Digitalpiano-Funktionen: E-Piano-Technik verstehen

  • Woran unterscheidet man Digitalpianos und wie kann man die Qualität einschätzen? Hier findest du Antworten.
  • Ein Vorteil der Digitalpianos gegenüber dem akustischen Piano ist ein großes Angebot an technischen Möglichkeiten, die beim Lernen und Üben hilfreich sein können.
  • Wer den Einstieg zum Klavierspielen mit einem Digitalpiano macht, ist von den technischen Spezifikationen oft überfordert. Hier die wichtigsten Funktionen im Überblick.
Digitalpiano-Funktionen: E-Piano-Technik verstehen (Bildquelle: Yamaha)
(Bildquelle: Yamaha)

„Eigentlich wollte ich nur Klavier spielen…“, ein geflügeltes Wort vieler Einsteiger*innen, die sich für ein E-Piano interessieren. Auf welche Digitalpiano-Funktionen kommt es an? Welche Features sind unbedingt, welche weniger wichtig? Um das zu beurteilen, sollte man die E-Piano-Technik und dessen Spezifikationen zumindest ein bisschen verstehen. Ein Überblick …

Keine Sorge – es geht nicht darum, Digitaltechnik bis ins kleinste Detail zu kennen. Man muss ja nicht exakt wissen, wie z.B. Klangerzeugungen mit Sampling oder Physical Modeling funktionieren. Das ist beim Klavierspielen völlig unwichtig, denn man möchte zunächst einmal das: Einen schönen Klavierklang und ein tolles Spielgefühl erleben. Bei aktuellen Digitalpianos der Markenhersteller wie z.b. Casio, GEWA, Kawai, Korg, Roland, Yamaha usw. darf man generell von einem hohen Niveau ausgehen – selbst bei den Modellen für den Einstieg ist die Qualität von Tastatur und Klang gut.

Dennoch – für totale Beginner stellen sich immer wieder die gleichen Fragen nach vor allem den Basics – z.B.: Braucht man unbedingt immer die drei Klavierpedale oder reicht auch eins aus? Kann ich auch ein anderes Pedal anschließen als den mitgelieferten Mini-Fußtaster? Es sind eben immer wieder genau diese „Kleinigkeiten“, die die meisten Fragen aufwerfen. Und fast immer stehen diese Dinge in Zusammenhang mit ganz bestimmten Digitalpiano-Funktionen.

Die wichtigsten Digitalpiano-Funktionen

Beginnen wir ganz vorn: Die Grundfunktion des Digitalpianos ist – kein Witz(!) – das Klavierspielen. Das Digitalpiano grenzt sich dabei vom akustischen Klavier ab durch die Art und Weise, wie es seinen Klang erzeugt. Nicht Saiten werden angeschlagen wie beim akustischen Piano, sondern elektronische Klänge werden erzeugt. Das geschieht durch ein komplexes System, das bei der Tastatur beginnt und bei den Lautsprechern endet. 

Die simpelste Digitalpiano-Funktion überhaupt liegt dann etwa in der Mitte dieses Systems: Der Lautstärkeregler. Der große Vorteil des Digitalpianos gegenüber dem Klavier ist die Möglichkeit, bei angepasster Lautstärke zu spielen oder sogar (fast) lautlos über Kopfhörer.

Alles im Prinzip ganz ähnlich also wie bei einem Keyboard, und tatsächlich ähneln sogar viele Funktionen denen eines Digitalpianos. Und doch gibt es einen riesigen Unterschied zwischen diesen beiden elektronischen Instrumenten: Die Tastatur. Auch wenn beide Instrumente über eine Tastatur mit Anschlagdynamik verfügen – es gibt einen gewichtigen Unterschied: Keyboards haben leichtgängige Plastiktasten, während die Tastatur am Digitalpiano das Spielgefühl gewichteter Klaviertasten simuliert.

Mehr erfahren: Keyboard oder Klavier?

Die Zeichnung der Ivory-Touch-Oberfläche ist im Vergleich zu früheren Tastaturmodellen feiner. Auch die schwarzen Tasten sind leicht angeraut und erzeugen ein griffiges Spielgefühl. (Foto: Jörg Sunderkötter)
Die Zeichnung der Ivory-Touch-Oberfläche ist im Vergleich zu früheren Tastaturmodellen feiner. Auch die schwarzen Tasten sind leicht angeraut und erzeugen ein griffiges Spielgefühl. (Foto: Jörg Sunderkötter)

Was man über Digitalpiano-Tastaturen wissen muss

Pianotasten sehen nicht nur anders aus als die eines Keyboards. Sie fühlen sich auch anders an und müssen auch ganz andere Anforderungen erfüllen. Zu diesem Piano-Feeling gehört schon mal dieser Ebony/Ivory-Touch, vor allem aber eine ausgewogene Kontrolle des Klavierklangs über die Anschlagdynamik. 

Außerdem muss ein Digitalpiano die mechanischen Abläufe einer Klaviertastatur simulieren können. Dafür sind diese Dinge wichtig:

  1. Hammermechanik: Die Tasten eines Digitalpianos sind mit einer Hammermechanik versehen, die dafür sorgt, dass man beim Spielen den Anschlag der Hämmer auf die (virtuellen) Saiten spüren kann.
  2. Graduierte Gewichtung: Aufgrund der unterschiedlichen Saitenstärken sind die Hämmer eines Konzertflügels mit unterschiedlichen starken Gewichten ausbalanciert. Im Bass spielen sich die Tasten schwerer und werden im Verlauf zum Diskant immer leichter. Das nennt man Graded Hammermechanik.
  3. Druckpunktsimulation: Eine Eigenschaft der Klaviermechanik ist die Freigabe der Hämmer aus der Tastenbewegung heraus. Eigentlich brauchen elektronische Tastaturen dieses Detail nicht, es handelt sich daher um eine explizite Digitalpiano-Funktion. Die Druckpunktsimulation sorgt für ein authentisches Anschlagsverhalten und erleichtert eine exaktere Kontrolle der Anschlagstärke bei leisen Passagen (pianissimo).
  4. Sensor-System: Wie die Druckpunktsimulation steht auch dieses Feature für Anfänger*innen erstmal nicht im Vordergrund – daher ist hier ein 2-Sensor-System absolut okay. Optimal ist ein 3-Sensor-System, das (meistens in Verbindung mit dem Druckpunkt) – eine gezielte Tonauslösung aus dem Tastenweg heraus ermöglicht – wichtig für kontrolliertes Spielen im Pianissimo.

Als weiteren Punkt könnte man noch das sogenannte Ivory- bzw. Ebony-Feel nennen, aber es handelt sich dabei nicht um eine Standard-Ausstattung. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn eine Tastatur so etwas bietet. Es geht hier um die Beschaffenheit der Tastenoberflächen. Dabei sind die Tasten ganz leicht angeraut, was ein angenehmes „Anfass“-Gefühl entstehen lässt.

Tastendecklagen aus synthetischem Elfenbein und Ebenholz wirken schweißabsorbierend und geben den Fingerkuppen guten Halt beim Spielen. Es handelt sich hier übrigens nicht alleinig um Digitalpiano-Funktionen, Decklagen aus synthestischem Material werden durchaus auch bei akustischen Klavieren verbaut.

Kawai RH-III Tastatur-Modell
Die Kawai Responsive Hammer III Tastatur im Modell: 1. gewichtete Hämmer, 2. Tastendrehpunkt, 3. Druckpunktsimulation (Escapement), 4. Hammerdrehpunkt, 5. 3-fach-Sensor, 6. Ivory-Touch-Oberfläche, 7. Gegengewichte (Bildquelle: Kawai)

Holztasten oder Kunststofftasten?

Holztasten sind ein Merkmal hochwertiger Digitalpiano-Tastaturen. Entsprechend beliebt ist es, solch ein Siegel in den Vordergrund zu stellen. Aber nicht überall ist eine echte Holztastatur eingebaut – auch wenn es Hersteller behaupten und sogar die weißen Tasten sich nach Holz anfühlen. In den mittleren Preisklassen ab ca. 2.000 Euro gibt es nur die folgenden Geräteserien mit echten Holztasten:

Ohne Frage ist man mit einer Holztastatur dem Spielgefühl des akustischen Vorbilds näher als mit einer Kunststoff- oder Hybrid-Tastatur. Besonders bei den Instrumenten im Preisbereich zwischen 2.000 und ca. 4.000 Euro spürt man diesen Unterschied. Nichtsdestotrotz bekommt man zu diesem Preis auch herkömmliche Digitalpiano-Tastaturen in einer hervorragenden Qualität.

Anpassen der Anschlagdynamik durch Dynamikkurven

Auch dieses Element gehört zu den wichtigen Digitalpiano-Funktionen. Jedes Digitalpiano bietet die Möglichkeit, das Anschlagverhalten (engl.: Touch Response) anzupassen. Bei manchen E-Pianos gibt es dafür einen Taster im Bedienfeld, bei anderen findet man diese Funktion im Settings-Menü. Über Dynamikkurven wie Light – Normal – Heavy kann man einstellen, ob sich der Tastenanschlag schwer oder leicht anfühlen soll. Eigentlich sollte die Einstellung „Normal“ am besten funktionieren – egal, ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Wer gerade mit dem Klavierspielen loslegt, wird aber zunächst vielleicht mit der Einstellung „Light“ beginnen wollen, um sich dann später zu steigern. 

Über die Klavierklänge von Digitalpianos

Auch wenn in den Prospekten immer wieder die Anzahl der Sounds aufgeführt wird, so handelt es sich um einen rein statistischen Wert, der einem schon gar nichts über die Qualität verrät. Als Faustregel gilt daher beim Kauf eines Digitalpianos: Je mehr Klänge bei geringem Preis, desto Finger weg!

Auch wenn es nach einer Binsenweisheit klingt, man kann es nicht deutlich genug sagen: Der mit Abstand wichtigste Sound ist der, den man zum Klavierspielen braucht. Und das ist ein schöner, brillanter Klavierklang… 

  • ausdrucksstark in der Dynamik,
  • von lieblich-sanft bis kräftig klar im Tonansatz, 
  • voll und ausgewogen im Ausklang.

Die meisten Digitalpianos streben den Klang eines Konzertflügels an. Viele orientieren sich am Vorbild eines Steinway & Sons, so z.B. die GEWA Pianos oder auch die GP-Serie von Casio, welche gleich drei große Konzertflügel beinhalten: Bechstein (Berlin Grand), Steinway & Sons (Hamburg Grand) und Bösendorfer (Vienna Grand). 

Yamaha und Kawai sind als traditionelle Klavierhersteller den Konzertflügeln aus eigenem Hause verpflichtet. Entsprechend findet man bei Arius- und CLP-Modellen von Yamaha den CFX Konzertflügel, während Kawai mit den Modellen Shigeru Kawai SK-EX und dem EX ebenso hochwertige Konzertflügel in Home- und Stage-Pianos bringt.

Klavierklang: Details bringen Spielspaß

Ein detailreicher Klavierklang lässt sich ausdrucksstark spielen. Die Qualität ist selbst bei den Instrumenten in unteren Preissegmenten erstaunlich gut. Die Klänge sind stereo und erzeugen ein überzeugendes plastisches Klangbild. Aber nicht nur für die Zuhörer soll ein authentischer Höreindruck entstehen, ein realistisches Klangverhalten erwartet man vor allem man beim Spielen. Das Spielgefühl ist dabei nicht allein von der Tastatur abhängig, sondern ebenso vom Klangverhalten. Aus diesem Grund berücksichtigen gute Digitalpianos viele Klangdetails, die dynamisch auf das Spiel reagieren. Viele davon eher subtil, immer aber für die Simulation der Akustik unentbehrlich.

Saitenresonanzen: Der Zusammenklang der Klaviersaiten ist akustisch hochkomplex und für die Tonqualität bei Einsatz des Fortepedals von großer Bedeutung. Man unterschiedet zwischen Damper Resonance und Sympathetic Resonance.

Dynamik: Das Obertonverhalten des Klaviers ändert sich je nach Anschlagstärke dramatisch. Im Pianissimo eher weich und lieblich geht der Obertongehalt mit steigender Dynamik immer weiter auf zu einem strahlend brillanten Sound. Wichtig ist hier, dass die Dynamikentwicklung fließend ohne auffällige Sprünge ist.

Artikulation: Nicht nur der Tonansatz ist wichtig, sondern auch das Absetzen der Töne. Ein Key-Off-Effekt sorgt dafür, dass die Klaviertöne mit einer gewissen Trägheit verstummen, wenn man die Tasten loslässt. Bei teureren Modellen kann man den Moment hören, wie die Dämpfer auf die Saiten aufsetzen.

Klangdetails wie Resonanzen, Dynamik und Artikulation kann man bei vielen Digitalpianos sogar individuell einstellen, um das Klangverhalten zu intonieren. Die Digitalpiano-Funktionen dafür nennen sich z.B. „Piano Designer“ (Roland) oder Piano Room (Yamaha). Führend in dieser Technik ist seit vielen Jahren Kawai mit dem Virtual Technician.

Yamaha Clavinova CLP-695 GP Response Pedal
Ein wichtiges Detail in Sachen Spielverhalten ist beim CLP-695 das „GP Response“-Dämpferpedal, welches das Verhalten eines echten Dämpferpedals simuliert.

Klavierpedale – auf Halb-Pedal-Funktion achten!

Die Anzahl der Pedale kann variieren je nach Bauart (Stagepiano, Portable Piano etc.) Homepianos haben immer drei Pedale wie man sie auch an einem Konzertflügel vorfindet (v.l.n.r.): 

  • Soft: Auch Leisepedal genannt, es macht den Tonanschlag weicher und leiser.
  • Sostenuto: Eine spezielle Halte-Funktion, die auf die im Moment gespielten Töne wirkt.
  • Sustain: Das Haltepedal (auch Forte- oder Damper-Pedal) ist das wichtigste Klavierpedal. Es bewirkt, dass alle Töne des Pianos gleichzeitig frei ausklingen können.

Das Fortepedal wird viel öfter genutzt als die beiden anderen Pedale. Daher ist es für Instrumente im Anfänger-Segment auch völlig okay, wenn nur ein Pedal zum Lieferumfang gehört. Achten sollte man aber unbedingt auf diese Punkte:

Halbpedal-Funktion: Beim akustischen Klavier gibt es feine Abstufungen beim Fortepedal, die den Ausklang der Töne variieren lassen. Dieses typische Ausdrucksmittel des Akustik-Pianos sollte möglichst auch ein E-Piano können. Bei Einsteiger-Pianos unbedingt genauer hinschauen.

Das Sustain-Pedal: Nicht wenige Portable Pianos werden mit einem einfachen Fußtaster für die Sustain-Funktion geliefert. Das funktioniert grundsätzlich, aber ein Piano-Feeling kommt hier nicht auf. Wichtig zu wissen aber: Diese Fußtaster übermitteln die Halbpedal-Funktion nicht. Daher sollte man gleich beim Kauf ein vernünftiges Pedal einplanen, das Halbpedal-fähig ist.

Die Klavierpedale sind wichtige Ausdrucksmittel. Daher wird auch hier genau wie bei der Tastatur großer Wert auf ein authentisches Spielgefühl gelegt. Das ist bei Klavier und Flügel so, dass man im Pedalweg einen kontinuierlich steigenden Widerstand verspürt. Anfänger*innen vermittelt sich das als ein eher schwergängiges Verhalten – es ist zunächst gewöhnungsbedürftig.

Bei E-Pianos im Einsteiger-Segment zwar weniger, aber ab der Mittelklasse findet man bei Digitalpianos Begriffe wie z.B. „Grand Feel Pedal System“ (Kawai), „Tactile Response System“ oder „Responsive Damper Pedal“ (Yamaha).

Muss ein Digitalpiano gestimmt werden?

Nein, aber es kann! Aufgrund der elektronischen Klangerzeugung verliert ein Digitalpiano seine Stimmung nie. Es bietet aber Möglichkeiten, die Stimmung gezielt zu beeinflussen. Dazu gibt es gleich eine Reihe von Digitalpiano-Funktionen:

  • Tuning: Standardmäßig ist ein Digitalpiano auf Kammerton 440Hz gestimmt. Diese  Grundstimmung kann aber geändert werden, z.B. um das Digitalpiano für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten anzupassen.
  • Transpose: Ebenfalls ein hilfreiche Digitalpiano-Funktion im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten (und ein Segen bei jeder Chorprobe). Um spontan in einer anderen Tonart zu spielen, wählt man mit der Transpose-Funktion eine andere Tonart, so dass man weiterhin in der bekannten Tonart spielt, der Klavier-Sound aber in einer anderen Tonart erklingt.
  • Tuning-Scales: Viele Digitalpianos bieten außerdem verschiedene Stimmungs-Skalen. Außer der heute gebräuchlichen temperierten Stimmung gibt es historische Stimmungen, die eine authentische Aufführung von z.B. Klaviermusik aus der Barockzeit erlauben. 

Ein wichtige Stimmung beim Klavier nennt sich Stretch Tuning. Die Töne in Bass und Diskant  überdehnen dabei die gleichförmig temperierte Stimmung ein wenig, um ein inharmonisches Oberton-Verhalten der Klaviersaiten zu kompensieren. Digitalpianos simulieren diese Stimmung grundsätzlich. Bei manchen Modellen kann man sie auf Wunsch auch abschalten – hilfreich im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten.

Split-/Layer-Settings in Yamahas Piano-App Smart Pianist.
Split-/Layer-Settings in Yamahas Piano-App Smart Pianist.

Layer, Split & Co.

Dabei handelt es sich um ganz klassische Digitalpiano-Funktionen – so etwas geht mit keinem Klavier. Die elektronischen Klangerzeugungen erlauben es, mehr als nur einen Klang gleichzeitig über die Tastatur zu spielen. In den meisten Fällen gibt es dafür diese Funktionen:

Layer (Dual-Mode): Zwei Sounds werden über den gesamten Tastaturumfang gleichzeitig spielbar. Die Klänge werden „in zwei Lagen (Layer)“ übereinander geschichtet. Beliebt sind Kombinationen aus Akustik- und E-Piano oder z.B. Konzertflügel und String-Orchester.

Split: Die Tastatur wird an einem frei wählbaren Ton (Split-Punkt) in zwei Bereiche unterteilt, sodass sich z.B. links ein Bass-Sound spielen lässt, während im oberen Bereich der Tastaur das Klavier erklingt.

Twin (Duett, Duo): Auch hier wird die Tastatur in zwei Bereich geteilt. Dabei erklingt in beiden Bereichen zwar der gleiche Sound, aber beide Bereiche sind identisch transponiert. Die Funktion ist praktisch für den Klavierunterricht, sodass Lehrer*in und Schüler*in simultan spielen können.

Balance: Dient zum Einstellen des Lautstärkeverhältnisses zwischen den beiden Klängen.

Digitalpano-Funktionen zum Klavierüben und -lernen

Diese Digitalpiano-Funktionen sind Standard bei jedem Homepiano und machen das Digitalpiano zum idealen Übungsinstrument. Ein schickes Metronom auf dem Klavier ist eine feine Sache, es funktioniert aber nicht so gut, wenn man leise mit Kopfhörer üben möchte. In diesem Fall kann man auf das eingebaute Metronom zurückgreifen, das intern zum Klavierklang zugemischt wird. Bei manchen Digitalpianos kann man neben der Taktart auch die Betonung der Zählzeiten und auch die Lautstärke des Metronoms einstellen. 

Eine weitere praktische Übungshilfe ist ein eingebauter Recorder, der das Gespielte mitschneidet. Ebenso ist es möglich, ein neues Stück für linke und rechte Hand getrennt aufzunehmen, um dann den jeweiligen Gegenpart zu üben.

Unterschieden kann man hier zwischen MIDI- und Audio-Recorder. Der MIDI-Recorder zeichnet lediglich die Aktion von Tasten und Pedalen auf und bietet den Vorteil, das Aufnahme- und Abspiel-Tempo frei zu variieren – ebenfalls eine hilfreiche Funktion beim Klavierüben. Preiswerte Digitalpianos haben lediglich einen MIDI-Recorder, in den höheren Preissegmenten sind auch Audio-Recorder eingebaut.

Viele Digitalpianos bieten darüber hinaus auch eingespeicherte Klavierliteratur zum Lernen und Mitspielen sowie auch Lernfunktionen. 

Wozu eigentlich zusätzliche Sounds?

Beim Klavierklang eines Digitalpiano sollte man keine Kompromisse eingehen, denn diesen wird man meistens spielen wollen. Es sollte einleuchten, dass man kaum ein E-Piano kaufen wird, weil eben Presets wie Nylon-Gitarre oder Akkordeon besonders toll klingen. Dennoch können weitere Sounds im Digitalpiano für etwas Abwechslung sorgen. 

Standards unter den Nicht-Klavierklängen sind verwandte Tasteninstrumente wie Cembalo bzw. Harpsichord, aber auch elektronische Varianten wie Vintage Electric Pianos (E.Piano) oder Clavinet. Sehr beliebt sind Orgel-Klänge (Church Organ, Rock/Jazz-Organ), Choir, Strings oder Orchester. Viele diese Klänge sind ideal auch in Layer-Kombinationen, während in für Split-Kombinationen Bass-Sounds praktisch sind, vertreten durch Contrabass (Ac.Bass) oder E-Bass.

Lautsprecher-Systeme

Die akustische Klangwiedergabe wird beim Digitalpiano durch Lautsprecher erreicht. Elektronisch verstärkt werden die digital erzeugten Klänge an die im Inneren verbauten Lautsprecher übertragen. Im einfachsten Fall (meistens bei Einstiegsmodellen) befinden sich die Lautsprecher an der Unterseite des Instrumentenkorpus, was zu einer indirekten Schallabstrahlung führt. Aufwändigere Systeme bestehen aus mindestens vier Lautsprechern, die separat verstärkt mehr Klangvolumen und eine Klangstrahlung zur Spielposition ermöglichen.

Je teurer das Digitalpiano, desto umfangreicher und leistungsfähiger das eingebaute Lautsprechersystem – das wäre zumindest eine nachvollziehbare Faustformel. Aber es gibt unterschiedliche Wege der Klangwiedergabe. Eine Ausnahme stellen Transducer-getriebene Wiedergabe-Systeme dar, die als Klangkörper einen akustischen Resonanzboden verwenden. Das Topmodell der Kawai CA-Serie bietet dies seit bereits einigen Geräte-Generationen. Die Klangwiedergabe kommt der eines akustischen Klaviers schon deutlich näher als herkömmliche Lautsprecher.

Ein Vorteil aller Digitalpianos ist die Lautstärkeregelung der eingebauten Wiedergabesysteme, um bei reduzierter Lautstärke zu üben. Außerdem praktisch: Über einen Audio-Eingang lassen sich externe Klangquellen auf die Lautsprecher des Digitalpianos übertragen. Sofern Bluetooth eingebaut ist, kann das auch drahtlos erfolgen.

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(Bildquelle: Casio)

Digitalpiano-Funktionen für die Klangwiedergabe

Generell soll ein Digitalpiano auch bei maximaler Lautstärke klar und verzerrungsfrei klingen. Die Wahrnehmung des Klangs hängt aber auch davon ab, wo und wie man das Digitalpiano aufstellt. Die Raumakustik sollte möglichst nicht durch starke Schallreflexionen bestimmt sein. Viele Digitalpianos bieten Möglichkeiten, das Lautsprechersystem auf bestimmte Gegebenheiten anzupassen.

Speaker Volume (Kawai): Senkt die Maximal-Lautstärke ab – nützlich für den Fall, dass das Piano am Aufstellort als eher laut empfunden wird.

Brilliance: Die einfachste Möglichkeit, den Klang des Instruments grundsätzlich abzustimmen. Mit Brilliance kann man einstellen, ob der Sound weniger oder mehr obertonreich (hell) klingt. 

User-EQ: Raumresonanzen können bestimmte Frequenzen des Klangs betonen oder auch dämpfen. Diesem Akustikverhalten kann man mithilfe eines Equalizers entgegenwirken.

IAC: Intelligent Acoustic Control – diese Funktion sorgt bei Yamaha Digitalpianos für eine Klangoptimierung bei unterschiedlichen Lautstärken. Ähnlich einer Loudness-Funktion wird dabei ein Equalizer dynamisch an die jeweils eingestellte Lautstärke des Instruments angepasst. Auch bei niedrigen Lautstärken soll der Sound auf diese Weise voll und rund klingen.

Tone Control: So nennt sich sich die Funktion in Kawai-Pianos, die die o.a. Funktionen in einem Menü zusammenfasst. Hier lassen sich verschiedene Wiedergabe-Profile abrufen, die das Digitalpiano insgesamt im Klang anpassen helfen.

Mehr erfahren: Digitalpiano richtig aufstellen

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Im Wohnzimmer Klavier üben mit Yamaha Silent Piano (Bildquelle: Yamaha)

Das Spielen über Kopfhörer

Ein weiterer großer Vorteil von Digitalpianos: Man kann leise über Kopfhörer Klavier spielen und üben. Nicht selten wird das Digitalpiano im Wohnzimmer aufgestellt, wo man u.U. nicht zu jeder Zeit bei voller Lautstärke musizieren kann. Insofern gut, wenn man Klavierüben möchte, während jemand anders gleichzeitig z.B. fernsehen möchte.

Dem Ganzen sind Grenzen gesetzt, denn die mechanischen Tastaturgeräusche bleiben, auch wenn man über Kopfhörer Klavier spielt. Wer viel mit Kopfhörer spielt, sollte sich gute Studiokopfhörer kaufen, die man sogar recht günstig kaufen kann. 

Mehr erfahren: Kopfhörer für Digitalpiano – Klangqualität begeistert

Auch im Zusammenhang mit Kopfhörern gibt es ein paar Digitalpiano-Funktionen, die man kennen sollte:

3D-Sound: Die räumliche Abbildung des Klangs verläuft über Kopfhörer anders als über Lautsprecher. Da die Kopfhörer sehr nah an den Ohren wirken, nimmt man die linke und rechte Seite voneinander getrennt und nicht als zusammenhängendes räumliches Klangbild wahr. Daher bauen die Hersteller Funktionen wie „Headphone 3D Ambience“ (Roland), Spatial Headphone Sound (SHS-Modus, Kawai), Stereophonic Optimizer (Yamaha) ein. 

Binaural Sampling: Bei Yamahas CLP-Serie ist sogar ein binaurales Sampling der Klavierklänge vorhanden. Es handelt sich um eine spezielles Sample, das per Kunstkopf-Aufnahme erstellt wurde. Es ist nur für das Spielen mit Kopfhörer vorgesehen.

Phones Type: Kawai Digitalpianos können über diese Funktion auf das jeweils angeschlossene Kopfhörer-System (geschlossen, offen, halboffen) angepasst werden.

Digitalpiano anschließen

Je nach Preisklasse und Funktionsumfang bieten Digitalpianos eine Vielzahl an verschiedenen Anschlussmöglichkeiten. Neben der Stromversorgung per Netzanschluss oder Netzteil kann man hier grob zwischen zwei Anschlussarten unterscheiden: Audio und Daten-Kommunikation.

Audio-Input: Erlaubt den Anschluss externer Klangquellen wie z.B. MP3-Player, Mikrofon oder andere Keyboards. In der Regel ist der Input als Stereo-Eingang konfiguriert und über zwei Klinkenstecker erreichbar. Nicht selten findet man aber auch eine Miniklinkenbuchse vor.

Audio-Output: Zum Anschluss an eine Stereoanlage, ein Aufnahmegerät oder ein Mischpult dienen die Audio-Ausgänge. Es handelt sich in der Regel um Klinken-Anschlüsse mit Line-Pegel.

USB to Host: Dient der digitalen Kommunikation mit Computer oder Mobilgeräten. Die meisten Digitalpiano übermitteln über die USB-to-Host-Buchse MIDI-Daten, seltener ist die Verarbeitung von Audio-Daten über die USB-Schnittstelle. Es zeichnet sich aber eindeutig der Trend ab, dass immer mehr Hersteller dies ermöglichen und ein vollständiges Audio/MIDI-Interface in die Instrumente integrieren.

USB to Device: Dient zum Anschluss von Speichermedien (USB-Stick etc.) zur Wiedergabe von MP3, Standard-MIDI-Files oder zum Speichern von Audio-Dateien und Einstellungen.

Bluetooth: Fast schon eine Standard-Ausstattung, bei der man zwischen Bluetooth-MIDI und Bluetooth-Audio unterschieden muss. 

Digitalpiano & MIDI

Musical Instrument Digital Interface – dieser Begriff verbirgt sich hinter der Abkürzung MIDI. Die standardisierte Schnittstelle aus den frühen 80er-Jahren dient zum Datenaustausch zwischen Musikinstrumenten. So lassen sich z.B. die Spielinformationen (Tasten, Pedale, Volume-Regler etc.) von einem Digitalpiano an externe Geräte (z.B. Sound-Modul) übermitteln. Heute werden diese Daten meistens per USB-MIDI übertragen, wo der Anschluss von Musikcomputer oder Tablets im Vordergrund steht. Selbst die kleinsten Digitalpianos haben zumindest eine Ausstattung an Basis-MIDI-Funktionen.

MIDI-Kanal: MIDI stellt 16 Kanäle zur Verfügung, über welche unterschiedliche Sounds gesteuert werden. Standard-MIDI-Files z.B. nutzen dieses Format. Mit der Einstellung des MIDI-Kanals bestimmt man, auf welchem dieser Kanäle das Digitalpiano MIDI-Daten empfangen und senden soll. Soll das Digitalpiano auf nur einem ganz bestimmten MIDI-Kanal Daten empfangen, dann muss die Funktion „OMNI-Mode“ im Auge behalten. Solange diese Funktion eingeschaltet ist, empfängt das Instrument immer auf allen MIDI-Kanälen gleichzeitig MIDI-Daten.

Local-On/Off: Eigentlich eine Nebensache, die viele nur selten oder gar nicht brauchen. Sobald man aber das Digitalpiano mit einem Sequenzer-Programm (DAW) und/oder externen Klangerzeugern kombinieren möchte, ist es erforderlich die LOCAL-Funktion auf „Off“ zu setzen. Damit wird im Instrument die Verbindung zwischen Tastatur und Klangerzeugung getrennt. Nur durch diese Trennung ist eine gezielte Steuerung aller Geräte im MIDI-Verbund durch das Musikprogramm möglich.

Program Change und Controller: Zur Steuerung durch ein Musikprogramm gehört u.a. auch das Aufrufen der Sounds mittels Programmwechselnummer. Darüber hinaus sind auch Funktionen wie  Lautstärke, Sustainpedal, Effekte und bestimmte Klangparameter über MIDI-Controller steuerbar. Jede Funktion hat dabei ihre eigene Controller-Adresse. Viele dieser Controller-Nummern sind standardisiert und man muss sich darüber kaum Gedanken machen.

Mehr zu diesem Thema findest du hier: Digitalpiano als Masterkeyboard verwenden

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