Test: Riot Audio Putty Piano - Piano-Library
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Test: Riot Audio Putty Piano – Piano-Library

  • Ein Prepared Piano, bei dem die Klaviersaiten mit Poster-Klebestreifen gedämpft wurden.
  • Bei dem Klavier handelt es sich um ein britisches Upright Piano aus den 1950er Jahren.
  • Die Library benötigt die (kostenpflichtige) Vollversion von Kontakt.
Riot Audio Putty Piano mit Poster-Klebestreifen
Saiten-Dämpfung mit Poster-Klebestreifen. (Bildquelle: Riot Audio)

Manchmal reicht eine simple Idee, um einen genialen Sound zu schaffen – und sei es mithilfe von Poster-Klebestreifen, die man auf die Saiten seines Klaviers klebt. So geschehen beim Riot Audio Putty Piano, das man als Sample-Library für Native Instruments Software-Sampler Kontakt bekommt.

Für die 1 GB große Putty Piano Library hat die Firma Riot Audio ein britisches 1950er Upright-Piano mit der klebrigen Poster-Knete (Putty) ausgestattet. Was eigentlich dazu gedacht ist, um Poster in der Vertikalen zu halten, wurde beim Putty Piano – ganz im Sinne von Prepared Pianos – vorsichtig auf die Klaviersaiten geklebt.

Riot Audio Putty Piano - Bedienoberfläche
Riot Audio Putty PIano kommt ohne viel Schnickschnack aus und ist durch zehn Poti-Knöpfe und Schieberegler angenehm einfach gehalten. Mit Hilfe von Noise-Layern, Shape-Optionen und Effekten kann man auf den Klang des Klaviers Einfluss nehmen. Alternativ kann man aber auch gerne auf die acht Presets zurückgreifen.

Klein aber Fein: Riot Audio Putty Piano

Wo einige Libraries mit zahlreichen Menüs und Kategorien protzen, hält sich das Putty Piano eher zurück. Um den grundlegenden Klang des Klaviers zu verändern, reichen drei Shape-Regler.

  • Body: Mischt einen künstlichen Klang aus Sinus und EBow hinzu. Gerade wenn das Putty Piano alleine im Einsatz ist, kann ein bisschen Klangfülle nicht schaden.
  • Decay: Bestimmt, wie lange Töne ausklingen – eine nicht zu unterschätzende Funktion. Denn gerade eine sehr kurze Ausklingzeit resultiert in einen interessanten, Pizzicato-ähnlichen Klang.
  • Brightness: Hebt die Geräusche der Hämmer etwas hervor und verlagert die Frequenzen in den höheren Bereich. Das verändert nicht nur den Sound an sich, sondern kann auch den Klavierklang in den Vordergrund rücken.

Interessante Geräuschkulisse inklusive

Während die Shape-Funktionen auf den Klang des Klaviers Einfluss nehmen, stellen die Noise-Layer drei zusätzliche Sounds zur Verfügung. Diese können individuell zum Putty Piano dazu gemischt werden und bereichern den Klang mit vielen Klangdetails.

Der Hammer-Layer steuert hier das Fall-back Noise. Da sich die Lautstärke auf unnatürlich hohe Werte drehen lässt, kann man ein interessantes perkussives Feeling erschaffen. Der Pedal-Layer hingegen erfüllt den Klavierklang mit lebhaften Pedal-Geräuschen. Mein persönlicher Favorit ist der Human-Layer, denn hier werden Geräusche wie zum Beispiel Rascheln oder das Quietschen eines Klavierhockers beigemischt. Da die Auswahl der Sounds vom Zufall entschieden wird, entsteht eine lebendige Art von Abwechslung. 

Der Human-Layer ist schon ein wenig spooky, da man beim Spielen das Gefühl bekommt, es sei noch jemand anderes zugegen. Aber dieser Eindruck verdeutlich das immersive Klangerleben des Putty Piano. 

Riot Audio Putty Piano - User-Interface
Das gesamte Putty Piano auf einen Blick.

Weniger ist nicht immer mehr

Die zwei Effekte sind ein netter Bonus, aber hauen einen jetzt auch nicht wirklich vom Klavierhocker. Das Delay hat einen Ping-Pong Effekt und lässt sich in Zeit und Lautstärke anpassen. Das reicht fürs Nötigste, aber an eine Anzeige für das genaue Delay Tempo wurde nicht gedacht. Der Hall basiert auf einem digitalen Lexicon und klingt auch ganz anständig. Doch außer Lautstärke und Ausklingzeit kann man praktisch nichts verändern. Mit externen Effekten kommt man da weiter.

Putty Piano in der Praxis

Das Putty Piano hat einen interessanten Klang, den man nicht so einfach einordnen kann. Da der Posterkitt die Saiten abdämpft, entsteht ein leichtes Zupf-Feeling, gemischt mit einem prägnanten Anschlag. Durch die Resonanzen und das dezente Surren der Saiten hört sich das Klavier etwas unsauber an – dies jedoch auf eine gute Weise.

Als ein eher tonales Prepared Piano eignet es sich wunderbar für Kompositionen im Stile von Arvo Pärt, welcher das Prepared Piano gerne als Begleitinstrument für Streicher verwendet. Allerdings sind bei einigen Noten die Samples nicht absolut perfekt im Timing. Dieser „Humanizing-Effekt“ unterstreicht den lebhaften Klang des Riot Audio Putty Piano, er kann aber auch bei Sequenzer/Arpeggio-Motiven ein wenig stören.

Mir gefällt, wie der Klang je nach Tonhöhe variiert. In den tieferen Oktaven kommen die schiefen und rauen Elemente zum Vorschein, während es in den hohen Oktaven metallener wird. Letzteres erinnert schon fast ein bisschen an eine Spieluhr. Das lädt dazu ein, auch mal in ungewöhnlichen Oktavlagen zu spielen.

Um ein bisschen Abwechslung ins Spiel zu bringen, benutzt man am besten die drei Noise-Layer. Pedal und Hammer sorgen für etwas perkussivere Elemente, während Human eher abstrakter ist.  Zusammen mit den Effekten ergibt sich insgesamt eine schöne Auswahl an Klangfarben. Extrem schrille und verrückte Klänge bekommt man aus dem Putty Piano allerdings nicht wirklich heraus.

Fazit: Originelle Idee und guter Sound

Riot Audios Putty Piano ist eine kleine aber feine Prepared Piano Library, die mit einer originellen Idee überzeugt. Der einfache Aufbau der Library sorgt für eine unkomplizierte und intuitive Bedienung, lässt für experimentierfreudige Bastler aber ein bisschen zu wünschen übrig.

Zum größten Teil ist das Putty Piano sehr tonal gehalten, wodurch man es auch wunderbar mit weiteren Instrumenten kombinieren kann. Wer nicht im Besitz der Vollversion von Kontakt ist, sollte sich Putty Piano vielleicht erst einmal auf die Wunschliste setzen, aber für Kontakt Besitzer ist diese Library sicherlich eine Überlegung wert.

Riot Audio Putty Piano – Überblick

Erhältlich seit: 06.2019
Plattform: Native Instruments Kontakt (Vollversion erforderlich)
Speicher: ca. 1 GB
Hersteller/Vertrieb: Riot Audio / best service

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