Test: Yamaha CLP-675 – Homepiano

  • Mit seinem kraftvollen Wiedergabesystem erzeugt das CLP-675 einen voluminösen Sound.
  • Neben den Flügelklängen ist Yamahas GrandTouch-Tastatur ein Highlight dieses Modells.
  • Innerhalb der Clavinova-CLP-600-Serie markiert das CLP-675 den Einstieg in die Oberklasse.
Yamaha CLP-675 - Einstieg in die Digitalpiano-Oberklasse
(Bildquelle: Yamaha)

Als Key-Feature der CLP-600-Serie stellt Yamaha die GrandTouch-Tastatur heraus, in deren Genuss der Spieler allerdings erst kommt, wenn er zu einem Oberklasse-Modell greift. Am preiswertesten gelingt das mit dem Yamaha CLP-675 – das sich aber noch mit weiteren Features deutlich von der Mittelklasse absetzt.

Das CLP-675 bietet die gleiche klassisch-elegante und ziemlich zeitlose Optik mit Vorderbeinen, slidender Tastaturabdeckung und oben auf dem Korpus angebrachten Notenpult wie die Mittelklasse-Modelle 635 und 645 der CLP-600-Serie. Das Gehäuse ist jedoch vier Zentimeter höher, und mit 69 Kilogramm wiegt es neun Kilo mehr als das preiswertere CLP-645. 

Zu haben ist es in sechs Farbausführungen inklusive der Schwarz-Hochglanz-Variante, die mit 500 Euro Aufpreis (Liste) zu Buche schlägt und, wie üblich, noch ein wenig ausladender als die übrigen Versionen ist. Nicht nur mit der höherwertigen Tastatur, sondern auch mit einem leistungsfähigeren Wiedergabesystem grenzt sich das CLP-675 von den Mittelklasse-Brüdern ab.

Mehr über die Details der Klangerzeugung der Yamaha Clavinova CLP-600-Serie erfahren.

Power-Piano mit tollen Sounds

Mehr Sounds als die CLPs 635 und 645 hat das CLP-675 nicht zu bieten, sodass es bei der für Homepianos flexiblen Auswahl an 36 Klängen bleibt. Zusätzlich zu den zehn A-Pianos gibt es auch hier wieder die binaurale Variante des Samples vom Yamaha CFX-Flügel mit „Raumvorteil“ für den Kopfhörerbetrieb. Bei 256facher Polyfonie sind Stimmenprobleme in der Serie generell kein Thema.

Den CFX und den Sound vom Bösendorfer-Imperial-Konzertflügel als die Hauptklänge bringt das Wiedergabesystem des CLP-675 mächtig und druckvoll zu Gehör. Es handelt sich um ein 3-Wege-System mit 16-, 8- und 5-cm-Lautsprecherpaaren, die mit separaten Verstärkereinheiten von je zweimal 35, 50 sowie 20 Watt Leistung betrieben werden. Das Ergebnis ist ein ziemlicher Powersound.

Der CFX-Flügelklang wirkt am CLP-675 nochmals wesentlich räumlicher als am CLP-645, und tönt regelrecht majestätisch aus dem Piano. Dabei werden auch die feineren Details des Sounds – Saiten- und Dämpferresonanzen – sehr gut herausgestellt. Das Klangbild ist brillant und durchsichtig, zugleich voll und voluminös im Bass.

Der Charakter des Bösendorfer kommt ebenso gut zum Tragen. Der warme, singende Ton gewinnt am CLP-675 gegenüber den preiswerteren CLPs erheblich an Kontur. Der schöne Klang entfaltet sich insgesamt mit viel Fülle und Substanz im Raum. Das Volumen will aber in Zaum gehalten werden.

Yamaha Clavinova CLP-600-Serie: Bedienfeld
Das Bedienfeld ist recht einfach gehalten. Mehr Bedienkomfort liefert die Piano-App Smart Pianist, welche Yamaha kostenlos für iOS. und Android-Geräte anbietet.

Edles Spielgefühl: GrandTouch-Tastatur

Dazu besitzt das Homepiano Yamahas GrandTouch-Tastatur. Besonderheit dieses Manuals ist die verbesserte Hebelwirkung der einzelnen Tasten aus allen Spielpositionen heraus – also auch, wenn man sie ziemlich weit hinten anschlägt. Dies wird durch eine höhere Tastenlänge erreicht, wodurch auch der Angelpunkt der Tasten weiter hinten als bei Klaviaturen mit kürzeren Tasten liegt. Laut Yamaha sind die GrandTouch-Tasten genauso lang wie die des hauseigenen S3X-Konzertflügels.

Eine weitere Eigenschaft dieser Tastatur ist die lineare, Taste für Taste durchgeführte Gewichtung. Die weißen Tasten besitzen zudem Holzelemente, und eine Druckpunktsimulation sowie mattierte Decklagen werden ebenfalls geboten.

In der Praxis lässt sich damit am CLP-675 im direkten Vergleich noch etwas sauberer und exakter intonieren als an den Mittelklassemodellen. Der Unterschied insbesondere zur bereits ausgezeichneten NWX-Tastatur des CLP-645 ist nicht riesig, aber schon spürbar. Erste Wahl für die GrandTouch-Tastatur am CLP-675 sollte eine der beiden „Hard“-Dynamikkurven darstellen, denn mit der werkseitigen „Medium“-Einstellung verschenkt man hier dynamisches Potenzial – vor allem in Verbindung mit dem kraftvollen Soundsystem.

Gegenüber den Mittelklasse-Modellen der CLP-600-Serie besitzt das Oberklassen-Piano übrigens Yamahas „GP Response“-Dämpferpedal: Es arbeitet von oben nach unten kontinuierlich schwergängiger, um das nuanciertere Verhalten eines echten Flügelpedals gegenüber gewöhnlichen Digitalpiano-Pedalen zu imitieren.

Gut ausgestattet

In puncto Klangerzeugung reiht sich das Yamaha CLP-675 nahtlos ein in die CLP-600-Serie. Auch die Ausstattung an Funktionen zum Klavierlernen und -üben ist identisch bis hin zu der integrierten Bluetooth-Schnittstelle. Details dazu liefert der Artikel über die Gemeinsamkeiten der Clavinovas.

Eine Eigenschaft speziell beim CLP-675: Ein iPad oder Notenheft steht auf dem Notenpult des CLP-675 wegen dessen spezieller Bauform höher als bei vielen anderen Homepianos. Das könnte zunächst gewöhnungsbedürftig sein.

Yamaha CLP-675 Notenhalter
Bedingt durch den Aufbau des Gehäuses ist das Notenpult ungewöhnlich hoch angebracht.

Yamaha CLP 675 im Vergleich

CLP-675 vs. CLP-645: Die Tastatur und noch mehr das Wiedergabesystem dieser beiden Modelle unterscheiden sich deutlich voneinander. Gegenüber dem 2-Wege-System mit vier Lautsprechern im CLP-645 stellt das Yamaha CLP-675 dieselben Klänge über sein 3-Wege-System mit mehr Verstärkerleistung wesentlich voluminöser, räumlicher und präsenter in den Raum. Auch seine GrandTouch-Tastatur ist eine Klasse höher als die NWX-Tastatur des kleinen Bruders. Die übrigen Unterschiede beschränken sich auf den höheren Korpus des CLP-675 nebst höherem Gewicht sowie das Dämpferpedal mit realistischerem Widerstand. Im Handel beträgt der Preisunterschied zum CLP-645 zirka 520 Euro.

CLP-675 vs. CLP-685: Nochmals Verbesserungen bei der Tastatur und beim Lautsprecherklang gibt es am teureren Spitzenmodell CLP-685 gegenüber dem CLP-675. Das teurere Modell besitzt ebenfalls die GrandTouch-Tastatur, hier ist diese jedoch zusätzlich mit Gegengewichten (Counterweights) ausbalanciert. Dass das 685er ein anderes Wiedergabesystem benötigt, ist aber allein schon durch dessen noch klavierähnlichere Bauform bedingt, zu der auch ein Tastaturdeckel gehört. Es ist sechs Zentimeter höher und 14 Kilo schwerer als das CLP-675.

Das CLP-685 besitzt außerdem einige weitere Hauptklänge sowie ein integriertes XG-Soundmodul zur Wiedergabe GM2-kompatibler MIDI-Songs. Schließlich einen Anschluss für ein viertes Fußpedal, dem verschiedene Funktionen zugewiesen werden können. Im Handel liegt der Preisunterschied zwischen beiden Instrumenten bei etwa 1000 Euro.

Fazit: Kraftvolles Homepiano der Oberklasse

Mit dem CLP-675 liefert Yamaha ein kraftvolles Oberklasse-Homepiano ab, dessen voluminöser Sound schon ziemliches Klavierfeeling aufkommen lässt und vor allem den hervorragenden Flügelklängen der CLP-600-Serie den angemessenen Entfaltungsspielraum bietet.

Entfalten kann sich auch der Spieler über die starke GrandTouch-Tastatur, die in Sachen Präzision wieder ein Stück weiter an Vorbilder akustischer Pianos heranreicht als bei den Mittelklassemodellen der Serie. Die Flexibilität der weiteren Sound- und Funktionsausstattung entspricht dem Standard der Serie und kann sich auch am CLP-675 sehen lassen.

Yamaha CLP-675 – Übersicht

Erhältlich seit: 04.2017
Tastatur: 88 Tasten, GrandTouch
Polyphonie: 256 Stimmen
Klangerzeugung: Sampling
Lieferumfang: Notenheft „50 Classics“
Besonderheiten: 353 Übungssongs, 20 Rhythmen, steuerbar über „Smart Pianist“-App, Bluetooth

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