Test: AAS Lounge Lizard EP-4 - Electric-Piano-VST
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Test: AAS Lounge Lizard EP-4 – Electric-Piano-VST

  • Das AAS Lounge Lizard EP-4 ist ein E-Piano-VST mit realistischen Sounds und Effekten.
  • Basierend auf Physical Modeling arbeitet das Lounge Lizard EP-4 Ressourcen-schonend auch auf weniger leistungsstarken Musik-Computern.
  • Die Klangmöglichkeiten gehen über das Spektrum der Vintage-Klassiker hinaus. Eine Federhall-Simulation vermisst man dennoch bei den ansonsten gut klingenden Effekten.
AAS Lounge Lizard EP-4 - Vintage-E-Piano-VST

Vintage-Keyboards aus dem Audio-PC – das AAS Lounge Lizard EP-4 macht die E-Piano-Klassiker in der DAW verfügbar und bietet realistische Vintage-Piano-Sounds. Dank Physical-Modeling-Klangerzeugung kann man das Klangverhalten des EP-4 in vielen Details selber intonieren – und kommt zu fantastischen Ergebnissen.

Das AAS Lounge Lizard EP-4 gehört zu den seltenen E-Piano-VSTs, die auf Basis von Physical-Modeling-Algorithmen die Klänge in Echtzeit berechnen. Im Vergleich zum Sampling haben Instrumente mit Physical Modeling einen riesigen Vorteil: Sie können den kontinuierlichen Dynamikverlauf der Vintage-E-Pianos sehr gut nachbilden. Beim Piano-Sampling kann man sich diesem Klangverhalten über Dynamik-Layer nähern, was eine Library aber sehr speicherintensiv werden lässt.

AAS Lounge Lizard EP-4 arbeitet Ressourcen-schonend

Insofern sind Physical-Modeling-Instrumente eine smarte Lösung, und für die Prozessoren aktueller Rechner stellt die erforderliche Rechenleistung kein Problem dar. Das AAS Lounge Lizard gehört übrigens zu den ersten Physical Modeling Piano-VSTs. Inzwischen in der vierten Generation angelangt, hat der Hersteller namens  „Applied Acoustic Systems“ (AAS) das Lounge Lizard immer weiter verbessert.

Play Menü des Lounge Lizard EP-4
Schnell mal am Sound drehen: Das Play Menü des Lounge Lizard EP-4 fasst die wichtigsten Parameter und Effekte in einem übersichtlichen Bereich zusammen.

Guter Sound und einfache Handhabung

Was mich beim Anspielen des Lounge Lizard EP-4 spontan begeistert, ist der warme Grundsound der E-Piano-Sounds. Damit trifft das Lounge Lizard EP-4 schon mal den Nerv in puncto Vintage-Sound. Außerdem faszinieren mich die vielen verschiedenen Presets, welche die klassischen Klangideale beliebter Vintage-E-Pianos authentisch nachbilden.

Sehr gut daran ist, dass diese wichtigen Basic-Sounds auf übermäßigen Effekt-Einsatz verzichten. Damit sind die Sounds für Live-Gigs oder auch in der Studio-Produktion sofort einsatzbereit. Die etwa 240 Sounds umfassende Library enthält aber auch einige Effekt-Sounds. Auch solche, die man spontan so gar nicht in die Kategorie „E-Piano“ stecken mag – das Lounge Lizard hat also auch in puncto Klanggestaltung einiges drauf.

Lounge Lizard Edit-Menü
E-Pianos intonieren im Audio-Rechner: Sounds editieren ist beim Lounge Lizard sehr einfach und übersichtlich.

E-Piano-Sounds editieren mit dem Lounge Lizard

Das ist ein wirklich herausragendes Feature des AAS Lounge Lizard EP-4: Das Spiel- und Klangverhalten der Sounds kann man in vielen Details beeinflussen. Soll der Klangcharakter sein: Eher weich oder hart, metallisch oder holzig, glockig oder perkussiv? Die Parameter orientieren sich dabei nicht an abstrakten Parametern wie man es von Synthesizern her kennt, sondern anhand der elektromechanischen Klangerzeugung eines E-Pianos. 

Rhodes Tine Model Lounge Lizard (Bildquelle: Applied Acoustic Systems)
Das Stimmgabel-Prinzip der Fender-Rhodes-Klangerzeugung bildet das Lounge Lizard in drei Parametergruppen als physikalisches Modell nach. (Bildquelle: Applied Acoustic Systems)

Beim Tine-Model ist Vielfalt angesagt

Das bildet auch die flexiblen Möglichkeiten der Intonation eines Rhodes ab. Auch das Reed-Modell lässt sich natürlich mit den Edit-Möglichkeiten auf vielfältige Weise variieren, aber die Stärken des AAS Lounge Lizard EP-4 liegen eindeutig bei den Fender-Rhodes-Sounds.

Das Wurlitzer bietet mit seinem Reed-Modell eigentlich nicht so viele Variationsmöglichkeiten – insofern entfernt man sich mit ein paar Reglerdrehungen schon sehr weit vom originalen Reed-Sound. Nichtsdestotrotz ist dieses Modell sehr ergiebig, um auch mal ganz andere Sounds mit dem AAS Lounge Lizard EP-4 zu erstellen. Interessant klingen diese E-Piano-Sounds allemal.

Authentische Effekte

Einen wichtigen Bestandteil der E-Piano-Sounds der 60er und 70er machen die Effekte aus – vorzugsweise Modulationseffekte wie Phaser, Chorus und insbesondere Tremolo sind essenziell dabei. Die Modulationseffekte klingen sehr schön „vintage“. Schade, dass das nicht auch für den Reverb zutrifft – hier hätte ich mir schon einen authentischen Spring Reverb gewünscht, der übrigens auch zu den gut klingenden Amp-Simulationen passen würde.

Gut für perkussive Solo-Sounds ist dann der Kompressor. Dieser kann ganz schön zuschnappen, man sollte ihn daher etwas behutsam einsetzen. Am besten gefällt mir der Effekt bei höheren Threshold-Werten, sodass der Kompressor nur dann einsetzt, wenn man richtig in die Tasten haut.

Lounge Lizard EP-4: Das Effekte-Menü
An Effekten alles an Bord, was man braucht. Einzig eine Federhall-Simulation könnte man sich wünschen.

Fazit: Authentischer Sound mit vielen Möglichkeiten

Das AAS Lounge Lizard EP-4 ist ein E-Piano-VST mit vielen Klangmöglichkeiten, die weit über das Spektrum der beliebten Vintage E-Pianos hinausgehen kann. Vor allem aber klingt es gut – schwerpunktmäßig bei den Fender-Rhodes-Sounds – und ist als Ressourcen-schonende Software unbedingt empfehlenswert für den Live-Einsatz. 

Einzig könnte man kritisieren, dass das Lounge Lizard EP-4 zu perfekt klingt: Geschmackssache, aber ein wenig vermisse ich die kleinen Ecken und Kanten, die bei einem echten Vintage Piano den individuellen Charme ausmachen. Zu den authentischen Effekten hätte noch eine Federhall-Simulation gepasst – vielleicht liefert der Hersteller noch mal ein Update nach.

AAS Lounge Lizard EP4 – Überblick

Erhältlich seit: ca. 2016
Plattform: Standalone, VST2/3, AU, AAS, RTAS – MacOS und Windows
Hersteller/Vertrieb: Applied Acoustics Systems/Sonic Sales

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