Test: UVItouch Ravenscroft 275 Piano für iOS-Geräte

  • Das VI Labs Ravenscroft 275 ist eine Piano-App für iPone und iPad. Sie enthält den Sound eines detailreich gesampelten Konzertflügels.
  • Die Klangqualität des Pianos ist hervorragend: Ein lebhafter und brillanter Sound mit breitem Klangbild und viel Dynamik.
  • Update: Performance-Probleme früherer Versionen der Piano-App wurden inzwischen durch Updates beseitigt. Auf aktuellen iOS-Geräten läuft das Ravenscroft 275 Piano einwandfrei.
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(Foto: Jörg Sunderkötter)

Mit jeder neuen Generation haben iOS-Geräte stärkere Prozessoren. Software-Hersteller statten ihre Apps mit immer mehr Leistungsmerkmalen aus: Mehr Möglichkeiten, mehr Klangqualität – mehr Prozessorlast. Das Ravenscroft 275 Piano ist in jeder Hinsicht höchst anspruchsvoll. Update: Anfängliche Performance-Probleme wurden inzwischen beseitigt.

Leistungshungrige Apps wie das Ravenscroft 275 Piano sollte man niemals im Batteriebetrieb des iOS-Geräts nutzen.

Beim Ravenscroft 275 Piano ist der Name Programm – es wurde das Titan Modell des in Arizona ansässigen Piano-Herstellers Ravenscroft aufgenommen. In Zusammenarbeit der Software-Firmen VI Labs und UVI entstand neben dem Piano-VST die Piano-App für iOS, die das Spielen dieses stattlichen Sounds auch mit iPhone und iPad ermöglichen soll.

Bemerkenswerter Klang

Ein Konzertflügel wie der Ravenscroft 275 Titan vermag einen majestätischen Klang zu erzeugen, das vermittelt auch die Piano-App: Ein brillanter, kräftiger Piano-Sound mit klarem Attack, vollen Bässen, perlendem Diskant, füllendem Ausklang sowie nuancenreicher Dynamik. So klingt ein großer Konzertflügel!

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Mehr Realismus durch Klangdetails

Dann die vielen Klangdetails: Damper-Noise, Sympathetic Resonance, Key-Off-Effect und viel Duplex-Scale-Resonanzen im Ausklang. All das lässt einen lebhaften, resonanten Piano-Sound entstehen, der sich feinfühlig und sehr dynamisch spielen lässt. Auch wenn man sich noch die Unterstützung der Half-Pedal-Funktion wünschen könnte, ist das Ravenscroft 275 Piano die Piano-App mit dem größten Simulationsumfang. 

Update (17.01.2019): Bei der ersten Version der App mussten wir Performance-Probleme bemängeln. Getestet auf einem aktuellen iPad mit A10 Prozessor sowie auf einem iPhone SE kam es immer wieder zu kurzen Aussetzern in der Tonausgabe. Dank der letzten Updates läuft das Ravenscroft 275 Piano nun aber selbst bei geringster Systemlatenz einwandfrei auf den genannten iOS-Geräten.

Breites und räumliches Klangbild

Das Ravenscroft 275 Piano klingt räumlich mit einem weit gespreizten Klangbild. Schaltet man den Reverb-Effekt einmal aus, denn behält der Sound seine räumliche Wirkung – beim Sampling wurde bewusst ein gewisser Raumanteil mit aufgenommen. Letztendlich Geschmackssache: Wer einen eher direkteren Klang bevorzugt, könnte vom Ravenscroft 275 unter Umständen nicht so begeistert sein.

Klänge editieren

Das Ravenscroft 275 bietet einen einzigen Sound, dieser aber lässt sich mit drei Sektionen im Klangverhalten nach Belieben abstimmen. Über Velocity lässt sich das Dynamikverhalten des Klangs an die angeschlossen Tastatur anpassen. Ein Reverb lässt sich in Size, Decay und Mix einstellen. Bei längerem Nachhall scheppert der Effekt ein wenig – das klingt unnatürlich.

Interessant in der Equalizer-Sektion ist der Timbre-Regler. Damit kann man den Klang etwas weicher und dumpfer oder aber auch mittiger gestalten. Überdreht man die Funktion, klingt der Sound dann aber ziemlich entstellt.

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Das Ravenscroft 275 Piano bietet reichlich Reserven für dynamisches Spiel. Der Sound verdient es, über eine hochwertige Tastatur mit Hammermechanik gespielt zu werden. (Foto: Jörg Sunderkötter)

Ravenscroft 275 Piano spielen

Über eine gute Hammermechanik-Tastatur gespielt, ist das Klang- und Spielverhalten wirklich sehr edel. Die hohen Leistungsanforderungen können aber unter Umständen den Spielspaß mindern. Empfohlen wird ein iPhone 6 – getestet habe ich auf einem iPhone SE – hier läuft die aktuelle Version 1.1.3 ohne Probleme.

Wichtig zu beachten: Leistungshungrige Apps wie das Ravenscroft 275 Piano sollte man niemals im Batteriebetrieb des iOS-Geräts nutzen. Je nach Gerätegeneration steht im Stromsparmodus unter Umständen nicht genügend Prozessorleistung zur Verfügung.

Generell fällt in der iPhone-Version der App die umständliche Bedienung auf, da die grafische Darstellung arg klein geraten ist. Was die Verbindung zu Bluetooth-MIDI oder USB-MIDI betrifft – diese Einstellungen wollen von Hand erledigt werden. Andere Piano-Apps passen sich da automatisch an.

Fazit: Großartig in Klang und Simulationsumfang

Solch ein Piano-Sound aus einem Telefon? Wahnsinn! Das Ravenscroft 275 Piano klingt großartig und übertrifft in Sachen Klang und Simulationsumfang andere Piano-Apps bei Weitem. Ein lebhafter Piano-Sound mit einer Qualität, die man auf Mobil-Geräten so bisher noch nicht gehört hat.

Update (17.01.2019): Loben möchte ich die Produktpflege des Herstellers, denn die anfänglichen Performance-Probleme wurden mit den letzten Updates der App beseitigt. Die gelegentlichen Audio-Aussetzer der früheren Version gehören erfreulicherweise nun der Vergangenheit an. Auf meinem iPad mit A10 Prozessor und sogar auf meinem iPhone SE (hier zeigten sich die meisten Probleme) läuft das Ravenscroft 275 Piano absolut zufriedenstellend.

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Das Ravenscroft 275 Piano kann man auf iPhone und iPad installieren. Die Bedienung der iPhone-Version ist allerdings weniger komfortabel.

Ravenscroft 275 Piano – Überblick

Erhältlich seit: 06.2017
Plattform: iPhone & iPad mit schnellem Prozessor
Systemanforderungen: ab iOS 9.3, aktuelles iOS-Gerät mit schnellstmöglichem Prozessor
Preis: 39,99 / erhältlich im App-Store
Hersteller: VI Labs, UVI

Klangbeispiele zum VI Labs Ravenscroft 275 Piano

Die Audio-Clips demonstrieren die Klangqualität und die große Detailvielfalt des Ravenscroft 275 Piano. Die Musikbeispiele unterschiedlicher Stilrichtungen wie „Old Jazz“ oder „Stadium Rock“ machen Gebrauch von den vorhandenen Presets der Piano-App. Die Audio-Clips zu den Klangdetails „Artikulation“, Sympathetic Resonance“ etc. nutzen das erste „Classic“-Preset. Hier ist der Reverb-Effekt ausgeschaltet, damit man sich ganz auf die technischen Details konzentrieren kann. Sehr gut zu hören sind die Saitenresonanzen, Dämpfergeräusche und das Aufsetzen der Dämpfer im Ausklang der Töne.

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