Test: VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards

Test: VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards

  • Bei den SYNCHRON-ized Special Keyboards handelt es sich um eine Sampling-Library für den kostenlosen Vienna Synchron Player der Vienna Symphonic Library.
  • Das Instrumenten-Bundle besteht aus Harpsichord, Harmonium und Prepared Piano.
  • Die Library basiert auf den VI Collection Special Keyboards und umfasst ca. 5,4GB Samples. 
VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards - Piano-Library

Der Begriff „Special Keyboards“ gibt Hinweis auf die Nische, in welche sich dieses Instrumenten-Bundle einordnen lässt. Cembalo, Harmonium und präpariertes Klavier sind spezielle Tasteninstrumente und stehen bei der täglichen Arbeit nicht unbedingt im Mittelpunkt. Aber es kann immer wieder inspirierend sein, damit zu arbeiten. Dann allerdings ist man bei den VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards goldrichtig.

Der Raumklang der SYNCHRON-Instrumente: Phänomenal!

Vor allem interessierte uns das Prepared Piano als Ergänzung zu herkömmlichen SYNCHRON-Piano-Instrumenten wie z.B. Yamaha CFX und Concert D-274, die es ja auch in der SYNCHRON-Serie der Wiener Sampling-Spezialisten gibt.

Das Prepared Piano wurde auf auf unterschiedliche Weise in die Mangel genommen, was zu einigen außergewöhnlichen Prepared-Klängen führt. Auch das Harmonium hat stolze acht Artikulationen zu bieten und ist entsprechend vielseitig einzusetzen.

Mit „nur“ drei Registern mag das Harpsichord auf den ersten Blick etwas dünn besetzt sein, aber man sollte die Klangvielfalt dennoch nicht unterschätzen. Zusätzlich gibt es auch noch 20 FX Patches, welche wiederum völlig neue Seiten der Instrumente zum Vorschein bringen.

Die wichtigsten Funktionen auf einen Blick gibt es in der Hauptübersicht des Instruments. Die Darstellungsgröße des Synchron Players kann bei Bedarf angepasst werden.
Die wichtigsten Funktionen auf einen Blick gibt es in der Hauptübersicht des Instruments. Die Darstellungsgröße des Synchron Players kann bei Bedarf angepasst werden.

Wolf im Schafspelz: Der Vienna Synchron Player

Um das Ganze zum Laufen zu bringen, wird der kostenlose Vienna Synchron Player benutzt. Den gibt es nicht nur als Plug-in, sondern auch in der Standalone-Variante. Dieser hauseigene Player bringt einige mächtige Funktionen mit sich, die wiederum speziell sind für die in der Wiener Synchron Stage aufgenommenen Instrumente.

Das Einzigartige der SYNCHRON-Instrumente: Mittels Impulsantworten wird die Position des Instruments im legendären Aufnahmesaal der Vienna Synchron Stage simuliert. Der Raumklang der SYNCHRON-Instrumente: Phänomenal! Doch damit kratzt man gerade mal an der Oberfläche der Funktionsvielfalt. Glücklicherweise ist das Ganze in Online-Handbüchern detailliert erklärt.

Wer einfach nur ein Instrument auswählen und drauf los spielen möchte – das ist sehr einfach zu bewerkstelligen. Die verschiedenen Artikulationen werden über Keyswitches gesteuert und die relevanten Funktionen wie Lautstärke, Release oder Reverb befinden sich direkt auf der Hauptseite des Software-Instruments.

Doch gerade beim Thema Prepared Piano dürstet es manch einem ja nach mehr. Glücklicherweise versteckt sich unter der Haube des Synchron Players ein vielseitiges System aus Automationen, Effekten und einem Mixer. Hier geht (fast) alles, aber es birgt auch kleine Hürden in der Handhabung – mehr dazu im Abschnitt Praxis.

Harpsichord & Harmonium

Zwei schöne und eher seltene Vertreter der Tasteninstrumente sind Harpsichord und Harmonium. Ersteres ist im deutschsprachigen Raum als Cembalo bekannt, und erinnert mit seinem charakteristisch hellen und metallenen Klang direkt an die Musik des Barock.

Beim Cembalo stehen die drei Register 8′, 8′ double und 8′ double + 4′ zur Auswahl. Dabei hört sich 8′ double um einiges voller an, als die 8′-Alternative, und bei 8′ double + 4′ kommt durch die kürzeren Saiten sogar noch mehr Fokus auf höhere Frequenzen hinzu. Da man bei einem Cembalo keine wirklichen Velocity-Abstufungen hat, hat das Spielen mit unterschiedlicher Anschlagdynamik bei dieser Library wenig Auswirkung. Trotzdem ein wirklich knackiger und klarer Sound, der sich für klassische Musik aber auch für Pop-Musik gut eignet.

Da die Tonerzeugung des Harmoniums der eines Akkordeons sehr ähnelt, ist auch der Klang nicht weit davon entfernt. Allerdings hat man mit soliden acht Artikulationen eine ganze Palette an Sounds zur Auswahl. Wer etwas Ausgeglichenes will, kann sich zum Beispiel für „Aeoline“ entscheiden. Mit „Grand jeu“ bekommt man hingegen einen sehr vollen Klang. Aber auch  „Percussive“ hat einen interessanten Sound.

Zwischen den Artikulationen kann auf Tastendruck fließend gewechselt werden.
Zwischen den Artikulationen kann auf Tastendruck fließend gewechselt werden.

VSL Prepared Piano

Insgesamt ein wirklich ausgezeichnetes Repertoire an Prepared-Piano-Klängen, dem außergewöhnliche Töne zu entlocken sind. Die sauberen und auf Wunsch auch sehr trockenen Samples bieten die perfekte Grundlage für allerlei Stilrichtungen und Experimente. 

Es sind einige Klassiker vertreten, wie Ketten oder Schrauben, aber mit Alufolie oder dem Trinkgläsern gibt es auch eine Reihe an ausgefalleneren Ideen. Ein Bösendorfer Imperial wurde dafür auf acht unterschiedliche Arten präpariert:

Chains on strings: Ketten auf die Klaviersaiten zu legen, ist mein persönlicher Prepared-Favorit und hört sich beim Synchron Prepared Piano exzellent an. Mir gefällt, dass immer auch ein wenig die benachbarten Saiten de angespieten Tons mitschwingen, und auch das Lautstärkeverhältnis von Saiten- zu Kettengeräuschen ist optimal.

Screws between strings: Die Schrauben, die zwischen die Saiten gebracht wurden, bringen das Klavier richtig schön schief und dreckig zum schnarren. Das fällt besonders auf, wenn man ordentlich in die Tasten haut. Etwas mehr Velocity-Abstufungen wären hier allerdings noch das i-Tüpfelchen gewesen.

Harmonics (fingered): Die Harmonics haben die Besonderheit, dass man nahtlos zwischen der „open“- und der „secco“-Spielweise hin und her faden kann. Der Grundlegende Sound ist eine Mischung aus den Harmonics der Saiten und einem knackigen Zupfgeräusch. Je mehr man den „secco“-Regler aufgedreht, um so zupfiger hört sich das Klavier an.

Aluminium foil: Wem schon einmal ein Notenblatt in einen Flügel gerutscht ist, hat womöglich eine grobe Ahnung, wie sich Aluminiumfolie auf den Saiten anhört. Der gedämpfte Klang mit den flatternden und surrenden Foliengeräuschen klingt ziemlich genau so, wie man ihn sich vorstellt.

Waterglass: Ein Trinkglas auf die Saiten zu legen, habe ich im Bereich Prepared Pianos definitiv noch nicht gesehen. Vom Klang her ist es eine etwas schwächere Variante von „Chains on strings“, und auch die Schwingungen sind ein bisschen gleichmäßiger. Gerade die tieferen Oktaven sowie auch die schwächeren Anschlagstärken finde ich sehr interessant, da hier weitaus mehr Prepared-Sound zum Vorschein kommt.

Drumstick: Nach den ganzen experimentellen Sounds hören sich die mit Drumsticks gespielten Saiten schon fast normal an. Das Ganze erinnert ein bisschen an ein weiches Cembalo, was dieses Patch zum ganz normalen Klavierspielen wohl am attraktivsten macht.

Drumsticks roll: Ein langsamer Trommelwirbel auf den Klaviersaiten, der sich durch solide Sample-Loops beliebig lange halten lässt. Besonders die tieferen Oktaven klingen fantastisch, da hier alles am schnarren ist, während das Klacken der Schlagzeugstöcke durch den Klangteppich der Saiten hindurchdringt.

Glissandi (strings): Den Abschluss machen die 20 Glissandi. Zehn mal rauf und zehn mal runter wurden über die Saiten des Klaviers gestrichen. Die verschiedenen Aufnahmen unterscheiden sich dabei in Tonhöhe und Geschwindigkeit.

VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards in der Praxis

Der 1.6GB große Download braucht nach der Installation 5.4GB an Speicherplatz. Die Vienna-Instrumente sind erfahrungsgemäß Ressoursen-hungrig, und auch hier wird als Speichermedium eine SSD empfohlen.

Der Zugang zu den Sounds gestaltet sich unkompliziert, möchte man das ganze Potenzial an Möglichkeiten ausschöpfen, braucht man eine Weile, um sich einzuarbeiten. Das User-Interface wirkt sehr zusammengequetscht und einige Designentscheidungen sind sogar etwas fragwürdig.

Zum Beispiel: Wo findet man den Knopf für den Convolution Reverb? Immerhin geht es hier um ein sehr wichtiges und mächtiges Klangwerzeug, mit welchem die Position des Instruments in den fantastisch klingenden Synchron Stage Vienna Hallen virtuell zu positionieren? Den kleinen Button kann man nur als Understatement werten – ich habe ihn mal mit einem roten Pfeil Im Bild markiert.

Kleines Bilderrätsel oder einfach nur Understatement? In diesem Screen hat man den fantastisch klingenden Aufnahmeraum der Vienna Synchron Stage versteckt. Kleiner Tipp: Der rote Pfeil.
Kleines Bilderrätsel oder einfach nur Understatement? In diesem Screen hat man den fantastisch klingenden Aufnahmeraum der Vienna Synchron Stage versteckt. Kleiner Tipp: Der rote Pfeil.

Anderes Beispiel: Wie löscht man den Aux 1 Kanal im Bild? Richtige Antwort: Gar nicht, denn man kann immer nur den Aux oder Layer ganz rechts entfernen. Der „Button“ dazu ist mit einem gelben Pfeil markiert. Da besteht definitiv noch etwas Verbesserungspotential.

Hat man erst einmal die Eigenheiten und Kniffe im Griff, darf man sich allerdings über 17 Effekte und eine Reihe an Filtern freuen – vor  allem aber freut man sich über sensationell guten Sound.

Fazit: Fantastische Klangqualität, spezieller Sound

Wer sich für unkonventionelle Tasteninstrumenten interessiert, sollte hier hellhörig werden. Ein solides Cembalo und ein abwechslungsreiches Harmonium sind nur der Anfang. Das Prepared Piano bietet einen sauberen und rohen Klang, der sich nach belieben formen lässt. Die Effekte und Funktionen dafür sind in VSLs kostenlosen Synchron Player direkt mit enthalten.

Jeder der nur schnell drauf los spielen möchte, sollte sich problemlos zurechtfinden. Will man jedoch das volle Potential des Players ausschöpfen, wird man schon ein bisschen Arbeit investieren müssen. Wer sich noch nicht ganz sicher ist, den kann ja vielleicht das mehr als faire Preis/Leistungs-Verhältnis überzeugen.

VSL SYNCHRON-ized Special Keyboards – Überblick

Erhältlich seit: 05.2020
Plattform: Vienna Synchron Player (kostenlos) für Windows & MacOS, VST, AU, AAX native
Speicher: 5,4GB (SSD empfohlen)
Hersteller/Vetrieb: Vienna Symphonic Library/best service
Preis: 95,- Euro

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