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Test: Casio GP-310 Grand Hybrid – Homepiano

  • Das GP-310 ist das Preiswertere von zwei Modellen der zweiten Grand-Hybrid-Generation, die Casio in Zusammenarbeit mit dem Pianohersteller C. Bechstein entwickelt hat.
  • Als Instrument der Oberklasse hebt es sich deutlich von den günstigeren Homepianos der Celviano-Reihe ab.
  • Im Mittelpunkt stehen die Verarbeitungsqualität, eine hochwertige Holztastatur und die Sounds von drei berühmten Konzertflügeln.
Casio GP-310 Celviano Grand Hybrid (Bildquelle: Casio)
(Bildquelle: Casio)

Hochwertiges Oberklassen-Modell und zugleich Preis-Leistungs-Riese: Dass dies kein Widerspruch sein muss, zeigt das Casio GP-310 aus der „Celviano Grand Hybrid“-Reihe. Selbst dem größeren und teureren Modell GP-510 kann es in vielerlei Hinsicht Paroli bieten. Doch der Reihe nach.

Normalerweise ist es in erster Linie die Hardware, in der sich ein Flaggschiff von den preiswerteren Instrumenten einer Modellreihe unterscheidet: Das Top-Modell Casio GP-510 kommt insbesondere mit der besten Tastatur und dem leistungsfähigsten Wiedergabesystem des jeweiligen Herstellers, während die günstigeren Ableger in beiden Bereichen Kompromisse eingehen.

Beim rund 3.000 Euro teuren GP-310 ist aber gerade das nicht der Fall. Es besitzt die gleiche hervorragende Tastatur und das gleiche leistungsstarke Wiedergabesystem – ja sogar das gleiche, topsolide verarbeitete und rund 80 Kilo schwere Gehäuse wie das Casio GP-510. Gut, der schwarze Glanzlack bleibt dem Flaggschiff vorbehalten. In den beiden Ausführungen schwarz sowie weiß satiniert erhältlich, ist das GP-310 aber alles andere als unattraktiv. Seine strukturierte Gehäuseoberfläche wirkt ganz und gar nicht nüchtern, sondern lässt glänzende Lichtreflexionen zu.

Konstruiert fast wie ein Echtes

„Natural Grand Hammer Action“ nennt Casio die graduierte Hammermechanik-Tastatur des GP-310. Flügelsounds lassen sich damit ausdrucksstark und sehr präzise intonieren. Gegenüber dem Vorgängermodell GP-300 wurde die Tastaturdynamik in Abstimmung auf die Flügelsounds nochmals verbessert. 

Die Klaviatur aus Holz verfügt über eine große Tastenlänge und ist im Zuge der Konstruktion nach Klaviervorbild mit der den Ton auslösenden Hammermechanik verbunden. Spielgefühl und Repetition der mit drei Sensoren ausgestatteten Tastatur sind hervorragend, und auch die Tastenbeläge fühlen sich an wie am akustischen Vorbild. Einzig ein Druckpunkt fehlt diesem ansonsten rundum überzeugenden Manual.

Auch die Fußpedale sprechen nahezu an wie an einem echten Klavier. Für die Halbpedal-Funktion des Sustainpedals lässt sich die Ansprechposition einstellen. Der Spielwiderstand nimmt realistisch nach untenhin zu.

Drei Flügel an Bord

Das GP-310 folgt einem puristischen Homepiano-Konzept. Im Mittelpunkt stehen Klänge gleich dreier unterschiedlicher Flügel: Neben dem Bechstein-Sound „Berlin Grand“ sind dies das „Hamburg Grand“ – ein Steinway-Klang – und das „Vienna Grand“, ein Bösendorfer-Sound. Die jeweils typischen Klangeigenschaften der Originalflügel erkennt man auch in diesen hochwertigen Multisamples.

Sauber und über den gesamten Tastaturumfang ausgewogen aufgezeichnet, reagieren sie realistisch auf dynamisches Spiel. Unsere Favoriten sind der helle und klare Bechstein-Sound als Markenzeichen der GP-Serie und der sehr schöne, runde Bösendorfer. Für Klassik und Jazz sind sie die klare Empfehlung. Mit dem angebotenen Steinway-Sound legt man sich etwas schneller auf ein kraftvolleren Gesamtklang fest – womit er sich zum Beispiel gerade für moderne Balladen, Pop und Soul besonders empfiehlt.

Gegenüber dem Vorgängermodell wurde der Ausklang der drei Flügelsounds am GP-310 verbessert, da dafür jetzt längere Samples zum Einsatz kommen. Die Polyfonie liegt bei weiterhin 256 Stimmen. Das GP-310 bietet noch 17 weitere Sounds, die in den Klanggruppen „Various Piano“, „Electric Piano“, „Harpsichord/Vibes“, „Strings“, „Organ“ und „Bass“ geordnet sind.

Casio GP-310 - Digitalpiano mit Holztastatur und Hammermechanik (Bildquelle: Casio)

Split und Layer

Splits und Layer können frei konfiguriert werden. Beide Funktionen lassen sich gleichzeitig verwenden. Auch Oktavlagen und Lautstärkenverhältnisse sind einzustellen. Verzichten muss der Spieler allerdings auf Registrierungsspeicher wie sie beim GP-510 zu finden sind. Das GP-310 besitzt nur eine globale Memoryfunktion und merkt sich alle getätigten Einstellungen, die dann beim nächsten Einschalten wieder aufgerufen werden.

Flügel-Tuning mit Nebengeräuschen

Das Menü „Acoustic Simulator“ des Pianos versammelt sieben Parameter, die sich den Saitenresonanz– und Geräuscheffekten der Flügelmechanik sowie der Pedale widmen. Damit lassen sich die Nebengeräusche der drei Flügelhauptklänge gezielt verstärken. So kann man ihren Sound, ganz nach Geschmack, noch imposanter gestalten.

Eine Casio-typische Besonderheit ist der „Lid Simulator“. Diesen virtuellen Flügeldeckel, dem die Einstellungen geschlossen, halboffen und offen zugewiesen werden können, steuert man wahlweise auch mechanisch: Dazu braucht man lediglich den echten Klavierdeckel des GP-310 in eine dieser drei Positionen zu bringen – schon schlägt sich das im Klang der Flügel nieder. Ins Gehege kommen sich dabei allerdings mitunter Deckel und Notenpult – dann hilft es, letzteres kurz abzunehmen.

Wiedergabe-System des Casio GP-310

Mit seinem hervorragenden Soundsystem kommt das Casio-Grand-Hybrid der Klangfülle eines echten Klaviers erfreulich nahe. Drei Lautsprecherpaare werden mit unabhängigen Stereo-Verstärkern für Mittel- und Hochtöner beziehungsweise die Bass-Lautsprecher betrieben. Bei der Klangausbreitung wird auch der Holzboden unter der Tastatur einbezogen (Soundboard-Effekt). Die Speaker strahlen unter anderem direkt auf den Spieler sowie nach untenhin ab.

Ein über den vollen Tonumfang druckvoller, transparenter und sehr räumlicher Gesamtsound ist das Resultat. Im Vergleich zum Vorgänger kommen im GP-310 neue Bass-Lautsprecher zum Einsatz. Das macht den Klang untenrum noch etwas voluminöser. Dabei „matscht“ nichts, und der Sound bleibt schön durchsichtig.

Abspielen und aufnehmen am GP-310

Neben dem obligatorischen Metronom bietet die Grand-Hybrid-Serie dem Spieler bewährte Übungshilfen an. Das sind zum einen die 60 MIDI-Songs der „Music Library“ – klassische Klavierstücke auf jeweils zwei Spuren, um linke und rechte Hand getrennt einzuüben. Die 15 „Concert Play Songs“ dagegen sind Audio-Aufnahmen von bekannten Orchesterwerken. Sie können dank Time Stretching in gewissen Grenzen im Tempo angepasst werden.

Das eigene Spiel als MIDI-Song kann am GP-310 ebenfalls auf zwei Spuren aufgezeichnet werden. Zehn interne User-Speicher stehen dafür zur Verfügung. Alternativ kann man Audio-Aufnahmen im WAV-Format auf einem USB-Stick vornehmen. Auch lassen sich beliebige WAV- Playbacks vom Stick über das interne Soundsystem wiedergeben. Vierhändiges Spiel lässt das GP-310 über die bewährte Duet-Funktion zu, wobei die Tastatur in zwei autarke Hälften unterteilt wird.

Bluetooth & Apps?

Verzichten muss man am GP-310 auf Bluetooth. Können Spieler darüber an anderen Casio-Pianos wie den beiden PX-S-Modellen die hauseigene App Chordana Play for Piano verwenden, ist das für die GP-Serie nicht vorgesehen. Somit gibt es auch keine Möglichkeit, das GP-310 über ein Tablet zu bedienen. Dank seines gut überschaubaren Funktionsumfangs ist die Bedienung des Pianos aber auch nicht sonderlich kompliziert. Der Anschluss über USB an Musik-Computer oder Tablet ist selbstverständlich möglich.

Das Casio GP-310 im Vergleich

Casio GP-310 vs. GP-510: Der Casio GP-510 ist als Top-Modell ausschließlich in Schwarz-Hochglanz erhältlich, was sich auch im Preis bemerkbar macht. Dagegen ist das GP-310 zu einem um mehr als 1.000 Euro verringerten Budget zu haben. In Anbetracht dessen halten sich die weiteren Beschränkungen in Grenzen: Das GP-510 hat 35 anstatt 26 Sounds, zehn anstatt sieben einstellbare Flügel-Parameter im Menü Acoustic Simulator, bietet zehn Registration-Speicher (Scenes) und besitzt zusätzliche Messingkappen an den Frontbeinen. 

Wer darauf zugunsten der beträchtlichen Ersparnis verzichten mag, erhält mit dem GP-310 so gesehen also einen Preis-Leistungs-Riesen. Das scheint man auch beim Hersteller selbst so zu sehen: Während innerhalb der ersten GP-Generation noch das Zwischenmodell GP-400 auf den Markt kam, das eigentlich ein GP-500 in Schwarz-Matt-Ausführung ist, gibt es in zweiter Auflage kein „GP-410“.

Fazit: Nahe dran am Top-Modell

Das Casio GP-310 ist ein hochwertiges Homepiano, für das sich Casio in Zusammenarbeit mit C. Bechstein vieles vom akustischen Vorbild abgeschaut hat. Die hervorragende Holztastatur in Verbindung mit der aufwendigen Hammermechanik, die wertigen, realistisch arbeitenden Fußpedale, das leistungsfähige Wiedergabesystem und die ausgezeichneten Klänge dreier unterschiedlicher Originalflügel heben die GP-Serie deutlich von der breiten Masse und den übrigen Celviano-Pianos ab. 

Dass das GP-310 in diesen entscheidenden Features dem Top-Modell GP-510 in kaum etwas nachsteht, ist wirklich bemerkenswert. Was die weiteren Funktionen und die Klangauswahl angeht, bietet Casios Hybrid-Modell zwar nur die gängige Grundausstattung, und auch eine App-Anbindung bleibt außen vor. Sound, Spielgefühl sowie die hochwertige Verarbeitung sollten dies aber allemal wettmachen.

Casio GP-310 Grand Hybrid Digitalpiano (Bildquelle: Casio)

Casio GP-310 – Übersicht

Erhältlich seit: 11.2019
Tastatur: 88 Tasten, Natural Grand Hammer Action
Polyphonie: 256 Stimmen
Klangerzeugung: Sampling, AiR Grand Sound Source
Lieferumfang: Netzteil, Halterung für Kopfhörer, Notenheft „Concert Play/Music Library“
Besonderheiten: drei verschiedene Flügelsounds, hervorragende Verarbeitung
Hersteller/Vertrieb: Casio

Henrik Bruns

Die hervorragende Holztastatur in Verbindung mit der aufwendigen Hammermechanik, die wertigen, realistisch arbeitenden Fußpedale, das leistungsfähige Wiedergabesystem und die ausgezeichneten Klänge dreier unterschiedlicher Originalflügel heben die GP-Serie deutlich von der breiten Masse und den übrigen Celviano-Pianos ab.

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Casio · Digitalpiano · Digitalpiano Oberklasse · Hammermechanik

Tests

7. März 2020

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