Mit Spectrasonics Keyscape Electric Piano spielen

  • Spectrasonics Keyscape ist eine umfangreiche Library mit Keyboard-Sounds. Die Vintage E-Pianos der 60er und 70er sowie digitale Piano-Sounds der 80er und 90er bilden dabei einen wichtigen Schwerpunkt.
  • Bemerkenswert ist der Detailreichtum selbst bei mechanischen Nebengeräuschen, die aber den individuellen Vintage-Sound erst ausmachen. 
  • Spectrasonics Keyscape ist mehr als Klangnostalgie – hier begeistern Charakter und Qualität. Ein Must-Have für Liebhaber von Vintage-Keyboard-Sounds.
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Wer sich ein echtes Vintage E-Piano nicht leisten kann, sollte unbedingt mal die Keyscape Electric-Piano- und Vintage-Digital-Keys-Sammlung ausprobieren. Die Auswahl an E-Pianos ist phänomenal und dank realistischem Klang kann man wirklich nicht meckern.

Mehr Details über die grundlegenden Möglichkeiten und Funktionen findest du im Testbericht zu Spectrasonics Keyscape. Hier geht’s nur um die beliebten elektromechanischen E-Pianos der 60er und 70er sowie die digitalen Piano-Sounds der 80er und 90er.

So viele Klänge – braucht man das denn alles?

Keyscape ist eine unglaublich vielseitige Sammlung exzellenter und legendärer Piano-Sounds in Form eines Software-Instruments. Viele der Vintage E-Pianos bekommt man kaum mehr unter die Finger. Selten in so gut restauriertem Zustand wie die für Specatrsonics Keyscape verwendeten Instrumente. So ist die Keyscape Electric-Piano-Sammlung mehr als nur Klangnostalgie, denn die Sounds begeistern mit Charakter und Klangqualität. Als Vintage-Fan kann man da schon ins Schwelgen geraten.

Mehr über die Vintage E-Pianos erfährst du in diesem Artikel auf PIANOO.de.

Außerdem begeistert die große Auswahl an Sound-Variationen. Wer gerne komponiert und sich einer Vielzahl an Genres erfreut, könnte sich nichts Besseres wünschen. Auch Livemusiker finden hier immer den richtigen Klang für die richtige Situation. Sound-Tüftler freuen sich außerdem über die Möglichkeit, die Keyscape-Sounds in Spectrasonics Mega-Synthesizer Omnisphere 2 detailliert zu bearbeiten.

Verliert man hier nicht schnell den Überblick?

Nein, denn zum Glück ist das Interface sehr übersichtlich und intuitiv. Besonders gut gefällt mir der Preset-Browser, denn in diesem hat man die Möglichkeit nach Kategorien und Pianos zu sortieren, oder einfach direkt die Suchfunktion zu verwenden. Es kann sogar nach Begriffen wie „vintage“, „ambient“ oder „wood“ gesucht werden, jedoch ausschließlich auf Englisch.

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Das Arbeiten mit Keyscape gestaltet sich einfach dank übersichtlichem Preset-Browser und Suchfunktion.

Was man über die Sound-Presets wissen sollte

Jedes Piano hat – neben einem neutralen Standard-Patch – seine ganz eigene Reihe an Presets. Diese sind zum Beispiel rockig und verzerrt, geschmeidig und weich oder mit verschiedenen Effekten veredelt. Die Möglichkeit, darüber hinaus noch jedes dieser Presets nach eigenen Wünschen anzupassen, macht Keyscape unglaublich vielseitig.

Dabei kann sogar bei den Rhodes die Lautstärke der Mechanik und des Signals getrennt voneinander einstellen. Die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten darzustellen, ist daher fast unmöglich. Die folgenden Klangbeispiele geben aber einen guten Einblick in die Gestaltungsmöglichkeiten.

Keyscape Electric Piano No.1 – Fender Rhodes

Das Fender Rhodes ist wohl das beliebteste Vintage E-Piano – es ist der Piano-Sound des Soul, Funk und Electric Jazz der 60er- und 70er-Jahre. Kaum ein E-Piano-Sound ist so variantenreich vertreten wie das Fender Rhodes, denn es bietet viele Möglichkeiten, auf das Klangverhalten Einfluss zu nehmen. Die Keyscape Electric-Piano-Library berücksichtigt die berühmtesten davon. 

Rhodes – LA Custom

Ein sehr sauberes und leicht klackerndes Fender Rhodes. Die Hämmer erzeugen hier ein metallisches „Klick“, wenn sie an die Klangzungen treffen. Der glockige Klanganteil ist hier sehr ausgeprägt, was dem Klang auch etwas Kaltes verleiht. Insgesamt aber geben die mechanischen Geräusche dem Ganzen etwas Lebhaftes. Perfekt für etwas ruhigere Lieder, in denen der Piano-Sound gerne auch mal etwas im Vordergrund stehen darf.

Rhodes Classic

Auch hier gibt es einen präsenten Bell-Anteil, insgesamt aber ein schön weiches Rhodes mit einem holzigen und weicheren Attack. Besonders die Tiefen sind angenehm kräftig und voll im Klang.

Rhodes Classic Suitcase

Die Suitcase Variante des vorherigen Rhodes zeichnet sich durch weniger Höhen und einem leicht räumlichen Klang aus, der allerdings ansonsten sehr der normalen Version ähnelt.

Rhodes Classic Amp

Die Classic Amp Variante verleiht dem Fender Rhodes E-Piano ein etwas raueren und verzerrten Sound. Gerade bei kräftigem Spielen kann es auch schon mal richtig dreckig werden. Acht verschiedene Amp-Klangfarben verändern den Sound noch einmal enorm.

Vintage Vibe Electric Piano

Glockig und gläsern, mit einem klickenden Anschlag – so klingt das E-Piano des amerikanischen Vintage-Spezialisten Vintage Vibe. Das Vintage Vibe Piano ist ein Nachbau des Fender Rhodes und bringt den angenehm schimmernden Klang sehr gut rüber. Nicht zu aufdringlich, aber durch seinen charakteristischen Anschlag perfekt getroffen.

Der Sound eignet sich als Begleitinstrument, welches aber auch ab und zu mal im Vordergrund stehen soll. Mein persönlicher Favorit unter den Keyscape Electric Pianos. Auch hier gibt es eine Suitcase-Variante mit weniger Höhen und vollere Tiefen.

Wurlitzer E-Piano

Das Wurlitzer Piano ist genau das richtige für Blues, Rock und Pop, wenn ein durchsetzungsfähiger E-Piano-Sound mit kräftigem Attack und etwas aggressiverem Charakter gefragt ist. Trotz mittigem Sound hat das Wurlitzer E-Piano dennoch einen warmen Grundklang. Hier zwei Beispiele für berühmte Modelle des Wurlitzer E-Pianos aus der Keyscape Electric-Piano-Sammlung.

Wurlitzer 140B

Auch wenn es sich zuerst relativ warm und weich anhört, sind bei diesem Wurlitzer E-Piano definitiv raue Elemente zu hören, die dem Ganzen einen lebendigen Charakter verleihen. Gerade wenn man in die Tasten haut, kommt einem der schon fast quietschende Klang des Wurlitzers entgegen.

Wurlitzer 200A

Im Vergleich zum 140B etwas weniger Höhen und weniger Dreck, aber dadurch auch vom Klang etwas statischer. Super geeignet auch für Jazz- und Funk-Songs.

Electric Pianos mal nicht aus Amerika

Nicht so berühmt wie die amerikanischen E-Pianos Fender Rhodes und Wurlitzer, aber unter Vintage-Liebhabern nicht weniger geschätzt sind E-Pianos aus deutscher Fertigung. Sie klingen wirklich speziell und sehr vintage! Auf jeden Fall super, dass Spectrasonics auch solche Geheimtipps in der Keyscape Electric-Piano-Library berücksichtigt hat.

Die Firma Hohner brachte mit der Pianet-Reihe mehrere elektromagnetische Pianos auf den Markt. Zu DDR-Zeiten stellte die VEB Klingenthaler Harmonikawerke mit der Marke Weltmeister das Claviset EP her.

Pianet M

Das Hohner Pianet M hat einen etwas knarzenden Klang und ist dabei einem Wurlitzer E-Piano nicht unähnlich. Durch den transparenten Klang sehr angenehm als zusätzliches Instrument im Mix, ohne die tiefen Frequenzen zu verwaschen.

Pianet N

Ähnelt sehr dem Pianet M, nur ist es in den Mitten weniger aufdringlich und hat einen etwas volleren Klang. Perfekt für Situationen, in denen das Pianet M ein bisschen zu aufdringlich klingt.

Pianet T

Das Hohner Pianet T klingt deutlich weicher als die Modelle M und N. Mit seinem glockigen Attack hört es sich viel eher wie ein Rhodes an und wirkt dabei allerdings irgendwie luftiger und gedämpfter.

Weltmeister Claviset EP

Ein eher dünner und metallener Sound, bei dem der glockige Anschlag gut zum eher dumpfen Rest passt. Es hat einen schon etwas schummerigen Klang und ist klasse für ruhigere Songs.

Electric Grand CP70

Ebenfalls nicht aus Amerika, sondern diesmal aus Japan stammt der elektromagnetische Konzertflügel von Yamaha. Der CP70 hat eine sehr angenehme Balance aus einem vollen, doch gleichzeitig klaren Klang. Das liegt vermutlich daran, dass es sich sehr nach einer Mischung aus elektronisch und akustisch anhört. An diesem Klang kann ich mich wirklich nicht satt-spielen.

Vintage Digital Keys

In den 80ern wurden E-Pianos digital. Einerseits entstanden nun Simulationen der elektromagnetischen Vorbilder, aber auch völlig neue E-Piano-Sounds entstanden in dieser Zeit.

Roland MKS-20

Das Roland MKS-20 ist ein legendäres Piano-Modul aus den 80ern. Es handelt sich im Prinzip um die gleiche digitale Klangerzeugung, wie man sie im Stagepiano-Meilenstein Roland RD-1000 findet. Die 9 verschiedenen E-Piano-Patches sind vom Klang her alle etwas klarer und kalt, doch bei jedem hat man diesen typischen 80er/90er E-Piano Sound. Für jede Stilrichtung ist hier etwas dabei.

Roland JD-800 Crystal Rhodes

Der Synthesizer Roland JD-800 wurde gern auch für „digitale“ E-Piano-Sounds genutzt. Das Crystal Rhodes ist ein kühler und glasiger Sound, den es in 4 verschiedenen Varianten gibt. Der Name „Crystal Rhodes“ sagt dabei eigentlich schon alles.

Roland MK-80 Rhodes

Ein weiterer glasiger Rhodes-Klang aus dem digitalen Rhodes MK-80, der durch die leicht dissonanten Resonanzen zwischen dem reinen Ton und den höheren, glockigen Elementen eine interessante Klangfarbe bekommt.

E-Piano-Bass – cooler Sound, der aus der Tiefe kommt

Es ist der Bass-Sound von „The Doors“, obwohl bei der Kult-Band niemand die Bass-Gitarre gezupft hat. Den Bass übernahm der Keyboarder Ray Manzarek mit einem Fender Rhodes Piano Bass, der links oben auf seiner Vox Continental Orgel stand. Elektromagnetische Bass-Keyboards sind heute eine absolute Rarität – und klingen doch soooo verflixt cool!

Fender Rhodes Piano Bass

Angenehme Tiefen, schön warm, und von Natur aus etwas angezerrt. Mehr kann man sich für eine Bassline im Rhodes-Stil eigentlich nicht wünschen.

Vintage Vibe Tine Bass

Genau wie beim Vibanet handelt es sich auch hier um eine relativ moderne Interpretation eines alten Klassikers. Mit etwas weniger Tiefen und mehr Höhen als der Rhodes Piano Bass bietet der Tine Bass eine vom Klang her leichtere Alternative. 

Weltmeister Basset 1 & 2

Von Natur aus weniger verzerrt als der Rhodes Piano Bass und dadurch sehr weich und zurückhaltend. Das ist allerdings nichts, was man nicht mit einem Amp und etwas saftiger Verzerrung ändern könnte.

Fazit

Wer elektromechanische Vintage Pianos liebt, kommt an dieser Sammlung einfach nicht vorbei. Die Auswahl von Spectrasonics Keyscape ist unglaublich vielseitig, die Handhabung intuitiv und der Sound überzeugt. Einige Pianos hören sich dünn an, rauschen, oder sind vom Klang her leicht verzerrt, aber das sind sie mit Absicht. Hier geht es nicht um einen sterilen und über-perfekten Sound, sondern um Realismus und Charakter. Ist man dennoch mal nicht ganz zufrieden, stehen einem die zahlreichen Presets, Effekte und Optionen zur Verfügung.

Die Klangbeispiele zu Keyscape Electric Piano als Playlist

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