 400 G nicht ganz, denn die hier verbaute Fatar TP/40 W ist eine herkömmliche Hammermechanik-Tastatur in Hybrid-Bauweise: Die weißen Tasten sind hier mit einem Holzkern ausgebaut.

Mehr erfahren: Digitalpiano mit Holztastatur – welche Unterschiede gibt es?

Im grundsätzlichen Aufbau also ist die Tastatur des UP 400 G recht ähnlich mit der TP/40 GH des UP 380 G. Dennoch macht der Holzkern noch mal einen Unterschied, der mich das Spielgefühl des UP 400 G spontan als hochwertiger einschätzen lässt. Die Gewichtung wirkt im Zusammenspiel feiner und gibt den Fingern ein angenehmes Gegengewicht. Dennoch ist die Tastatur leichtgängig zu spielen.

Etwas schade ist, dass auch die TP/40 W-Tastatur ohne Druckpunktsimulation auskommt – für mich im Pianissimo-Spiel ein wichtiges Mittel zur Kontrolle der Anschlagdynamik. Nichtsdestotrotz: Auch wenn die Tastatur nicht zum Besten zählt, was man in dieser Preisklasse erwarten darf, spürt man beim Spielen des GEWA UP 400 G eine hochwertige Tastatur unter den Fingern. Als Graded Hammermechanik vermittelt sie ein ausgewogenes Spielgefühl. Dank Ivory-Feel-Oberfläche der weißen Tasten plus der leicht angerauten Oberflächen der schwarzen Tasten stimmt auch das „Anfassgefühl“.

Keine 100% Holztastatur, aber hochwertiges Spielgefühl: Das Gewa UP 400 G ist mit einer Fatar TP/40 Wood-Tastatur ausgestattet. Die weißen Tasten besitzen einen Holzkern. Dank angerauten Oberflächen von weißen und schwarzen Tasten hat die Klaviatur einen schönen Grip.
Keine 100% Holztastatur, aber hochwertiges Spielgefühl: Das Gewa UP 400 G ist mit einer Fatar TP/40 Wood-Tastatur ausgestattet. Die weißen Tasten besitzen einen Holzkern. Dank angerauten Oberflächen von weißen und schwarzen Tasten hat die Klaviatur einen schönen Grip.

Nach Hamburg oder Wien?

Knapp 1000 km liegen die beiden Städte voneinander entfernt – beim GEWA UP 400 G sind es bloß zwei Schaltflächen im Touchscreen, mit welchen man sich zwei große Konzertflügel ins Wohnzimmer stellt: Hamburg Grand und Vienna Grand. Letzterer ist ein Bösendorfer Imperial, mit der gleichen Akribie gesampelt wie der Steinway Konzertflügel, welcher hier mit Hamburg Grand bezeichnet ist.

Besonderheit beider Konzertflügel-Sounds ist, dass hier keine Loops zur künstlichen Verlängerung der einzelnen Töne zum Einsatz kommen: Alle Töne wurden in voller Länge gesampelt, was einen natürlichen Ausklang mit einer kontinuierlichen Schwebung erzeugt. Ob man nun das Hamburg Grand oder das Vienna Grand spielt – beide sind ein Genuss. 

Dabei ergänzen sich die Klavierklänge hervorragend: Der Steinway klingt strahlend und brillant, mit kräftigen Reserven im Forte. Der Vienna Grand hingegen wirkt insgesamt etwas gedeckter im Klang, ohne aber matt zu klingen. Auch hier liegen wunderschöne Obertöne im Forte, im Pianissimo bis Mezzo Forte aber spielt der Bösendorfer eine größere Bandbreite an Farben aus. Mir gefällt bei beiden Sounds die dynamische Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten.

Generell herrscht hier ein eher lyrischer Charakter vor, der sich gut in Klassik, Filmmusik und Jazz macht.

Lebhafter Klangcharakter entsteht im Detail

Im Tonansatz variieren diese Sounds etwas mehr als man es von den bekannten Digitalpianos der japanischen Hersteller kennt. Die Piano-Sounds des GEWA UP 400 G haben daher einen lebhaften Charakter, was durch Klangdetails noch weiter verfeinert wird. Dazu gehören Saitenresonanzen, die hier durch Sympathetic Resonance und Damper Resonance vertreten sind. 

Im Zusammenhang sorgen die Klangdetails für eine hohe Authentizität beim Spielen der Klänge. Auch spieltechnisch wird hier alles perfekt umgesetzt: Das Nachfassen der Töne für eine gebunden gespielte Repetition sowie auch das Nachpedalisieren im Forte-Pedal. 

Kleiner Kritikpunkt: Der Damper-Noise-Effekt irritiert ein wenig. Was mir hier fehlt, ist das sanfte Aufschwingen der Saiten bei diesem Effekt, stattdessen nur ein tieffrequentes „Plonk“, das ich spontan gerne etwas leiser einstellen möchte. Das ist im Handumdrehen geschehen, denn man kann beim GEWA UP 400 G auf die Intensität vieler Klangdetails Einfluss nehmen.

Die Handhabung des GEWA UP 400 G ist über das Touch-Display transparent und übersichtlich.
Die Handhabung des GEWA UP 400 G ist über das Touch-Display transparent und übersichtlich.

Gute Auswahl an Sounds

Die akustischen Pianos, darunter auch ein schönes Upright-Piano für Stücke im Singer/Songwriter-Stil, stehen in verschiedenen Versionen zur Verfügung. Darüber hinaus aber hat GEWA offensichtlich auch Wert auf die Klangqualität bei den zusätzlichen Sounds gelegt. Gemeint sind all die Sounds, die nicht essenziell wichtig sind für ein Digitalpiano, aber Abwechslung ins Spiel bringen. 

Vor allem im Zusammenspiel mit den Piano-Sounds als Layer- oder Split-Kombis kann das GEWA UP 400 G z.B. mit der beliebten Piano/Strings-Kombination eine tolle Klangfülle erzeugen. Als Flächenkomponenten machen sich Chor und Synth-Strings auch gut, aber sie haben alle durchaus auch ihre Qualität als Solisten.

Aber auch die Vintage-Pianos haben es in sich – Fender Rhodes und Wurlitzer sind sehr gut gelungen und machen Spaß in der Dynamik. Klassisch für Split-Sounds sind auch die Bassklänge eine runde Sache. Okay – über Nylon- und Steel-Guitar ließe sich debattieren, aber ansonsten können die typischen Digitalpiano-Sounds wie Vibraphone, Church-Organ oder Harpsichord überzeugen.

Viele Digitalpiano-Funktionen

Im Vergleich zum akustischen Klavier gibt es einige technische Details, die man nicht aus den Augen verlieren sollte, denn zum Üben und Lernen bringt ein Digitalpiano einige Vorteile – da macht auch das UP 400 G keine Ausnahme. Es gibt ein Metronom sowie einen Recorder und Player. Neben DUAL und SPLIT gibt es noch einen Vier-Hand-Modus, welcher die Tastatur in zwei Bereiche mit gleicher Oktavierung aufteilt – optimale Voraussetzungen also für den Klavierunterricht.

Über die Standards wie Transpose, Tuning, Anschlagverhalten und MIDI-Einstellungen gibt es selbstverständlich auch Effekte wie Chorus und Hall. Auch hier stimmt die Qualität. Sehr praktisch: User-Einstellungen lassen sich speichern.

Komfortable Handhabung

Mit dem großen Display links neben der Tastatur hebt sich das GEWA UP 400 G vom Rest der GEWA-Piano-Serie ab. Das Smartphone-gleiche Touch-Display macht die Handhabung des UP 400 G kinderleicht. Die Benutzerführung muss man lobend erwähnen, denn dank der transparenten Strukturierung der Menüs bleibt die Bedienung immer übersichtlich.

Wer das GEWA UP 400 G als Paket geliefert bekommt, darf sich beim Auspacken von der sauberen Verarbeitung des Instruments ein Bild machen. Der Aufbau gestaltet sich sehr einfach, aber man sollte mindestens eine weitere Person mit einplanen: Einerseits ist das eingepackte Instrumente kein Leichtgewicht, andererseits kann man den oberen Teil, der Tastatur, Lautsprecher und Elektronik enthält, kaum allein in das Stativ heben.

Umfangreiches Lautsprechersystem

Das hört und spürt man: Beim Spielen des GEWA UP 400 G sitzt man sprichwörtlich mitten im Sound – ein Genuss. Dafür sorgt ein 3-Weg-System, welches sich aus 3 x 2 Lautsprechern bildet. Für Digitalpianos in dieser Preisklasse ungewöhnlich ist ein Speaker-System im Pedalteil. Dieses sorgt für ein solides Klangfundament, welches durch die im oberen Gehäuseteil integrierten Stereo-Lautsprecher ergänzt wird. Die jeweils zwei Mitten- und Hochton-Elemente sind so angebracht, dass der Schall nach vorn auf die Spielerposition gerichtet ist. Aber auch in der räumlichen Klangwiedergabe überzeugt der Sound des GEWA UP 400 G seine Zuhörer.

Fazit: Überzeugend in Ausstattung, Sound und Preis!

Beim GEWA UP 400 G kommen viele Faktoren zusammen, mit denen der deutsche Hersteller dieses Instrument zu einem attraktiven Preis in der gehobenen Mittelklasse positioniert. Hochwertige Klangerzeugung, gute Verarbeitung, großer Funktionsumfang, aufwendiges Wiedergabe-System, Touchscreen-Bedienung, Bluetooth-Audio und ein ansprechendes Kleinklavier-Design.

Die Tastatur erreicht keine Bestnoten, ist jedoch als (Hybrid-)Holz-Tastatur ein eher seltenes Feature in dieser Preisklasse. Ein Highlight sind die charakterstarken Klavierklänge, die mit berühmten Konzertflügeln von Steinway und Bösendorfer perfekt besetzt sind.

GEWA UP 400 G - Homepiano

GEWA UP 400 G – Überblick

Erhältlich seit: 09.2019
Tastatur: Fatar TP/40 W, 88er Hammermechanik-Tastatur mit Holzkern (weiße Tasten) mit Ivory-Feel-Oberfläche und graduierter Gewichtung
Klangerzeugung: Sampling
Polyphonie: 256 Stimmen
Hersteller: GEWA

Jörg Sunderkötter

Beim GEWA UP 400 G kommen viele Faktoren zusammen, mit denen der deutsche Hersteller dieses Instrument zu einem attraktiven Preis in der gehobenen Mittelklasse positioniert.

Bluetooth · Digitalpiano · Digitalpiano Mittelklasse · GEWA

Tests

9. April 2020

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