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Welche Funktion haben die Klavierpedale?

  • Klavierpedale erweitern die Ausdrucksmöglichkeiten von Klavier, Konzertfügel und Digitalpiano. Der Einsatz der Pedale erfordert eine gewisse Spielfertigkeit.
  • Standard bei akustischen und elektronischen Pianos sind drei Pedale für Sustain, Soft und Sostenuto.
  • Bei Kleinklavieren findet man oft nur zwei Pedale vor. Selbst bei drei Pedalen weicht die Funktionalität von akustischen Flügeln ab.
Klavierpedale: Die Standard-Funktionen sind Sustain Sostenuto und Soft

Drei Klavierpedale ergeben das gewohnte Bild – egal, ob Konzertflügel, akustisches Klavier oder Digitalpiano. Gerade bei akustischen Pianos gibt es eine Menge Variationen und auch sehr spezielle Ausdrucksmöglichkeiten über das Pedalspiel. Welche Funktion haben die Klavierpedale und wie geht man damit um?

Tatsächlich gibt es verschiedene Funktionen der Pedale, ganz besonders trifft dies für elektronische Instrumente zu.

Mit der Entwicklung des Pianoforte nach Bartolomeo Cristofori (Klavierbauer im 17. Jahrhundert) erweiterten die Klavierpedale die Ausdrucksmöglichkeiten beim Klavierspiel. Die ersten Hammerklavier-Instrumente ließen sich zwar anschlagdynamisch spielen, aber Pedale gab es damals beim Pianoforte genauso wenig wie beim Cembalo. Hier standen zunächst eher Klaviatur und Mechanik im Vordergrund.

Einen markanten Effekt erzeugt das Haltepedal am Klavier: Der volle Klang von aufschwingenden Saiten und Resonanzboden ist wohl das charakteristische Element des Piano-Sounds schlechthin. Aber es gibt noch viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten, die mit der Funktion der Klavierpedale zusammenhängen und das Klavierspiel immer weiter beeinflusst haben: Der gezielte Einsatz von bestimmten Saitenresonanzen im Sostenuto-Pedal über Flageolett-ähnliche Töne bis hin zum Felt-Piano-Sound im Neo-Klassik-Stil.

Klavierpedale-Funktion ganz einfach

Tatsächlich gibt es verschiedene Funktionen der Pedale, ganz besonders trifft dies für elektronische Instrumente zu. Denn bei vielen Digitalpianos und Stagepianos sowie auch Masterkeyboards mit Pianotasten ist es möglich, die Funktionen der Pedale nach Bedarf zu bestimmen. Standardmäßig sind aber zunächst als grundlegende Funktion Soft, Sostenuto und Sustain immer voreingestellt. Minimum ist ein einzelnes Pedal für Sustain (Damper), was Portable Pianos oder Stagepianos als Zusatzgerät beiliegt. Ebenso kann man Sustain-Pedale als Zubehör in verschiedenen Qualitäts- und Preisklassen erwerben.

Beim Kauf optionaler Sustain-Pedale gibt es eine Menge zu beachten. Mehr darüber erfährst du im Ratgeberartikel „Digital-Piano-Pedal kaufen“ auf PIANOO.de.

Bei akustischen Klavieren können die Pedale von Modell zu Modell unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Augenfälliger Unterschied zwischen Klavier und Flügel: Beim Klavier sind die Pedale mitsamt ihrer Mechanik in den Korpus integriert. Beim Konzertflügel hingegen sind die Pedale in ein spezielles Element integriert, das als Lyra bezeichnet wird. In vielen Fällen bestehen die Klavierpedale aus Messing, aber auch andere Materialien kommen zum Einsatz.

Bei Pianino und Klavier ist die Mechanik im Inneren verbaut. Saiten und Resonanzboden sind hier senkrecht angeordnet, insofern funktioniert nicht nur Mechanik der Tastatur anders als beim Flügel. Auch die Mechanik der Pedalerie ist hier anders geführt.

Sustain-Pedal Halbpedal - Half-Pedal
(Bildquelle: Yamaha)

Das rechte Pedal – Sustain

Am häufigsten wird vermutlich das rechte Pianopedal eingesetzt. Die Funktion ist bei allen Klavieren gleich: Das rechte Pedal hebt alle Dämpfer gleichzeitig von den Klaviersaiten ab. Die Saiten können dann frei schwingen und erzeugen einen mit Resonanzen angereicherten und vollen Klang, der maximal mit dem Resonanzboden interagiert. Bezeichnungen für dieses Pedal sind: Sustain-, Forte-, Halte- oder auch Dämpferpedal.

Nur ein einzelner Ton klingt im Haltepedal schon sehr voll, da die Saiten anderer Töne zum Mitschwingen angeregt werden. Dabei reagieren vor allem die Saiten der Töne, die harmonische Beziehungen innerhalb ihrer Obertöne besitzen (Sympathetic Resonance). Daher ähnelt der Effekt zwar einem Nachhall, aber es klingt weniger diffus als ein Reverb-Effekt.

Aufgrund des verstärkenden Effekts wird vermutlich auch der Begriff „Forte-Pedal“ genutzt: Der Klang bekommt mehr Lautstärke und Dimension. Der Einsatz des Dämpferpedals erfordert eine gewisse Spielfertigkeit. Denn übertreibt man es mit dem Effekt, wirkt der resultierende Klang schnell verschwommen. Dies geschieht besonders dann, wenn man das Pedal über Akkordwechsel hinweg hält.

Mehr erfahren: Mit Haltepedal Klavier spielen: Sustain-Pedal richtig einsetzen.

Das Dämpferpedal hebt die Dämpfer aller Töne gleichzeitig von den Saiten ab. Alle Saiten können nun frei schwingen. Beim Abheben kann so ein diffuses Geräusch entstehen, welches als Damper Noise bezeichnet wird. (Foto: Jörg Sunderkötter)
Das Dämpferpedal hebt die Dämpfer aller Töne gleichzeitig von den Saiten ab. Alle Saiten können nun frei schwingen. Beim Abheben kann so ein diffuses Geräusch entstehen, welches als Damper Noise bezeichnet wird. (Foto: Jörg Sunderkötter)

Halb-Pedal, Nachpedalisieren, Flageolett mit dem Dämpferpedal

Wer das Pedalspiel gekonnt einsetzt, dimensioniert den Damper-Effekt: Je stärker man das Pedal drückt, desto mehr werden die Saiten freigegeben. Drückt man das Pedal nur zum Teil herunter, bewirkt man eine nur leichte Tonverlängerung. Diese Spielweise nennt man Halb-Pedal. Damit gelingt es, Töne nur leicht zu verlängern. Schwierige Passagen mit gebundenen Noten lassen sich damit manchmal etwas komfortabler spielen. Auch Digitalpianos ab der Mittelklasse unterstützen Half-Pedaling. 

Das Nachpedalisieren – auch Re-pedaling genannt – ist eine spezielle Eigenschaft akustischer Pianos. Digitalpianos simulieren dies mehr oder weniger gut. Bei einem Flügel bemerkt man eine Verlängerung und leichte Erhöhung der Lautstärke, selbst wenn man das Pedal bereits im Ausklang eines einzelnen Tons drückt. Diesen eher subtilen Effekt ignorieren viele Digitalpianos. Die meisten Instrumente erlauben aber das Nachpedalisieren, welches aufgrund der Massenträgheit der Saiten möglich ist. 

Flageolett-Töne zu spielen, ist eine besondere Spielart des Haltepedals, wobei man einen nur kurzen Zeitpunkt der Saitenschwingung nutzt. Setzen die Dämpfer nur kurz auf die Saiten auf, kann man immer noch eine gewisse „Restschwingung“ mit dem Dämpferpedal freigeben – sofern man es nur schnell genug erneut herunterdrückt. Tritt man das Haltepedal sehr schnell nach staccato gespielten Töne, dann kann man dem Klavier sogar Flageolett-ähnliche Töne entlocken. Das bedeutet, beim Nachpedalisieren erklingen dann Teiltöne des vorab gespielten Tons im Dämpferpedal nach. Auf elektronischem Wege ist das wohl schwer nachzubilden. Die Physical Modeling Piano-Software Pianoteq macht das aber erstaunlich gut.

Das mittlere Pedal – Sostenuto

Sostenuto ist die Standard-Funktion zumindest beim Konzertflügel. Bei manchen Klavieren wird das mittlere Pedal auch zur Dämpfung genutzt. Die Sostenuto-Funktion ist ähnlich wie das Dämpferpedal, aber es wirkt nur auf die Töne, deren Tasten gerade gespielt sind. Eine Art selektive Sustain-Funktion. 

In der Klavierliteratur dient Sostenuto auch zu Resonatorzwecken. Das heißt, dass die Sympathetic Resonance gezielt als kompositorisches Mittel verwendet wird. Die Töne werden dabei lautlos gedrückt und dann mit dem Sostenuto-Pedal gehalten. Nur für diese Töne bleiben dann die Dämpfer gehoben, damit die Saiten auf das Spiel in anderen Tonbereichen mit Resonanzen reagieren. Im Unterschied zum Dämpferpedal ist der Resonanzeffekt hierbei sehr diffrenziert und man kann die übrigen Töne wie gehabt staccato spielen oder wahlweise auch in Kombination mit dem Dämpferpedal spielen.

Moderator-Pedal zur Dämpfung des Saitenanschlags

Oft ist diese Funktion mit dem mittleren Pedal bei Klavieren verbunden. Das Moderator-Pedal dämpft den Anschlag, wobei durch einen Mechanismus ein Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten gebracht wird. Meistens lässt sich das Moderator-Pedal auch durch seitliche Bewegung im gedrückten Zustand feststellen, um den Effekt permanent zu nutzen. Die Dämpfung durch den Filzstreifen erzeugt einen sehr leisen und schon fast dumpfen Klang. Das Moderator-Pedal beeinträchtigt die Klangqualität, ist jedoch eine Möglichkeit, um mit dem akustischen Klavier leise zu üben.

Das Moderator-Pedal wird außerdem auf musikalische Weise genutzt, um den weichen Klang bewusst zu spielen. In dem Zusammenhang taucht der Begriff „Felt Piano“ (Filzklavier) auf, der ein mit dem Moderator-Pedal „präpariertes“ Piano beschreibt. Viele Piano-Aufnahmen im Bereich der Neoklassik und Filmmusik verwenden diesen atmosphärischen Klang, wobei bevorzugt auch die Nebengeräusche der Mechanik aufnahmetechnisch hervorgehoben werden. Hier gilt: Je intimer und immersiver der Klangeindruck, desto schöner.

Moderator-Pedal - Dämpfung der Hämmer durch einen Filzstreifen
Durch das Moderator-Pedal wird ein Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten gebracht, was einen sehr weichen Anschlag erzeugt.

Das linke Pedal – Soft

Das linke Pedal wird auch Leisepedal genannt, was die Funktion sehr gut beschreibt. Das Soft-Pedal sorgt für einen weicheren Anschlag und ermöglicht es, im pianissimo noch leiser zu spielen. Dafür wird mechanisch der Abstand der Hämmer zu den Saiten verringert. Der Tastenweg findet also eine andere Übersetzung, womit im pianissimo eine größere Bandbreite zur Verfügung steht.

Bei Konzertflügeln wird das linke Pedal auch Una Corda genannt. Mit dem Pedal wird die gesamte Maschinerie aus Tastatur und Hammermechanik um einige Millimeter verschoben. Mit dem Effekt, dass die Hämmer nun nur noch zwei Klaviersaiten anschlagen können. Die dritte Saite des Saitenchors schwingt nun passiv mit. Insgesamt führt das zu einem speziellen Klangverhalten des Flügels. Im Leisepedal ist der Klang weniger intensiv und in der Schwebung etwas zurückhaltend. Auch in Tonansatz und Ausklang ist der Una-Corda-Klang eine interessante Variante des Piano-Sounds.

Soft-Pedal bei Digitalpianos

Das Soft-Pedal ist bei den meisten Digitalpianos nicht mehr als eine einfache Hilfsfunktion: Meistens wird durch Dämpfung der Obertöne dem Klang ein wenig die Brillanz genommen, was verglichen mit dem akustischen Vorbild nicht die ganze Wahrheit ist. Ganz und gar nicht vergleichbar ist das dem Una-Corda-Spiel an einem Flügel. Hier bleibt der Klang im Grunde brillant, nur verschiebt sich das dynamische Klangverhalten in einen anderen Lautstärkebereich und bietet spezielle Artikulationsmöglichkeiten.

Technisch gesehen muss das Piano-Sampling ein Una-Corda-Sample berücksichtigen – das bedeutet, der Flügel muss in allen Ton- und Dynamiklagen im Una Corda gesampelt werden. Das berücksichtigen Digitalpianos in den seltensten Fällen. Manche Software-Pianos ermöglichen ein realistisches Una-Corda-Spiel, so z.B. Modartt Pianoteq.

Unterschiede zwischen akustischem Klavier und Digitalpiano

Bei akustischen Pianos werden die Pedalaktionen rein mechanisch umgesetzt, während dies bei Digitalpianos auf elektronische Weise geschieht. Letzteres bringt den Vorteil, dass in den digitalen Systemen die Pedale mit vielen unterschiedlichen Funktionen besetzt werden können, etwa zum Umblättern von Notation, Umschalten von Effekten etc.  

Mehr über Digitalpiano-Pedale erfährst du im Ratgeberartikel auf PIANOO.de: Digital-Piano-Pedal kaufen.

Bei aufwendigen Hybrid Digitalpianos jedoch kommt mehr Mechanik zum Einsatz, wenngleich dies mehr oder weniger der authentischen Simulation dient. Denn die Übertragung der Aktion an die Klangerzeugung ist rein elektronisch. Man stößt in diesem Zusammenhang auf Begriffe wie „GP Response Damper Pedal“ oder „Specialized Grand Piano Pedal“ – gemeint ist damit die Simulation der Halbpedal-Funktion, die über eine kontinuierliche Bewegung des Dämpferpedals erreicht wird. 

Ebenso benötigt das sogenannte Damper Noise eine dynamische Pedalsteuerung. Auch dieses Feature findet man erst bei teureren Digitalpianos. Denn im Gegensatz dazu verwenden preiswerte Einsteiger-Digitalpianos meistens einfache Pedale, die nur zwei Zustände (an/aus) elektronisch übermitteln können. Halbpedal und Damper Noise sind damit nicht möglich.

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