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Test: Skybox Audio Hammers and Waves – Piano-Library

  • Skybox Audio Hammers and Waves ist eine Sound-Library für Native Instruments Kontakt bzw. den kostenlosen Kontakt Player.
  • Mit insgesamt 500 Presets bietet Hammers and Waves eine breite Auswahl an akustischen und elektronischen Tasteninstrumenten.
  • Praktisch für den Live-Einsatz: Hammers and Waves ist eingeteilt in vier Sample-Libraries, die separat installiert werden können.
Skybox Audio Hammers and Waves

Neue Hersteller bringen zum Einstieg ins Business eigentlich eher kleinere Libraries heraus. Doch Skybox Audio hat offensichtlich andere Pläne. Ob Flügel, Rhodes oder Prepared Piano – Skybox Audio Hammers and Waves hat es in sich und ist unter den Piano-Libraries nicht gerade ein Leichtgewicht.

Skybox Audio Hammers and Waves ist insgesamt rund 50 Gigabyte groß und besteht aus vier Kontakt Libraries: Acoustic, Chime, Electric und Prepared. Enthalten sind zehn Instrumente: Modern Grand, Relic Upright, UX Upright, Dulcitone, J Celeste, J Toy Piano, EP 200A, Suitcase 73, Muted Relic und Obscura Grand.

Mit diesen Instrumenten und satten 500 Presets wird ein Rundum-Paket geboten, das nicht nur eine Vielzahl an Effekten präsentiert, sondern auch mit guten Ideen (z.B. Pre Strike) und cleveren Performance-Möglichkeiten überrascht.

Neben den zu erwartenden Brot-und-Butter-Piano-Sounds einer solchen Keyboard Collection hat Hammers and Waves aber auch jede Menge fantasievolle Synth-Sounds mit diversen Hall- und Modulationseffekten zu bieten, wobei hier die Swarm- und Fractals-Menüs im Mittelpunkt stehen. Dank Granular-Synthese, Arpeggiator und Tone Shift kann man aber auch selber kreativ werden, um eigene Sounds zu erstellen.

Die verschiedenen Instrumente haben bis zu 16 Velocity-Layer.

Handhabung & Presets

Zunächst einmal ist Skybox Audio Hammers and Waves eine einfach zu handhabende Library, sofern man die mitgelieferten – sehr guten – Presets nutzt. Die ca. 500 Sounds sind zum Sofortverzehr geeignet und über den Preset-Browser zu finden. Das Navigieren in diesem umfangreichen Sound-Angebot ist dank der Meta-Tags eigentlich selbsterklärend. Die Kirsche auf der Preset-Torte ist die Preview-Funktion, welche beim Anklicken eines Presets eine kurze und individuelle Melodie spielt. Das ist genauso geschmackvoll und professionell gemacht wie die Presets selber.

Hammers and Waves sieht wirklich schick aus, doch das moderne und schlichte Hauptmenü kommt mit einigen Hürden, sofern man selber an den Sounds schrauben möchte. Die Library unterscheidet zwischen acht Kategorien. Die drei wichtigsten sind dabei Source, Swarm und Fractals, welche für den grundlegenden Sound zuständig sind. Für Effekte wie Hall, Verzerrung oder Equalizer gibt es die Space- und FX-Abschnitte. Alles rund um Modulation findet man in den Mod- und Settings-Bereichen.

Das Menü-Design ist nicht so intuitiv zugänglich. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich Hammers and Waves im Griff hatte. Aber das ist schließlich auch der Preis für weitreichende kreative Gestaltungsmöglichkeiten, wie sie Hammers and Waves bieten kann. Da will man nicht meckern. Außerdem: Wer einfach nur gute Sounds zum Spielen haben will, findet sich ja schnell zurecht, denn jedes der zehn Instrumente kommt mit 50 ausgeklügelten Presets.

Eigene Presets speichern oder bestimmte Presets als Favoriten markieren - der Preset-Browser ermöglicht beides.
Eigene Presets speichern oder bestimmte Presets als Favoriten markieren - der Preset-Browser ermöglicht beides.

Source, Fractals und Swarm

Vom normalen Instrument bis zum verrückten Klangteppich: Egal, ob man ausschließlich auf Presets zurückgreift oder professioneller Sounddesigner ist, die drei Kernelemente von Hammers and Waves sind definitiv einen Blick wert.

Der Source-Bereich startet mit dem unverfälschten Klang des jeweiligen Tasteninstruments, doch neben Klassikern wie Lautstärke, Pitch oder Velocity lassen sich hier auch Höhen- und Tiefenverhältnis oder Nähe zum Mikrofon anpassen.

Besonderheit sind dabei die „Hyper Realism“-Funktionen wie „Pre-Strike“. Diese ermöglicht das Abspielen von mechanischen Geräuschen, noch bevor der Ton der Saite erklingt. Das funktioniert – wie man sich vorstellen kann – nicht beim Livespielen. Aber als zusätzliche Möglichkeit beim Arrangieren und Komponieren in einer DAW kann man den Keyboard-Parts so noch einmal eine Portion Klangrealismus mitgeben.

Das Strike-Menü: Mit dem Filter können bei Bedarf hohe Frequenzen entfernt werden.
Das Strike-Menü: Mit dem Filter können bei Bedarf hohe Frequenzen entfernt werden.

Fractals ist wiederum im Kern ein Arpeggiator, doch punktet dieser mit einigen besonderen Optionen. So kann dem Ganzen etwas mehr Abwechslung eingehaucht werden, indem man Klangfarben oder Frequenzen automatisiert. Eine tolle Möglichkeit – ich würde mir sogar noch mehr Funktionen wünschen als die beiden verfügbaren „Color“ und „Shift“.

Bei Swarm hat man sich von der Granularsynthese inspirieren lassen. Hier werden die herkömmlichen Samples genommen, in feine Schnipsel geschnitten und anschließend wild durcheinander abgespielt. Funkelnde Geräuschteppiche und Sound-Texturen sind das Ergebnis. Swarm ist außerdem mit den gleichen Automationen ausgestattet, die auch bei Fractals vorhanden sind.

Da man Source, Fractals und Swarm sowohl einzeln, als auch zusammen verwenden kann, sind wirklich schöne Klangkulissen möglich, die sogar komplexe Klänge mit nur einem Tastendruck ermöglichen.

Akustische Instrumente von Hammers and Waves

Die Acoustic Library ist mit drei Klavieren ausgestattet. Das Modern Grand basiert dabei auf einem „Yamaha C6 Conservatory“-Konzertflügel, welcher mit seinem relativ universellen Klang in vielen Genres seinen Platz findet.

Um einiges rustikaler geht es bei dem „Relic Upright“ zu. Hier handelt es sich um ein restauriertes 1890 Schaff Brothers „Tom Thumb“-Klavier, welches mit seinem weichen und wärmeren Timbre ein schönes Retro-Feeling vermittelt.

Das dritte Piano im Bunde ist das „UX Upright“. Dieses 52″ Upright-Piano hat einen angenehm direkten Sound, welcher – ähnlich wie das Modern Grand – durch seinen neutralen Klang punktet und in verschiedenen Styles seinen Job macht.

Chime-Sounds – schrill und schön

Auch die Chime Library ist mit drei Instrumenten ausgestattet. Den Anfang macht das „Dulcitone“, welches besonders mit seinen prägnanten, aber weichen Mechanik- und Tastengeräuschen punktet. Hier kommt der etwas metallene und schrille Stil des Dulcitone zwar gut zur Geltung, aber es wird trotzdem noch ein angenehm weicher Sound beibehalten.

Um einiges schriller ist das „J Celeste“. Das liegt allerdings ganz in der Natur des Instruments, da dieses mit seinen höheren Registern einen Klang erzeugt, der eher in Richtung Glockenspiel geht.

Ganz zart macht dann noch das „J Toy Piano“ mit abwechslungsreichen Mechanikgeräuschen auf sich aufmerksam. Ein sehr feiner, aber schöner Sound.

Electric-Library: Let’s get wild!

Das „EP 200A“ ist richtig schön knarzig, bleibt aber dennoch dem relativ warmen Klang des Wurlitzers treu. Klassisches Rhodes-Feeling ist beim „Suitcase 73“ angesagt, welches sich auch in einer angenehm schönen Balance aus rau und weich präsentiert.

Toller Pluspunkt bei der Electic-Library sind die Amp- und Cabinet-Optionen. Sogar verschiedene Mikrofone und Boxen stehen zur Auswahl, um den Sounds authentischen Grip zu geben.

Prepared Piano

Ein bisschen sehr simpel ist allerdings die Prepared-Library mit ihren zwei tonal spielbaren Instrumenten. Bei dem „Muted Relic“ handelt es sich um das gleiche 1890 Upright aus der „Acoustic Relic Upright“-Library, nur dass hier Gaffer-Tape den Saiten zu einem pizzicatoähnlichen Klang verhalf.

Auch das „Obscura Grand“ basiert auf dem Yamaha des „Modern Grand“-Patches. Aber für die Prepared-Variante wurden die Saiten mit einem dicken Stück Filz präpariert. Dadurch wirkt der Flügel um einiges dumpfer und kompakter.

Ich würde die beiden Instrumente keineswegs als schlecht bezeichnen, aber ich hätte mir schon etwas krassere, gerne auch geräuschhafte Prepared-Methoden gewünscht wie z.B. Ketten, Alufolie oder E-Bow gewünscht – gerade bei einer doch so Sound-betonten Library wie Skybox Audio Hammers and Waves.

Audio and Hammers in der Praxis

Skybox Audio Hammers and Waves ist eine hochwertige Library, aber einigen Eigenschaften fehlt noch der letzte Schliff. Wirklich toll ist, dass man nicht nur das Modwheel benutzen kann, um bestimmte Effekte und Schieberegler zu beeinflussen, sondern auch das Pitchbend. Pitchwheel nach oben erhöht den Hallanteil und Pitchwheel nach unten verändert die Klangfarbe? Kein Problem! Aber gerade bei den synthesizerähnlichen Sounds oder bei verrückten Prepared Piano Patches, vermisse ich das herkömmliche Pitchbend dann doch. Mit der Vollversion von Kontakt und einem kleinen Workaround lässt sich das Pitchbend wieder zwar herstellen. Das muss aber bei jeder Kontakt-Instanz separat gemacht werden.

Dann gibt es noch die Saitenresonanzen, die sogar ihren eigenen Lautstärkeregler haben. Bei Hammers und Waves ist von Obertönen durch Sympathetic Resonance die Rede, was bedeutet, dass nicht gedämpfte Saiten durch das schwingen anderer Saiten zum Mitschwingen angeregt werden. Das funktioniert auch wunderbar mittels Haltepedal, aber leider nicht bei gehaltenen Tasten, obwohl diese Saiten ja genauso gut mitschwingen könnten.

Auch dass Hammers and Waves in vier separate Kontakt Libraries aufgeteilt ist, macht das Installieren von nur einer Library viel einfacher. Aber wenn man alle vier gleichzeitig nutzt, nehmen die Browser-Tabs in NI Kontakt unnötig viel Platz ein.

Fazit: Ein bisschen eigen, aber charismatisch

Skybox Audio Hammers and Waves ist eine gelungene Sammlung an Tasteninstrumenten aller Art. Die zehn Instrumente decken ein abwechslungsreiches Spektrum an Klängen und Genres ab – ein gelungenes Rundumpaket für sowohl Anfänger als auch Profis, die gern auch selber an den Sounds schrauben wollen.

Es ist zwar nicht ganz einfach, die Vielzahl an Optionen und Schiebereglern zu meistern, doch dank 500 toller Presets kommt man auch ganz ohne Aufwand in den vollen Genuss von allem, was Hammers and Waves zu bieten hat.

Detailgrad und Klangqualität sind für den Umfang und die Preisklasse der Library wirklich solide, aber hier darf man –  gerade bei den Akustik-Pianos –  keinen extrem hohen Grad an Realismus erwarten. Wer hohe Ansprüche an Spielgefühl und Realitätsnähe hat, ist bei Libraries, welche sich auf ein einzelnes Instrument spezialisieren, besser aufgehoben.

Dafür kann Hammers and Waves mit seinen zahlreichen Effekten und Funktionen Punkten, denn besonders Elemente wie Fractals oder Swarm verwandeln ein simples Dulcitone in eine filmreife Klangkulisse.

Insgesamt eine stimmige Kontakt Library, die mich neugierig macht, was wir in Zukunft noch von Skybox Audio erwarten dürfen.

Skybox Audio Hammers and Waves - Instrumente

Skybox Audio Hammers and Waves – Überblick

Plattform: Native Instruments Kontakt oder Kontakt Player (kostenlos)
Leistungsanforderung: mittel bis hoch (SSD empfohlen), 50GB Massenspeicher (Acoustic 21,5GB / Chime 8,4GB / Electric 9,2GB / Prepared 11,2GB)
Preis: $390,-/ca. 345,- Euro
Website des Herstellers: www.skyboxaudio.com

Janis Theurer

Detailgrad und Klangqualität sind für den Umfang und die Preisklasse der Library wirklich solide.

Piano-Library · Piano-VST · Software-Instrument

Tests

5. Januar 2022

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